Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 18 (30.4.1920)
- Date
- 1920-04-30
- Page
- Seite 205 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 205 Bild des Mannes, der für sie gelebt hat und für sie gestorben ist —1 Theodor Herzl. Auch das Endchen eines blau-weißen Bandes hat sich gefunden, das um das Bild geschlungen ist. Ein Qroß-Enzersdorfer kleiner Judenbub scheint mit den Chaluzim innige Freundschaft geschlossen zu haben, denn recht heimisch treibt er sich zwischen den Betten herum. Doch auf einen neckischen Chaluzruf in jüdischer Sprache antwortet er: „Geh, loß mi aus, i muß harn geh’n.“ Den niederösterreichischen Dialekt mag das Büblein behalten, das Samenkorn jüdischer Wesensart, das die Chaluzim unbewußt in das Kinderherz säen, wird aber aufgehen! Nach Groß-Enzersdorf müssen keine zionistischen Agitationsredner gehen, um die entjudeten Juden zu ihrem Volke zurückzubringen! Das aber ist der tiefe Sinn der Chaluzbewegung. wie ihn Herzls prophetischer Geist vorausgesehen hat. Schon die Vorbereitung für Palästina löst eine messianische Feiertagsstimmung im ganzen Volke aus. Palästinas Einfluß macht sich schon jetzt geltend. Und auf dem Wege nach Palästina bearbeiten unsere Chaluzim in produktivem Schaffen fremden Boden, die Mitarbeit am Wirtschaftsleben des Galuth bei voller Wahrung ihrer völkischen Eigenart beseitigt manches Vorurteil auf Seite der autochthonen Bevölkerung, die jüdische Arbeit bringt Wertschätzung in die eigenen und fremden Augen. Der Chaluz aber weiß das nicht und soll es auch nicht wissen. Er geht einfach seiner Arbeit nach und denkt an Palästina, ohne zu spintisieren. So natürlich war auch seine Gastfreundschaft, von der alle seine Besucher mit dem Bewußtsein schieden, daß in dieser Arbeit der Gesundnngsprozeß des alten aber wieder jugendfrohen Volkes liegt. Gemeindenu.Vereins-lche München. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens hatte auf Samstag, 24. April! zu einem Vortrag des Verbahdssyndikus Dr. Ludwig Holländer eingeladen. Die Einladung war nur an einen beschränkten Personenkreis ergangen; wie ausdrücklich in der Einladung hervorgehoben wurde, auch an eine größere Zahl nichtjüdischer Personen. Um eine Saalüberfüllung zu vermeiden, sollten die Vereinsmitglieder nur. sowieit sie besonders eingeladen waren, Zutritt haben. Die Besorgnis der Vorstandschaft erwies sich als unbegründet. Der Saal war höchstens zu einem Drittel besetzt, von den eingeladenen Nichtjuden waren kaum ein Dutzend erschienen. Das Holländersche Referat hielt sich in dem Rahmen der üblichen Abwehrvereinstätigkeit. Er wies die gegen das Judentum erhobenen Vorwürfe des Internationalismus, des Bolschewismus und der Fremdheit zurück unter wirkungsvoller Widerlegung so mancher von antisemitischer Seite vorgebrachten Verleumdungen. — An das Referat schloß sich eine Diskussion an, in der der Redakteur des „Neuen Münchener Tagblatts“ (Dr. Müller) sich als Gegner des Antisemitismus bekannte. Kommerzienrat Z 1 u t z warnte vor einer zu großen Ängstlichkeit gegenüber dem Antisemitismus (weite Kreise des Bürgertums seien davon frei). Rechtsanwalt Dr. Straus verlangte eine mehr grundsätzliche Stellung zu dem Problem des Antisemitismus, dessen tiefste Wurzel in dem Gefühl der Fremdheit zu suchen sei, dem die jüdischen Minderheiten bei der übrigen Bevölkerung begegnen. Will das deutsche Judentum sich in seiner schwierigen Stellung erhalten, so muß vor allem der jüdische Wille gestärkt werden; dadurch erwerbe sich das Judentum Achtung auch nach außen hin. Durch Abwehr antisemitischer Exzesse allein könne man dem deutschen Judentum nicht helfen. — Die prinzipielle Seite der Fragen des Antisemitismus wurde ferner von Herrn Max Krämer und Herrn Stadtrat Weiß behandelt. Letzterer ging — im Anschluß an die Ausführungen von Dr. Straus — auf die Frage der Ostjuden ein, unter Wiedergabe der Erfahrungen, die er in der Okkupationszeit in Warschau gesammelt hatte. Er erklärte eine Klärung der Frage des nationalen Charakters dies Judentums für die wichtigste; betonte im übrigen, daß er die Juden als einen wertvollen Bestandteil der deutschen Bevölkerung erachte. —, Als Vertreter des Bunds der Frontsoldaten sprach noch Rechtsanwalt Weiler. Mit einem Schlußwort des Referenten schloß die Versammlung. Bibliothek Tuschija: Die öffentliche Bibliothekstunde ist jetzt Sonntag von 11—12 Uhr Klenzestraße 34/11 Rgb. Bar Kochba München Sportabteilung. Unserem ersten Start war ein sehr erfreulicher Erfolg beschieden: Gegen starke Konkurrenz errang unsere 4X100 m Staffelmannschaft (Djubkewitsch, Fränkel, Orljansky, Heumann II) in 49,9 Sekunden den 1. Preis, in der 2000 m Staff e 1 konnten Heumann II, Djubkewitsch und Orljansky in 5 Minuten 22,2 Sek. den 3. Platz belegen. Die Teilnehmer im 4. Großen Staffellauf Grünwald—München werden nochmals dringend aufgefordert, das Training regelmäßig zu besuchen. (Mittwoch und Samstag ab 6 Uhr.) An den Wettkämpfen des Turn- und Sportvereins Jahn auf dem Sportplatz an der Grünwalderstraße beteiligen wir uns mit einer Staffelmannschaft. Das Training fällt an diesem Tage aus. Die Sportleitung. Jüd. Wanderbund Blau-Weiß. 2. Zug: Samstag: Heimnachmittag 4 Uhr für Jüngere, 5.15 Uhr für Ältere; Sonntag: Treffpunkt 8 Uhr Waldfriedhof; Donnerstag: 5 Uhr Spielen (Bavaria); Freitag: JJlundjncr Jlcueffc 31c!cftn'd?ten ©roßte, fägl. 2mal erfcßetnenbe 3ßitung unb 29tittßlbeut|'cf)* lanb$. ftauffräftiger £ßferfrete unb über£>eutfd)lanb$ ©renjen ßinauä* geßenbe Verbreitung. ©roßerfauf* mann. u. getoßrM.fetellenmarft mBT Über Slnerfannt feßr erfolgreich für feigen aller 21rt. feigen* prete unb 21ad)laß nad) $arif. VejugäpreB monatl. 2W. 6.50 bet allen beutfdjen poflanffalten 3Ji if Ii o n £ e f e r “?>»*