Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 20 (14.5.1920)
- Date
- 1920-05-14
- Page
- Seite 225 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 225 daß man sich selbst zugehörig fühlt, daß man sich selbst erlösen will, indem man das jüdische Volk erlöst. Noch ist die Zeit nicht gekommen, da alle deutschen Juden oder auch nur ein überwiegender Teil Zionisten sind. Aber die Zeit ist gekommen, in der alle Juden auch in Deutschland einsehen müssen, daß sie am Aufbau Palästinas mithelfen müssen. Aus Gründen der Menschlichkeit! Aus Gründen der Notwendigkeit! Aus Gründen der Klugheit! Die Gründe der Menschlichkeit dürften nach dem Gesagten klar geworden sein. Auch die Notwendigkeit gebietet es, denn die jüdische Not schreit zum Himmel, die Wanderung beginnt, und es gibt kein Land der Welt, das Juden heute noch aufnimmt. Es muß ein Ventil geschaffen werden. Und der Klugheit? Der Aufbau Palästinas wird kommen.. Mit, ohne oder gegen die deutschen Juden. Wollen die deutschen Juden, die früher eine weit über ihre Zahl hinausgehende Geltung im Gesamtjudentum hatten, den letzten Rest von Ansehen in der Welt verlieren? Oder wollen sie beweisen, daß zwar die Valuta entwertet ist, daß aber die Menschen nicht entwertet sind, nicht entwertet werden können?! Die deutschen Juden werden es begreifen müssen, daß sie nicht zurücktreten dürfen, wo es sich um eine Aufgabe der Gesamtjudenh e i t handelt. Einige Hunderttausend und später vielleicht einige Millionen Juden in Palästina werden nicht nur die Judennot lindern, sondern auch den Antisemitismus überwinden helfen. Denn die Judennot ist die furchtbarste Waffe des Antisemitismus. Weil wir, vom Boden abgesperrt, überall als Lückenbüßer in die Ritzen des Wirtschaftslebens der andern Völker treten, weil wir die Verleumdungen, die man gegen uns verbreitet, nicht durch die Tat widerlegen können, weil wir eine anormale, ungesunde soziale Struktur haben, darum haßt, nein, verachtet man uns. Ein kleines, schönes Gemeinwesen in Palästina wird dem jüdischen Namen sicher Ehre und Geltung verschaffen. Und der Augenblick, in dem man im Hinblick auf das, was Juden in Palästina geschaffen haben, den Namen Jude wieder mit Stolz und Achtung ausspricht, wird zugleich der Augenblick des Beginns der Überwindung des Antisemitismus sein. Man soll sich doch endlich frei machen von dem Kinderschreck der zwei Vaterländer, von der Furcht davor, daß die Antisemiten sagen werden: „Fort mit den Juden nach Palästina.“ Antisemitismus ist niemals um Gründe verlegen. Er hat das immer und zu allen Zeiten bewiesen. Wir müssen unser Leben einrichten, unbekümmert um das, was Antisemiten sagen oder sagen werden. Die anständigen Nichtjuden aber werden das niemals sagen. Sie haben es früher nicht gesagt und können es jetzt weniger als je. Niemals — außer vielleicht in Zeiten nationalen Überchauvinismus — hat man den Deutschen, Polen, Juden, Chinesen, in Amerika, den Polen und Italienern in der Welt, all denen, die mit dem Lande, in dem sie wohnten, verbunden waren, gesagt: schert Euch in Euer Vaterland. Und nach diesem Weltkrieg wird man es weniger als je sagen können und sagen dürfen. Was würde Deutschland! wohil sagen, wenn man den Hunderttausenden seiner Bürger, die jetzt an Dänemark, Polen, Tschechoslovakei, Frankreich gekommen sind, sagen würde: „Raus mit den Deutschen nach Deutschland?“ Die Zeit drängt! Die Landfondsaktion, zu der das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds im Haag auf gerufen hat und die die Berliner Zentrale in Form eines Landfondstages im Monat Mai in Deutschland durchführen will, gibt allen Juden in Deutschland Ge^ legenheit und' Möglichkeit unabhängig von ihrer Par,teistellung sich am Aufbau Palästinas zu beteiligen. In einer Form und in einer Höhe, wie es dem Einkommen eines jeden entspricht. Der Jüdische Nationalfonds hat den Zweck, Grund und Boden in Palästina als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben und den Ansiedlern in Erbpacht weiterzugeben. Er hat ferner den Zweck, den Grund und Boden zu sanieren und durch Baum- und andere Pflanzungen aufzuforsten. Wahrlich) ein Zweck, zu dem jeder beisteuern kann, nach Kräften, ja vielleicht noch über seine Kräfte hinaus beisteuern muß! Im Jahre 1901 gegründet, hat der Jüdische Nationalfonds bis zum Ausbruch des Krieges 5 Millionen Franken aus den Pfennigen der Armen und Ärmsten in der Welt zusammengebracht. Im Kriege stiegen die Einnahmen um 3 Millionen Franken, im Jahre 1918 betrugen sie 1 Million Franken und im Jahre 1919 zum ersten Male 51/* Millionen Franken. Und in Deutschland? Die Einnahmen des J.N.F. betrugen in Deutschland! im Jahre 1901: 130 Mk.. im Jahre 1907: lOOOOMk.. im Jahre 1913: 100 000 Mik., im Jahre 1918: 270 000 Mk., im Jahre 1919: 1 Million und 18 000 Mk. Man darf also mit Fug und Recht sagen, daß der Jüdische Nationalfonds ein Volksschatz ist, der sich immer steigender, immer wachsender Beliebtheit erfreut Millionen Franken sind eine gewaltige Summe, wenn man bedenkt, daß die Kupferpfennige und die Kopeken das weitaus größte Kontingent aller Spenden darstellten, und daß noch bis vor ganz wenig Jahren Spenden m Höhe einer zwei- oder gar dreistelligen Zahl Spenden waren, deren Hochherzigkeit Tränen der Rührung und tiefster Dankbarkeit auslösten. 141/« Millionen Franken sind eine winzig kleine Summe, gemessen an ddn ungeheuren Aufgaben, die bevorstehen. Mit diesem Geld hat der N.F. in Palästina wichtigste Arbeit geleistet. Er hat Farmen angelegt — genannt seien hier nur Hulda. Ben Schemen. Kinereth —, Baumpflanzungen vermittels der ölbaumspende geschaffen. Eukalyptus- und Ölbaumhaine und Wälder angelegt und plant noch eine viel, viel größere Ausgestaltung. Er hat den Grund und Boden für die wichtigsten Institutionen — genannt seien nur: die Universität in Jerusalem, das Technikum in Haifa, die Gymnasien in Jaffa und Jerusalem, Krankenhäuser und vieles andere zur Verfügung gestellt. Er hat geschaffen und schafft noch Musterfarmen und landwirtschaftliche Versuchsstationen. Das Haager Hauptbureau erwartet daß die Welt in diesem Jahre 30 Millionen Franken aufbringt. Deutschland soll dazu 4 Millionen Mark beisteuern. Das Ziel muß erreicht werden, wenn