Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 18 (30.4.1920)
- Date
- 1920-04-30
- Page
- Seite 204 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Das Jüdische Echo Nr. 18 entspricht. Ein zartes lyrisches Continuo, das willkürlich anfängt und ebenso aufhört. Eine beschauliche, in sich gekehrte Ekstase, die etwa an den zweiten Satz der Schubertschen h-moll- Symphonie gemahnt. Es ist deshalb kein Zufall, daß Brod Szenen hindurch Musik mitklingen läßt. Der Zuschauer erfährt weiter nichts, als daß ein junger Mensch in der Erwartung seiner Geliebten sich so restlos glücklich fühlt, daß dieses Gefühl, wie er sagt, gegen seine Schädeldecke preßt. Alles, was um ihn her geschieht, sieht er mit den Augen des Liebenden, dem die unscheinbarste Geste, das profanste Geschehen zum beseeligendsten und entzückendsten Erlebnis wird. Dieses Bekenntnis hätte bei einer unwirklicheren Darstellung die Zuschauer in seinen Bann kreisen können. Ein phantasievoller begabter Regisseur hätte den Gehalt der Dichtung erschöpfen können. Alles hätte unwirklich sein müssen, aus dem nüchternen österreichischen Kaffeehaus eine von wunderlichen Formen und Farben gebildete Märchenschenke werden müssen, in der die Menschen in farbigen Trachten wie Marionetten oder Gespenster dahinhuschen und mit eckigen puppenhaften Gebärden den einzigen Beseelten, den verliebten Jüngling, kontrastieren. Zudem waren die Darsteller ohne Ausnahme so unter dem Durchschnitt, daß es zu einem peinlichen Theaterskandal kam, den sich die Leitung des Hauses selbst zuzuschreiben hat. Brod, dem Dichter, ist bitter Unrecht geschehen, doch ist das Werkchen ja nicht so belangvoll, daß er es nicht verschmerzen könnte. Feuilleton Lag b’omer bei den jüdischen Landarbeitern. Von Dr. Emil Stein. Wien. Die Dampftramway Kagran—Enzersdorf ist trotz ihrer sechs Waggons überfüllt, doch nicht mit gewöhnlichen Ausflüglern; die schreckt das Wetter. Es ist eine neue Art von Passagieren, das merkt man an dem erstaunten Gesichtsausdruck der Schaffner und auch an den Liedern. Der Hapoel Hazair nimmt den Lag b’omer-Weg ins Freie zu den Chaluzim, seinen jungen Freunden, die sich auf ihr palästinensisches Pioniertum hier vorbereiten. Aus allen Wagen tönen hebräische Lieder, die Kinder haben hebräische Liederbücher zur Hand. Im Bankwinkel sitzen eng aneinander ein zwölfjähriges Mädchen und ihre Mutter und mischen ihre hellen Stimmen in den frohen Chor. Ein biederes Bäuerlein, dem die Jungen bereitwilligst einen Sitzplatz freigemacht haben, schaut verwundert umher. Er versteht nicht die-Lieder, er weiß die Freude nicht zu würdigen. Mit wenigen Worten wird ihm Aufklärung: Ein jüdischer Feiertag. Juden, die zu ihren arbeitenden Freunden in Groß-Enzersdorf fahren. — „Ah, zu die Zionisten!“ Jetzt versteht er freilich schon alles. Und dann gehts im frohen Zuge hinaus in die Lobau in ein einsam stehendes Wirtshaus, weil für die große Zahl der Besucher in den Wohnräumen der Chaluzim nicht Platz genug wäre. Das Festprogramm ist so wunderbar anspruchslos und einfach, wie es diese jungen Juden selbst geworden sind. Die Gastgeber, bescheiden unter die Menge gemischt, kaum erkennbar, gäbe es keine dunkelbraun gebrannte Gesichtshaut. Sie haben sogar einen Honoratiorentisch reserviert, der aber den Kindern überlassen wird. Ein Lied steigt auf aus Kindermund, doch schon fällt der Chor ein und dann bittet ein Chaluz den Initiator des Ausfluges, ihnen etwas von den hohen Zielen des Hapoel Hazair zu sagen. Auch der Arbeitgeber, ein jüdischer Gutsbesitzer, hat sich eingefunden und lauscht dem Redner, der seine Zuhörer in die Zeiten Bar Kochbas zurückführt, und dann von Palästina und den Nöten der Landarbeiter spricht. Die Arbeit und die hebräische Kultur soll uns wieder die Heimat erringen, für die der Hapoel Hazair sich und die Chaluzim schon hier vorbereiten will. Jetzt ertönt der junge Tenor eines Chaluz. Er singt froh, dieser jüdische Waisenknabe. der einen der klangvollsten Namen der galizischen Judenschaft trägt und einer der besten Arbeiter sein soll, stets frohgemut, fleißig, anstellig, immer die anderen mit seinem Humor aneifernd. Und selbst ganz stolz, drängt der Gutsbesitzer. man möge doch an einem Wochentag kommen, wenn die Jungen an der Arbeit sind. Die Tragweite des Beginnens kommt ihm und seinen Arbeitern gar nicht zum Bewußtsein, well ihnen, gottlob, ihr Schaffen ganz natürlich ist. Zwei einfache Stuben, darin eng gedrängt 15 Betten, alles primitiv, aber sauber — so hausen die Chaluzim, die hier die Honneurs machen und stolz auf den einzigen Schmuck der Behausung weisen: An der Misrachwand ein ungerahmtes m/s TSaulhallmaier München ‘fheatunaetirAö. Mi