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Das jüdische Echo · 1920-05-07 · 19 (7.5.1920) · p. Seite 213

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
19 (7.5.1920)
Date
1920-05-07
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 213 jährige über die großen Fragen der Jugend entscheiden wollten, sind vorbei Die Zeiten unjugendlicher Neutralität sind vorbei. „Das ewige Gestern verdämmert, schon zeigt sich der kommende Tag.“ Wie die Entwicklung gehen wird, zu welchem Ziele sie schließlich führen wird, vermag keiner zu sagen. Eins aber ist gewiß: Die neue Jugend wird sein „schwarz oder weiß, kalt oder heiß, aber nicht grau oder lau.“ —r. Eine wichtige Jugend« Versammlung in Nürnberg Am Dienstag, den 13. April, fand im überfüllten Richard Wagner-Saal des Palasthotels Fürstenhof zu Nürnberg eine Jugendversammlung statt, die an Wichtigkeit weit über ähnliche Versammlungen hinausragte. Einlader waren sämtliche jüdische Jugendorganisationen in Nürnberg. Es kamen Redner aller Richtungen zu Worte: Für die Agudas Jisroel sprach Arthur Klugmann, für den „Jüdischen Jugendbund“-Nürnberg Herr Rabbiner Dr. Heilbronn, für eine Gruppe junger Nationaljuden, die sich eben zusammengeschlossen hat, Kurt Neu, für den jüdischen Wanderbund „Blau-Weiß“ und den jüdischen Turn- und Sportverein „Bar Kochba“ Karl Glaser, für die neugegründete „Vereinigung junger deutscher Juden“ Justin Weinschenk. Bemerkenswert war, daß sämtliche Redner Partei für die im Augenblick besonders schwer bedrängten Ostjuden nahmen, sehr im Gegensatz zu äußerst einflußreichen Angehörigen der älteren jüdischen Generation Nürnbergs. Noch bemerkenswerter aber war, daß es sich zeigte, wie überraschend stark der nationaljüdische Gedanke in den letzten Monaten in der Nürnberger Jugend geworden ist. Die beiden nationaljüdischen Redner fanden in der Versammlung den weitaus stärksten Beifall. Die Versammlung führte zu einer auch zahlenmäßig sehr beträchtlichen Stärkung der nationaljüdischen Jugendgruppen. Jüdische Namen 1. Morgenrot. Der Vorstand des Münchener Lebensmittelamtes heißt Morgenrot. Er kann es nicht leugnen. Zwar beweist er, soweit das überhaupt möglich ist, die Judenreinheit seiner Abstammung. Allein umsonst! Es gibt in München eine zu große Anzahl von Leuten, welche viel zu spät aufgestanden sind, als daß sie der Begriff „Morgenrot“ anders denn fremd anmuten könnte, und welche die Weißwurst viel zu heiß geliebt haben, als daß sie das städtische Lebensmittelamt nicht von Grund ihrer Seele aus hassen müßten. „Zerreißt ihn! Sein Name ist Cinna!“ brüllt in Shakespeares „Julius Caesar“, der römische Mob einen harmlosen Spaziergänger an, der vergebens immer wieder beteuert: „Ich bin Cinna der Poet! Ich bin Cinna der Poet! Ich bin nicht Cinna der Verschworene!“ 2. Simon und Judae. Nichtjüdische Träger des Namens Simon haben es gegenwärtig nicht leicht. Allein die Juden haben es noch schwerer. Denn Alles, was die Nichtjuden, die Simon heißen, sündigen, müssen die Juden, die nicht Simon heißen, büßen. Z. B.: Ein der U. S. P. angehöriger Münchener Stadtrat, der bis vor Kurzem mit der Beaufsichtigung des städtischen Wohnungsamtes betraut war, aber wegen verschiedener Übergriffe von dieser Funktion enthoben wurde, heißt Simon. Der stockkonservative preußische Landrat von Gumbinnen, der kürzlich wegen seiner Beteiligung am Kapp- Putsch gemaßregelt wurde, heißt gleichfalls S i - m o n. Die Judenschaft kann weder etwas für die Taten des Einen noch für die Untaten des Anderen. Trotzdem wird sie für Beide haftbar gemacht, ohne daß ihr gestattet würde, wenigstens mit dem Stadtrat gegen den Landrat und mit dem Kapo- Putsch gegen die Mißstände im Münchener Wohnungsamt aufzurechnen. „Simon und Judäa ists. Da rast der See und will sein Opfer haben.“ 3. Kabinett Hirsch. „Ich versichere Ihnen, es kommt viel darauf an, wie man heißt; der Name tut viel“ — ließ Heinrich Heine vor hundert Jahren den Hamburger Schutzbürger Hirsch sprechen, einen kleinen Mann von großer Begabung, der es aber selbst als getaufter Jude nur vom Lotteriekollekteur, Hühneraugenoperateur und Taxator bis zum herrschaftlichen Kammerdiener bringen konnte. „Der Name tut viel. Weil Hirsch ein jüdisches Wort ist und auf deutsch Hyacinth heißt, habe ich den alten Hirsch laufen lassen und unterschreibe mich jetzt Hyacinth.“ Seitdem sind zahlreiche jüdische Hirsche dem Beispiel des Herrn Hyacinth gefolgt und haben sich auf ähnliche Weise assimiliert. Sie sind infolgedessen keine herrschaftlichen Kammerdiener und tragen kein jüdisches Kreuz mehr, sondern sind Volkskammerdiener und tragen das Hakenkreuz. Es wäre zu weit gehend, deshalb behaupten zu wollen, alle heute noch vorhandenen Hirsche seien arische Rassenhirsche. Es gibt einige Ausnahmen. Aber das verflossene preußische Kabinett Hirsch bestätigt die Regel. Sein Präsident kann beweisen, daß er mit Hirsch-Hyacinth, weiland Schutzbürger in Hamburg, nicht einmal weitläufig verwandt ist und daß er unter seinen Ahnen weder einen Lotteriekollekteur noch einen Hühneraugenoperateur noch einen Taxator besitzt. Aber Herr Hirsch hatte in seinem Kabinett einen unbrauchbaren Minister. Dieser Mann ist seines Berufes Rechtsanwalt, wohnt in Berlin, hängt der Sozialdemokratie an und schreibt sich, als ob es an alledem nicht genug wäre, Heine. Mit dem durch die deutsche Literaturgeschichte von Adolf Bartels bekanntgewordenen jüdischen Schriftsteller gleichen Namens ist er so wenig verwandt, wie Herr Paul Hirsch aus Essen mit Herrn Hirsch- Hyacinth aus Hamburg. Aber was nützt das? Wer das Unglück hat, „Hirsch“ oder „Heine“ zu heißen, kann in der demokratischen Republik Preußen auf die Dauer nicht Minister sein. Er muß sich damit abfinden, es im preußischen Staatsdienst nicht weiter zu bringen, als bis zum wirklichen, geheimen oder wirklichen geheimen Juden. Bilder aus den Jerusalemer Kindergärten Von Dina Clemence Mayer. III. Der Gan „Monteflori“. Um das historische Jerusalem der Vergangenheit legt sich wie ein schützender Ring die alte Stadtmauer. Mit ihren riesigen Quadersteinen und der imposanten Zackenkrone scheint sie stolz

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