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Das jüdische Echo · 1920-05-07 · 19 (7.5.1920) · p. Seite 214

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
19 (7.5.1920)
Date
1920-05-07
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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214 Das Jüdische Echo Nr. 19 und verachtungsvoll den sich da draußen ausbreitenden neuen Stadtteilen den Einbruch in das antike Heiligtum wehren zu wollen. Die alte Stadtmauer hat recht! Es ist nicht leicht etwas Geschmack- und Stilloseres zu finden als dies Gemisch von regellosen Straßen und Gebäuden, das sich das neue Jerusalem nennt. Aber die ersten Juden, die vor kaum hundert Jahren die geheiligte Sitte durchbrachen, nur in der inneren Stadt und dort möglichst nahe beim „Beth ha Mikdasch“ zu wohnen, kümmerten sich nicht um Baustil oder Straßenanlagen. Und die andern, die aus Europa nachkamen, taten es ebensowenig. Es war ein europäischer Jude, Moses Montefiori, der die erste jüdische Siedelung außerhalb der Stadtmauer erbaute. Sie macht seiner großzügigen Wohltätigkeit entschieden mehr Ehre als seinem Sinn für Bauwesen. Dieser Stadtteil, kurzweg Monte fiori genannt, liegt dem Tempelberg gerade gegenüber im Süden der Stadt. Seine terrassenförmige Lage und der Ausblick, den man von dort auf den Berg Moria und hinab in das Tal Gehennom hat, ist wunderbar schön. Doch konnte Moses Montefiori nur mit Anwendung vieler Geldmittel einige sephardische Juden verlocken, die Häuser zu beziehen, weil außerhalb der Stadtmauer sehr oft räuberische Überfälle der Araber vorkamen. Hätten die Juden sich geweigert, weil die neuen Wohnstätten zu klein, eng und unhygienisch waren, so wäre ich vollständig mit ihnen einverstanden. Davon verstanden sie aber nichts, waren es auch nicht anders gewohnt. Jetzt leben im Monte fiori-Viertel mehrere hundert Familien, fast nur Spaniolen. Sie haben eine Synagoge und eine Talmud-Thora. Die meisten Kinder gehen in die weit entfernten hebräischen Volksschulen. Von den kleinsten besuchten einige den Kindergarten in der inneren Stadt, jedoch war der Weg zu weit und zu gefährlich wegen des großen Wagenverkehrs am Jaffator. Die Notwendigkeit eines eigenen Gans für Monte fiori wurde immer dringender. Der Stadtteil wuchs und mit ihm die Zahl der Kinder, die fast nur spaniolisch sprachen. Der Gan hatte kulturell als Träger und Verbreiter der hebräischen Sprache und als Bollwerk gegen das so fest eingewurzelte Spaniolisch zu wirken. Außerdem konnte nur in ihm eine regelmäßige Augenbehandlung der Kinder durchgeführt werden. So wurde der Gan im April 1918 von dem Jerusalemer Frauenverein gegründet; er ging jedoch schon nach einigen Monaten in die Hände des Wad-ha-Chinuch über. Durch den Gan kam neues, frisches Leben in diesen abgelegenen Teil Jerusalems. Moralisch war gerade das Monte fiori-Viertel im Kriege sehr gesunken. Durch seine exponierte Lage an der äußersten Peripherie der Stadt war es der Durchgangspunkt der verschiedenen einrückenden Truppen. Nirgends gab es so viele herumlungernde Soldaten, nirgends so viel auf Abwege geratene Frauen und Mädchen und nirgends so viele vernachlässigte Kinder wie da. Der Gan nahm sich in erster Linie der Kinder an. Aber die Lehrerinnen kamen doch in direkte Berührung mit den Familien und konnten oft helfend, ratend und bessernd eingreifen. Das Vorhandensein des Gan an und für sich, als offizielle pädagogische Anstalt inmitten des Viertels, war etwas, das Respekt und Rücksicht erforderte. Auch jetzt, nachdem der Krieg mit seinen schlimmen Begleiterscheinungen vorüber ist, ist der Gan noch immer Hauptfaktor und Mittelpunkt von Monte fiori. Jeder Besucher des Kindergartens ist entzückt von der Schönheit der kleinen Spaniolen mit ihren schwarzen, immer lustigen Augen. Sie haben fast alle ein ausgesprochenes Talent für Musik, was man bei den jemenitischen und bucharischen Kindern weniger findet. Der Gan entwickelte sich rapid. Aus der einen Klasse mit 30 Kindern entstand bald 3 Klassen mit 90, dann 4 mit über 100 Kindern. Mit dem Anwachsen der Schülerzahl wuchs aber auch unsere Wohnungskalamität. Die erste Klasse war noch unterzubringen; als drei Klassen da waren, mußten wir zwei neben einander liegende Häuschen nehmen, die aber auch ungenügend waren. Bei vier Klassen wußten wir uns nicht mehr zu helfen. Im ganzen Stadtteil war kein einziges Haus mit genügend großen Räumen zu finden, nicht einmal mit kleinen Räumen in genügender Anzahl. Es gab auch weder Spielplatz noch Garten. Und da es unbedingt unserm Prinzip widersprach, eine große Anzahl von Kindern in kleine Räume zusammenzupferchen, so mußten wir bedauerlicherweise die Aufnahme neuer Kinder zurückweisen. Und wir könnten gerade in Monte fiori einen der schönsten Kindergärten haben, wenn wir ein eigenes Gebäude dafür hätten! Das wäre ohne allzu große Kosten zu ermöglichen. Freie Bauplätze in den höher gelegenen Teilen von Monte fiori sind genug vorhanden. Ich stelle mir ein geräumiges einstöckiges Häuschen vor, mit breiter, schattiger Terasse und mit hellen, kühlen Räumen, mit einem großen Spielplatz, wo die Kleinen sich unter Olivenbäumen frei und gesund entwickeln könnten, immer die schönen Denkmäler der Vergangenheit vor Augen, den Tempelberg mit dem Davidsturm und der Davidsburg. Ich appeliere an die Leser dieser Zeilen: Sollten sich nicht Palästinafreunde finden, die uns diesen Kindergarten im Monte fiori-Stadteil in Jerusalem erbauen wollen? literarisches Echo Fritz Gerlich: Der Kommunismus als Lehre vom tausendjährigen Reich. Verlag Georg Bruckmann, München. Der Kampf gegen den Bolschewismus ist nahezu identisch geworden mit dem Kampf gegen das Judentum. Wer in Wort und Schrift gegen den roten Schrecken auftritt, glaubt — als müßte es so sein — nicht anders bei den Massen Gehör zu finden, als wenn er zunächst und in erster Linie die Juden für alles verantwortlich macht, die Juden, die er als Fremde, als „Fremdkörper im deutschen Volke“ bezeichnet. Der Bolschewismus wird ebenso als fremd, als von Rußland eingeschleppt, dargestellt und der Gedankensprung ist nicht groß, wenn man nun meint, mit dem Fremden, dem Juden ließe sich auch die bolschewistische Seuche ausrotten. Psychologisch ist es nicht so ungeschickt, die Masse dadurch bekehren zu wollen, daß man ihr vorredet: Ihr selber seid es ja gar nicht gewesen, ihr selber seid nicht so schlimm — es sind die Anderen, die Fremden, schlagt sie tot. Wir sind so vieles gewohnt worden in den letzten Zeiten, daß es uns geradezu verwunderlich erscheint, auf einen Menschen zu stoß-en, der nicht die billige Lüge und die billige Verdrehung zu einem billigen Erfolg ausbeutet. Fritz Gerlich unternimmt es in dem vorliegenden Werk, gründliche Arbeit zu leisten. Gerlich hat sich die Mühe genommen, die Schriften der Lenin, Trotzki, Bucharin, Oszinski, der Landauer, Eisner usw. selber zu lesen und er kommt auf Grund seiner

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