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Das jüdische Echo · 1920-04-23 · 17 (23.4.1920) · p. Seite 192

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
17 (23.4.1920)
Date
1920-04-23
Page
Seite 192 (sequence 8)
Language
German
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192 Das Jüdische Echo Nr. 17 Nächte lang bei den Juden und hetzte sie auf, „die Bestechung: der Wachtposten zu versuchen und so zu entkommen.“ (Auf der Flucht wären sie dann erschossen worden.) „Als diese Arbeit mißlungen war, bummelte der Spitzel im Pelz, mit den Offizieren gemächlich durchs Lager. Manche Soldaten nützten den Heißhunger der „Schieber“ aus; lieferten ein Brot für fünfzig; ein Täfelchen Schokolade für 40 Mark. Als ein Soldat mit 2000 Mark gesammelten Geldes verschwunden war und die Geschädigten sich mit Beschwerde an den Wachtoffizier wandten, wurden sie höhnisch abgewiesen. Wie Hohn klang auch die Forderung, „für Unterkunft und Verpflegung habe jeder zu Entlassende anderthalb Mark für jeden Tag an das Sturmbataillon zu zahlen.“ Das steht im Bericht des Ausschusses. Viele Gefangene hatten, wie schon erwähnt wurde, aus Amerika Reisegeld. Einer gab an, ihm seien 7000 Mark gestohlen worden. Ein anderer, daß auf ihn, als er abends „austreten“ wollte, der Posten zielte. Ein Dritter, daß ein Unteroffizier ihm Minuten lang den geladenen Revolver an die Schläfe drückte. Alle bekunden, daß es Maulschellen, Püffe, Fußtritte regnete und sie fast nur die rüdesten Schimpfreden hörten. „Schieber, Bolschewisten, Verbrecher, plattfüßige Juden; Ihr seid nicht wert, hier zu sitzen; alle müßtet Ihr an die Wand gestellt werden; nicht einmal Betten bauen können die Mistviecher; wie einen Hund knall’ ich Dich nieder; Schnauze halten. Saujude, oder Du bist hin.“ So war der Verkehrston. Von freundlicheren Soldaten wurde erzählt: „Ihr wurdet schon seit 14 Tagen hier erwartet.“ Wer hätte noch vor 2 Jahren, trotz allen Greuelurkunden aus Ost und West, nicht den Künder solchen Vorganges ins Irrenhaus gewiesen? Aus Lille Jungfrauefi verschleppt; in Dinant jeder zehnte Einwohner erschossen; das ganze Serbenvolk als vogelfrei geächtet, ein Drittel ausgereutet. Mag sein. Wenn Ares die schwarze Mähne schüttelt, wird im Hirn Finsternis. Nun ist. lange schon. Friede. Und gegen Wehrlose, in Deutschland Geborene oder Zugelassene kann Solches geschehen? West-östlicher Divan 1. Hakenkreuzzug. Die mittelalterlichen Kreuzzüge waren bekanntlich von blutigen Judenverfolgungen begleitet. Trotzdem ist es in jahrhundertelangen Anstrengungen weder gelungen, das heilige Grab dauernd aus den Händen der Ungläubigen zu befreien noch dem jüdischen Volke ein unheiliges Grab zu bereiten. Indessen die Völker scheinen gegen die Lehren der Geschichte unempfindlich zu sein. Die heutigen Landsleute des Peter von Amiens leben in dem Wahn, das deutsche Mitlionenvolk im Interesse ihrer Selbsterhaltung vernichten zu müssen und die Nachkommen der deutschen Kreuzfahrer wähnen, das einzige Mittel der Rettung aus dieser Gefahr bestehe darin, daß man eine halbe Million deutscher Juden austreibt oder totschlägt. 2. Die Welt ohne Juden. Stellt Euch einmal vor, es hätte nie einen Juden gegeben: keinen Christus und keinen Shylok; keinen Spinoza und keinen Kapitän Dreifus; keinen Karl Marx und keinen Rothschild; keinen Disraeli und keinen Trotzki. Glaubt einer, die Welt wäre dann reicher an Liebe und ärmer an Rachsucht? Oder es gäbe mehr Wahrheitsstreben und weniger Streberei? Oder der Gegensatz von Kapital und Arbeit wäre nicht vorhanden? Oder England hätte nicht den sozialen Verständigungsfrieden. Rußland nicht die Militärdiktatur? — Ach nein! Die Welt ohne Juden wäre zwar in Vielem ärmer, aber sie wäre weder besser noch glücklicher als sie ist Für Antisemiten insbesondere wäre sie trostlos. Sie wären rein gezwungen, sich selber zu hassen. 3. Wandlungen. Ars einst die Boxer eine mächtige Volksbewegung gegen die Überfremdung Chinas entfesselt hatten, erzwangen wir im Bunde mit anderen Mächten die Aufrechterhaltung der Politik der offenen Tür. Der deutsche Kaiser fuhr „mit gepanzerter Faust“ dazwischen, und wir übersetzten einige Jahre lang „Deutschland über Alles“ mit „Germans to the front“. Heute ringen wir mit den Boxern um die Palme der Rückständigkeit. Anstelle der „Hebung des Fremdenverkehrs“, für die sie noch vor wenigen Jahren eine auch nicht immer geschmackvolle Reklame entfalten ließ, hat die bayerische Regierung den „schonungslosen Kampf gegen Überfremdung“ auf ihr Panier geschrieben. Der ehemalige deutsche Kaiser aber sitzt in Holland und dankt Gott, daß dieses Land noch keine Regierung hat, die schonungslos die Fremden austreibt. — Vereinigung zwischen dem Hapoel Hazair und der Zelre Zion Die zionistisch-sozialistischen Parteien Hapoel Hazair und Zeire Zion beschlossen auf ihrer am 25. und 26. März in Prag veranstalteten Weltkonferenz die Vereinigung. Angenommen wurde eine Entschließung, die feststellt, daß die Vereinigung aller Teile der im Hapoel Hazair und in der Zeire Zion-Organisation organisierten Arbeitsbewegung zu einem allweltlichen Verband auf Grund gemeinsamer allgemeiner Prinzipien beschlossen wird. Die Einzelheiten des Programmes der neugeschaffenen Vereinigung hat eine Kommission auszuarbeiten und der nächsten Weltkonferenz vorzulegen. Diese Resolution wurde unter großer Begeisterung einstimmig angenommen. Eine Krise in Palästina Nach Schluß der Redaktion erhalten wir äußerst bedauerliche Nachrichten, die dem Londoner Zio^ nistischen Bureau aus Palästina zugegangen sind. Vom 4. bis 6. April ereigneten sich in Jerusalem Unruhen, bei denen Juden von Arabern überfallen wurden. Während die eingeborenen Polizeiorgane die Plünderer unterstützten, verhielten sich die britischen Behörden trotz vorheriger Warnung der Zionist-Commission passiv und gestatteten auch nicht den Schutz der Bevölkerung durch eine jüdische Selbstwehr. Die Zionist-Commission hat strenge Untersuchung des Vorfalles, sowie Bestrafung aller Beteiligten gefordert. Die Zionistische Exekutive ist offiziell bei der britischen Regierung vorstellig geworden; diese erklärte, daß seit dem 7. April Ruhe herrsche und eine Wiederholung der Vorfälle nicht zu befürchten sei. Weiteren Meldungen zufolge wurden in diesen Tagen 5 Juden und 4 Mohammedaner getötet. Über die Zahl der Verwundeten schwanken die Angaben. Über Jerusalem ist der Belagerungszustand verhängt. Zweifelhaft ist die Stellung des Emir Faisul. Nach einer unverbürgten „Times“-Nachricht soll sich die britische Regierung mit dem Gedanken tragen, das Verwaltungsmandat: über Palästina dem Emir zu geben, wenn dieser sich bereit erklärt. die Rechte der Juden zu gewährleisten.

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