Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 18 (30.4.1920)
- Date
- 1920-04-30
- Page
- Seite 203 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 203 lieh als „inneren Feind“ bezeichnet und die stammesfremden Minderheiten grundlos des Einverständnisses mit dem äußeren Feind verdächtigt. „National“ empfindet, wer lieber mit Frankreich an der Zertrümmerung, als mit Preußen am Wiederaufbau des Reiches arbeitet. „Christlich“ denkt, wer in einer Bartholomäusnacht sämtliche deutsche Juden umbringen möchte. 3. Exklusivität. Der liberale „N a t i o n a 1 v e r e i n“ schloß die deutschen Arbeiter aus, weil er sie a'Is seine „geborenen Ehren mitglieder betrachtete. Die Mitgliedschaft war bei ihm an das Bestehen einer Besitzprobe geknüpft. Infolgedessen konnten ihm zwar jüdische Kapitalisten, nicht aber deutsche Proletarier in corpore angehören. Der „deutsch-völkische Schutz - und Trutzbund“ schließt die deutschen Juden aus, indem er sie als seine geborenen Nicht mitglieder betrachtet. Auch die Ehrenmitgliedschaft ist bei ihm an das Bestehen einer Ahnenprobe geknüpft. Infolgedessen kann ihm zwa'r jeder Dummkopf angehören, der sich für einen „Arier“ hält, nicht aber ein Jude, der seinen deutschen Namen zu Ehren gebracht hat. Der „Völkerbund“ endlich schließt bis jetzt das ganze deutsche Volk aus, obwohl er es als sein geborenes Mitglied betrachtet. Er macht die Aufnahme von dem Bestehen einer Sittenprobe abhängig. Infolgedessen kann ihm zwar das artige Frankreich mit a'llen seinen Kapitalisten und Proletariern, Juden und Nichtjuden angehören, aber nicht das unartige deutsche und das noch unartigere russische Volk. Es geht doch nichts über Exklusivität. Aus der Jüdischen Weit Die Labour Party für den Zionismus. London, 21. April. Die englische Arbeiterpartei „Labour Party“ faßte gestern am 20. d. M. eine Resolution zugunsten der zion istischen Forderungen. Palästina. Sympathiekundgebung für den Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina. Bei einer Sitzung der Stoke Newington Abteilung der großbritannischen Union der Völker-Liga wurde eine Resolution angenommen, den Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina zu unterstützen und ein Telegramm wurde dementsprechend an den Premierminister nach San Remo geschickt, gezeichnet von dem Vorsitzenden, Sir Herbert Ormond, früherer Bürgermeister von Stoke Newington. Syrien. Die Unabhängigkeitserklärung des syrischen Kongresses. Nach den Blättermeldungen hat der syrische Kongreß in Damaskus beschlossen: l.Die völlige Unabhängigkeit Syriens innerhalb seiner natürlichen Grenzen vom Sinai bis zum Taurus und von der syrischen Wüste bis zur See, ohne irgendein Protektorat, Mandat oder irgendeine andere Form der Einmischung von außen; 2. die Proklamation des Emir Faisul zum König von Syrien; 3. die allgemeine militärische Dienstpflicht; 4. die Verständigung der Vertreter der europäischen Mächte und der Friedenskonferenz in Paris von dieser Entscheidung. Der Korrespondent von „Daily Mail“ aus Damaskus berichtet unter dem 21. März über ein Interview mit dem Emir, worin er folgende Äußerung des Emir wiedergibt: „Bezüglich der zionistischen Frage bin ich zu einer beide Seiten befriedigenden Verständigung mit Dr. Weizmann gelangt, und ich bin bereit, daran festzuhalten.“ Theater-Echo Zwei Einakter jüdischer Dichter im Münchener Schauspielhaus. Friedr. Koffka: Kain — Max Brod: Die Höhe des Gefühls. „Kain“ ist ein immerhin nicht unwirksamer Bühnendialog, und „Die Höhe des Gefühls“ ist ein auch bei der besten Darstellung bühnenunmöglicher Monolog, obwohl wiederum die rein künstlerische Qualität bei Brod stärker zu sein scheint, als bei Koffka. Koffkas Dichtung liegt in der Linie bester dramatischer Tradition, scheint stark und grade. Daß sie zeitlicher und lokaler Sphäre entrückt ist, ist für einen Expressionisten selbstverständlich. Ein Beweis, wie Expressionismus und jüdischer Geist innig verwandt sind (nicht mehr, wirklich nicht identisch!); denn dieser Mangel an Sinn für historische Gegenständlichkeit, diese Mißachtung von notwendig dazu gehörigen Kostümen, Gerätschaften und Farben ist kennzeichnend für den abstrahierenden jüdischen Geist, dem optische und akustische Eindrücke bis zu seiner Assimilation an den europäischen nie viel sagten. Koffka will die Tragödie zweier heterogener Elemente, die einander abstoßen, anziehen und wieder abstoßen, auf eine Urformei bringen. Kain wird bei ihm zum Schauenden und Wissenden, dem Gütigen und Liebenden, Abel zum Derben und Gradlinigen, Unempfindlichen und Leistenden. Der Dichter steht dem Bürger gegenüber. Soweit wäre an diesem Drama nichts Aussergewöhnliches. So gesehen hätte die Tragödie Kain-Abel zu einem Kunstwerk werden können, keinem großen Formats, aber immerhin zu einer neuen künstlerischen Darstellung des oft behandelten Stoffes. Aber diese Antithese mußte nach Koffkas Ansicht noch weiter psychologisch begründet werden, und so wird der Dichter bei seinem Bohren in der Seele Kains zum Analytiker und zerstört sich das ursprünglich visionär Gesehene durch eine fast wissenschaftliche Untersuchung der Motive Kains. Wie Kain sich nach dem Schlachten des Lammes erkundigt, den Schmerz, den er über die zertretene Lilie empfindet, seine sich bis zur Zärtlichkeit steigernde Haltung zu Abel grenzen oft bedrückend und quälend an das Gebiet des nur mit den Augen des Psychiaters gesehenen, nicht menschlich erlebten Psychopatischen. Man hat den Eindruck, daß dieser Kain seinen Bruder trotz allem Neid, Zurückgestoßensein und nicht Fröhlichseinkönnen nicht erschlagen würde, wenn er nicht wenige Augenblicke vorher die Erzählung von der Schlachtung des Kalbes so begierig eingesogen hätte. Der Darsteller des Kain, Herr G r a n a c h , übertrieb allerdings nach dieser Seite hin entschieden; diesem Kain glaubte man nicht sein zartes Mitfühlen mit einem Bettelknaben, den der gesunde Bruder Bürger mit seinen Gefährten aufs Gröblichste gekränkt hat. Herr Granach wandte diese Rolle ins finster Dämonische, statt sie gütig und leidend zu spielen. An diesem Stück verdarb die Regie nichts, an dem nächsten alles. B r o d s Einakter gehört gewiß nicht auf die Bühne. Es ist eine Idylle, wie sie etwa den Schäferspielen des 18ö siöcle