Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 20 (14.5.1920)
- Date
- 1920-05-14
- Page
- Seite 226 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Das Jüdische Echo Nr. 20 wiir den dringendsten Anforderungen gerecht werden wollen. Und es kann erreicht werden, wenn möglichst alle deutschen Juden sich verpflichtet fühilien. entsprechend ihrem Vermögen Einkommen ihren und Landfondsbeitrag zu bemessen. Alle Milliarden der Welt werden nicht ausreichen, die Judennot durch Wohltätigkeit aus der Welt zu schaffen oder auch nur wesentlich zu lindern. Mehr und mehr kommt man in der Welt von dem System der Wohltätigkeit durch Geldgeben, durch das man vielleicht auf Stunden oder Tage, nicht aber für die Da'uer hilft, ab. Hülfe durch Arbeit ist die Losung, wenn man großzügig und allein erfolgversprechend an die Linderung der jüdischen Not gehen will. Juden dazu verhelfen, als Bauern in Palästina ein freies Leben zu führen, das ist das Ziel, an dem mitzuwirken der Land fondstag des Jüdischen Nationalfonds Gelegenheit geben will. Man darf nicht sagen: wir ha'ben näher liegende Sorgen. Um der näher liegenden Sorgen willen darf eine Tat, die nah und weit liegende Sorgen 'n gle’cher Wehe zu heilen geeignet und allein imstande ist, nicht ungetan bleiben. Man darf auch nicht sagen: wir haben doch schon einmal dafür gegeben. Kaum einer hat wohl bisher bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gegeben. Und wie man die Kapitalertragsteuer oder die indirekte Steuer auf Tabak oder Eisenbahn oder Post nicht deshalb ablehnen kann, weil man schon einmal Einkommensteuer gezahlt hat, so darf man die freiwillige Steuer für den Landerwerb in Palästina nicht a'blehnen, weil man schon für den Palästina-Aufbaufonds gegeben hat, der dazu bestimmt ist, die ersten notwendigen Ausgaben zu bestreiten: die Kosten der Wanderung, die Unt nkunftsgeügenlieiten, Wege- und Chausseebau, Hafen- und Kanalisierungsanlagen, Elektrisierung und Bewässerung, Schulen und Unterrichtsänstalten. Synagogen und Krankenhäuser und vieles andere. Man soll auch, ehe man davon spricht, daß die deutsche Valuta nichts wert ist. sich überlegen daß sieben Zehntel aller Juden in den Ländern mit schlechter Valuta leben, und daß die deutschen Juden von diesen mit am besten gestellt sind. Die Not ist aufs Höchste gestieg e n. Auch in Palästina sind die Schwierigkeiten noch nicht restlos überwunden. Sollen wir da untätig bleiben und, die einen schadenfroh, die anderen bedauernd, sagen: vir haben es ja immer gesagt; oder: wir wollen ab warten bis alle Schwierigkeiten behoben sind? Oder müssen wir nicht vielmehr erkennen, daß gerade darum erhöhter Eifer, vervielfachte Anstrengung notwendig ist? Hätten die Juden aller Länder, besonders auch die wohlhabenden und reichen, schon früher geholfen, dann wäre das Land ganz anders vorbereitet gewesen. Dann wären jetzt schon einige Hunderttausend Juden in Palästina, und das Land könnte seine Arme weit öffnen für weitere Hunderttausende. Das Abseitsstehen einer großen Zähl von Juden hat es nicht ermöglicht, daß der einzigartige politische Moment, da das Recht der Juden a*uf Palästina offiziell anerkannt wurde, auch ausgenutzt werden konnte. Weil durch1 das Abseitsstehen das Land nicht vorbereitet, nicht aufnahmefähig war. Weiteres Warten bringt höchste Gefahr! Einige hunderttausend Juden in Palästina werden der Welt zeigen, daß unsere Forderung nacht einer Heimstätte für das gemarterte Volk eine realpolitische Forderung ist. Und werden dem verhetzten arabischen Volk zeigen, daß man es belügt, wenn man es glauben machen will, die Juden kämen in das Land, um ihm etwas zu nehmen. Einige hunderttausend Juden in Palästina werden bewirken, daß die Araber einsehen, daß wir als Brüder, als Freunde, nicht als Feinde zu ihnen kommen. Solange wir in Palästina noch so schwach sind wie heute, solange werden Agitatoren und Hetzer es leicht haben, ein Schreckensbild der Zukunft zu entwerfen. Nur die Wirklichkeit kann sie Lügen strafen. Die Wirklichkeit schaffen zu helfen, dazu ruft d&r Landfondstag Euch alle auf! Ans Werk! Weizmann über die Unruhen in Jerusalem „Manchester Guardian“ brachte am 26. April ein Interview mit Weizmann, das sein Korrespondent telegraphisch aus San Remo übermittelte: „Die englische Regierung“, sagte Weizmann. „hat sich im Verfolg der Übernahme des Mandats und der Bestätigung der Balfour-Deklaration be~ reit erklärt, eine Verwaltung in Palästina zu ernennen, bei der man sich darauf verlassen kann, daß sie im Geiste dier Bälfour-Deklaration arbeiten wird. Ich habe auch beantragt, daß Bedingungen geschaffen werden sollen, die innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Mässeneinwanderung von Juden nach Palästina gestatten. Dies würde eine energische Inangriffnahme des Häuserbaues und anderer Vorbereitungen bedingen, die sofort einsetzen müßten, sobald eine der britischen Politik ergebene Verwaltung konstituiert ist. Ich erwarte keine Konflikte mit der arabischen Bevölkerung. Wenn schon längst eine loyale Verwaltung eingesetzt worden wäre, wie es nötig war, so würden, die schrecklichen Unruhen, denen mein Volk kürzlich in Palästina ausgesetzt wa'r, vermieden worden sein. Aber die Majorität der dort stationierten englischen Offiziere waren innerlich Gegner dieser Politik; sie haben niemaills versucht, uns zu verstehen, oder anderen unsere Ideen verständlich zu machen. Die Unruhen, welche sich in der Folge ereigneten, können nur als organisierte Pogrome gekennzeichnet werden. Als ich in Palästina ankam, lag eine ungeheure Spannung in der ganzen Atmosphäre. Ich fühlte, da'ß die leiseste Provokation von einer Seite zum Zusammenstoß führen mußte. Es gab eine Menge von Mißverständnissen und Mißdeutungen gefährlichsten Charakters. Es war ein aktueller und bösartiger Haß in einem solchen Maße und von solcher Beschaffenheit zu spüren, daß man ihn unbedingt auf die Begünstigung, wenn nicht die Anstiftung von irgendeiner Seite zurückführen muß. Vierzig Jahre lang haben Araber und Juden friedlich nebeneinander in Palästina1 gelebt. Gegenwärtig habe ich definitive Beweise für die Möglichkeit der Wiederherstellung einer solchen Freundschaft, wenn sie nicht bösartig von dritter Seite gestört wird.