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Das jüdische Echo · 1920-04-30 · 18 (30.4.1920) · p. Seite 200

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
18 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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200 Das Jüdische Echo Nr. 18 Die Toten von Tel Cha} l. Eine Lache jüdischen Blutes auf dem Boden Palästinas, eine kleine Kolonie verloren. Ach Gott, so viel Blut fließt heutzutage, solche Werte werden vernichtet, daß es sich kaum verlohnt, davon zu sprechen. Ein paar Tote auf jeder Seite, ein paar Verwundete — den Bericht über einen ähnlichen Vorfall in deutschen Landen würde man schnell vergessen. Und doch ist ein Großes um diese Menschen, die dort für die jüdische Zukunft starben. Man denke: ein Fünfzehnmillionen-Volk über die Erde gehetzt, nirgends heimatsberechtigt, nirgends sicher, sein ganzes Leben eine einzige atemlose Flucht. Man verfolgt uns? Man weist uns aus, man boykottiert unsere Geschäfte, man sperrt uns die Möglichkeit jeder Arbeit, die uns ernähren könnte? So packen wir unsere Habseligkeiten auf den Rücken, greifen wie unsere Väter wieder einmal zum Wanderstab, suchen wieder einmal ein neues Asyl für Wochen, Monate, Jahre, wenns hoch kommt, für ein paar Menschenalter. Aber da ist das alte Judenland, Palästina, da sind jüdische Menschen, die vermeinten, nur dort glücklich leben, nur dort sich und ihrem Volke eine Zukunft schaffen zu können. Sie sind ins Land gekommen, um zu arbeiten, dem Boden Nahrung abzuringen — und der versteinerte Boden gab das Brot nicht willig her. Sie schaffen wirklich im Schweiße ihres Angesichtes, sie lebten das ärmliche Leben des Landmanns, der nichts hat und erst alles werden will, sie schliefen auf harten Betten, oft in Schuppen oder Baracken. Und sie waren doch alle einmal Städter gewesen, Studenten, Händler, gehütete Haustöchter .... Es war nichts, das ihnen das Leben in Palästina besonders verlockend, besonders angenehm erscheinen lassen konnte. Nichts außer dem beglückenden Bewußtsein, in dem Lande der Väter an jüdischer Zukunft mitzuarbeiten, in Gemeinschaft jüdischer Menschen ein jüdisches Gemeinwesen aufbauen zu können. Sie sind deshalb — in ihrer Mehrzahl — keine Helden, sind ganz unpathetisch, poschet, Männer und Frauen des Alltags. Aber den Alltag durchleuchtet mit heiliger Flamme das Chaluzgefühl, der Pioniergeist Gewiß ist das nicht die Art aller palästinensischen Juden — nicht einmal in den Kolonien, aber es gibt unter den Kolonisten solche Menschen und nicht wenige — und das ist sehr viel. Das Jiskorbuch geschrieben zum Gedächtnis gefallener palästinensischer Arbeiter und Wächter, das der jüdische Verlag vor einiger Zeit in deutscher Sprache herausgab, erzählt von ihnen. Und die Berichte über den Kampf um Tel Chaj und den Verlust der Kolonie lassen sie lebendig vor unseren Augen erstehen, keine Soldaten, keine ruhmsüchtigen Landsknechte, sondern Arbeiter, die sich mit Leib und Leben der Scholle verschrieben haben, die bebauen zu dürfen ihnen mehr als Leib und Leben bedeutet. Die ohne pathetische Gebärden und Heldengesten einfach und selbstverständlich die Flinte nehmen, um jüdische Arbeit zu schützen, Bauleute, die ein neues Zion errichten, wie schon einmal in der Geschichte unseres Volkes. Mit Kelle und Schwert. 2. Der Brief eines Palästinensers, der auf der Prager Weltkonferenz der Hapoel Hazair- und der Zeire Zion-Organisation verlesen wurde, schildert einfach und anschaulich das Geschehene, die Überfälle in Tel Chaj und Metulla und den Tod der jüdischen Verteidiger. „Am 7. Adar kam die erste Hilfsexpedition des Verteidigungskomitees in Galiläa an. Am selben Tag kam Trumpeldor nach Metulla und vertrieb die Räuberbande, die sich in der letzten Zeit in Metulla festgesetzt hatte. Mit den neuen zusammen waren in Metulla 45 Leute, in Tel Chaj 35, in Kfar-Giladi 25. Da kam der Scheick von Chalsa mit fünf arabischen Offizieren und einer Menge von Soldaten. Sie baten Trumpeldor, daß er sie in den Hof hineinlasse. Da die Beziehungen zu den Araberhäuptlingen bis jetzt sehr gut waren, gestattete Trumpeldor den Eintritt. Da fing plötzlich Kemal Effendi (der Führer des Aufstandes, ein Knabe von 18 Jahren) in scharfem Ton zu sprechen an und verlangte die angeblich versteckten Franzosen. Trumpeldor bot ihm an, das Gehöft zu durchsuchen und fünf von den Besuchern gingen mit Trumpeldor durch alle Zimmer, durchsuchten alle Nebenräume. In den oberen zwei Zimmern waren die zwei Mädchen Czizik und Deb. Drechsler, ferner Munter, Scharf und Kniewski. Kurz darauf ging Trumpeldor hinunter und übertrug die Führung der Besucher einem andern Genossen. Doch bevor dieser andere noch heraufgekommen war, rief Debora Trumpeldor aus dem Fenster von oben zu: „sie haben mir den Revolver weggenommen!“ Zur selben Zeit bemerkte Trumpeldor, daß einzelne aus der Schar der Besucher in das Gehöft einbrachen und versuchten, die Torwache zu entwaffnen. Trumpeldor gab den Befehl „Feuer“ und sofort begann eine gegenseitige Schießerei. Trumpeldor wurde durch einen Bauchschuß schwer verwundet. Er rief seinen Kameraden zu: „Ich bin verwundet!“ und1 im selben Augenblick trafen ihn noch zwei Kugeln. Er lehnte sich an die Wand und bat einen seiner Genossen, ihm die Wunde zuzuhalten und führte das Kommando weiter. Im Gehöft entstand eine Verwirrung. Schon schossen sie auch von oben hinunter. In dem Stall, gegenüber dem Eingang, waren zwei Löcher, von denen man aus den Eingang beschießen konnte. Die Wache, die dort stand, schoß unaufhörlich gegen das Tor, so daß keiner hereinkonnte. Eine längere Zeit dauerte die Schießerei. Kemal Effendi machte von oben aus Trumpeldor den Vorschlag, ihn und seine Freunde abziehen zu lassen, er selbst wolle die Angreifer beruhigen, da der Überfall auf einem Mißverständnis beruhe. Trumpeldor stimmte zu und befahl die Einstellung des Feuers. Einer von den Torwächtern, dem nur eine Kugel übrig geblieben war, sagte zu Kemal: „Diese Kugel war für Dich bestimmt, aber unser Führer befiehlt uns, Dich am Leben zu lassen — geh!!“ Darauf zogen die Gäste mit Ausnahme eines, der verwundet war, ab, doch nach einer Viertelstunde setzte der arabische Angriff noch stärker ein. Der verwundete Trumpeldor, an die Wand gelehnt, gab den Befehl, Feuer bis zur letzten Kugel. Der Angriff war sehr heftig und dauerte zwei Stunden. Trumpeldor fuhr fort, mit Hilfe Schneersohns Befehle zu geben und endlich gelang es ihnen, die Angreifer, die im Gehöfte 4 Tote 15 Verwundete und ein französisches Maschinengewehr zurückließen, zu vertreiben. Darauf gab Trumpeldor den Befehl, die Genossen des Gehöftes zu suchen und es stellte sich heraus, daß außer Trumpeldor noch 3 Verwundete waren, Zolti, Golubow und Goldberg und einer von den Legionären, Tuker, war tot. Dann ging man hinauf und dort fand

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