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Das jüdische Echo · 1920-04-16 · 16 (16.4.1920) · p. Seite 179

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
16 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 179 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 179 Vorurteil durch das Urteil eines gewiß unterrichteten Laien widerlegen. Sanitätsrat Apfel- Köln, Vorstandsmitglied der dortigen Kultusgemeinde, führte auf dem VI. Gemeindeverbandstag 1913 aus, nachdem er die jüdischen Schul- und Lehrerverhältnisse in Berlin und Breslau kritisiert hatte: „Da iliobe ich mir meine Heimatsstadt Köln. Wir haben eine jüdische Volksschule, die innerhalb 9 Jahren von 8 auf 14 Klassen erweitert wurde mit über 600 Kindern. Angesichts des großen Besuches errichtete die Stadtgemeinde ein neues Schulgebäude mit einem Aufwand von Mk. 685 000. Noch nie habe ich erfahren — und ich bin jahrelang Leiter der Schulkommission —, daß sich dadurch irgendwelche Mißstände ergeben hätten weder unter den Kindern noch unter der Bevölkerung. Der jüdische Lehrer ist völlig gleichberechtigt. Die Stadt sieht peinlich darauf, daß Schule und Lehrern genau dasselbe wird, wie den anderen Schulen. Glauben Sie denn, wenn auch die 78% jüdischer Kinder in die Simultanschulen gingen, und wir noch so sehr für diese Schulen sind, daß wir etwas erreichen? Dadurch erreichen wir nur, daß ihr Judentum verkümmert. Unter den jetzigen Verhältnissen ist es uns eine größere Ehre, unsere Kinder in jüdische Volksschulen .gehen zu lassen, als sie als Geduldete in die christlichen Schulen zu schicken. Der rheinische Provinzialverband ist derselben Ansicht und hat bereits 1908 einen Beschluß in diesem Sinne gefaßt. Interessant war mir damals die Bemerkung, daß viele reiche Juden, besonders Akademiker, lieber ihre Kinder taufen ließen, die Schule käme nur für die Kinder der Armen in Betracht. Dem Redner ward der Zwischenruf: Diese Kjnder lassen sich aber nicht taufen!“ Soweit Dr. Apfel. Zahlreiche solche Schulen blühen in den Industriestädten des Westens in Essen und Crefeld, in Dortmund und Barmen. Frankfurt a. M. hat zwei zu Mittelschulen ausgebaute Bildungsstätten, das Philantropin und die Realschule der Religionsgesellschaft. Ich selbst habe von den 30 Lehrerjahren 16 an den jüdischen Volksschulen in Gunzenhausen und Ansbach gewirkt. Frage ich mich selbst, in welchem Wirkungskreis ich mehr schaffen und erziehen konnte, so muß ich bekennen: Dort habe ich andere Erfolge als Lehrer und Erzieher erreicht, als an der Religionsschule, die niemals den innigen Zusammenklang zwischen Lehrer und Zögling ermöglicht, als die Volksschule. Diese ist eine Vollschule, jene eine Halbheit auch in pädagogischer und methodischer Beziehung — ein Ersatz, mit dem sich nur jüdische Gemeinden bescheiden. Sie kann bei allem Fleiß und allem methodischen Geschick der Lehrer nie und nimmermehr die Erziehungswerte ersetzen, die die öffentliche jüdische Volksschule bietet. (Schluß folgt.) Menschliches u. Unmenschliches 1. Kosctaermilch. Nach dem Mazzenmehl die Koschermilch. Es ist gewöhnliche Milch, nur nach rituellen Vorschriften gewonnen. Nur wenige orthodoxe Familien in München beziehen sie in Anrechnung auf ihre Milchkarte. Der Versorgung der Allgemeinheit, insbesondere der Säuglinge, wird durch dieses sogenannte „Privileg“ der Juden kein Tropfen Milch entzogen. Auch handelt es sich dabei nach den Feststellungen des städtischen Lebensmittelreferenten um eine tägliche Menge von nur 140 bis 150 Liter. Dieses Milchquantum ist ungenügend, auch nur 150 Säuglinge zu nähren. Es reicht aber hin, um bei Tausenden von Erwachsenen die Milch der frommen Denkart in gährend Drachengift zu verwandeln. Nur schade, daß man das Gift, das die antisemitische Hetzpresse täglich ausspeit, nicht ebenso leicht in Milch verwandeln kann! 2. Das Judenbuch. Es gibt viele Juden, welche die gesetzlichen Rationierungsvorschriften nicht einhalten. Und es gibt zahllose Nichtjuden, die ganz das Gleiche tun. Wollte man über sie alle öffentlich Buch führen, es gäbe ein Werk, das dem Münchener Adreßbuch an Umfang wenig nachgäbe. Alle diese Verächter des Gesetzes vor Gericht zu stellen, ist schon mit Rücksicht auf Ra*um und Zeit unmöglich. Man muß sich schon mit der Auswahl geeigneter „Fälle“ begnügen. Die Bevorzugung, deren sie sich bei dieser Auswahl erfreuen, ist das einzige wahre „Privileg“, das die Juden in der deutschen Demokratie genießen. Man hat die öffentlich geführte Liste der Kriegswucherer, Schleichhändler und Hamsterer von vornherein als „Judenbuch“ getauft und mit Gott damit angefangen, die iüdischen KuJ<- tusgemeinden für alle Schwarzmüller und Schwarzschlächiter zu belasten, jeden Tropfen auf Schleichwegen gebandelter Mich unter „Koschermrlch“ zu kontieren u,;d was dergleichen Falschbuchungen mehr sind. Wenn die öffentliche Meinung auf solche Weise „gemacht“ wird, darf man sich nicht wundern, wenn die Wuchergerichte schließlich zu Sondergerichten für Rassenjustiz entarten. 3. Slmplicissimus—Panoptikum. Der Hofnarr des deutschen Philisters veröffentlicht zur Feier seines 25jährigen Dienstjubiläums eine Festnummer. Er bringt darin u. a. interessante Stücke aus seinem Panoptikum. Die Lachmuskeln werden besonders gereizt durch einen ..schönen“ Judenkopf mit der Etikette: „ein Zeitgenosse, der allein schonend behandelt werden möcht e“. Der Kopf steht daher, auf daß er ja nicht zerbrochen werde, unter einem Sturz. Überflüssige Vorsicht — denkt der Philister. Dies kommt aber nur davon her, daß der Philister die „Münchener Post“ nicht liest. Hätte er die dort kürzlich veröffentlichten menschlichen Dokumente gelesen, er würde günstiger über die Vorsicht, wenn auch vielleicht nicht auch den Humor seines Leiborgans urteilen. Besonders interessant ist eine Stelle aus dem Brief eines Reichswehrleutnants, der den Kosenamen Meyerl führt. Da heißt es u. a.: „Hoffentlich vergißt der kommende Diktator nicht, die Juden für vogelfrei zu erklären — eine Nacht genügt, diese Hunde auszurotten.“ Es ist also wirklich keine übertriebene Vorsicht, jüdische Köpfe gut zu verwahren, denn es gibt bessere Menschen unter uns. die den Senegalesen an Wildheit nichts nachgeben und die glauben. Köpfe — zumal jüdische —. seien nur dazu gut, von ihnen eingeschlagen zu werden. Hoffentlich vergißt aber der Simplicissimus nicht, bei Herausgabe seiner nächsten Jubiläumsnummer auch den Zeitgenossen Meyerl an passender Stelle in sein Panoptikum aufzunehmen. Reaktion und Ostjuden Wir entnehmen der Münchener Post vom 12. IV. 1920: „Es gibt in München etwa 500. sage fünfhundert Ostjuden, die seit Kriegsbeginn hierher gekommen

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