Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 14 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- Seite 156 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Das Jüdische Echo Nr. 14 wenn die Schwester kommt. — Die malariakranken Kinder erhielten täglich Chinin, in Form von Chokoladetabletten. Leider mußte von Kriegsbeginn an diese Behandlung aufgegeben werden, da kein Chinin mehr ins Land kam und bis heute konnte sie leider nicht wieder aufgenommen werden. Es ist sehr traurig, die armen kleinen Geschöpfe zu sehen, denen das Fieber Kraft und Frische genommen hat, die blaß und teilnahmslos zwischen den andern sitzen, wenn sie überhaupt fähig sind, in den Kindergarten zu gehen. — Unter diesen Kindern, die fast alle den niedersten Schichten des jüdischen Proletariats entstammen, finden wir oft überraschende Schönheiten. Besonders die dunkeln, melancholischen und doch oft so schelmischen Augen der Jemenitenkinder, in deren Blick das tausendjährige Leid ihres Volkes und die Einsamkeit der Wüste Jemens, ihrer Heimat, zu liegen scheint, haben es dem Besucher angetan. Dann gibt es noch ein buntes Gemisch; marokkanischer, persischer, bucharischer und aus Europa stammender Kinder, darunter oft sehir eigenartige und interessante Typen. Man kann da Studien machen über die Mannigfaltigkeit der jüdischen Rasse. Außer den biblischen Namen gibts Suleika, Sultana und noch manche echt orientalische Namen. Dazwischen tauchen aber immer mehr die neuhebräischen Namen auf: Chemda (die Anmutige), Chabiba (die Geliebte), Joffa (die Schöne), Zippora (der Vogel). Nechama* (die Tröstende) und andre mehr. Die Unterrichts- und Umgangssprache ist selbstverständlich nur hebräisch und es macht auf den Besucher einen recht eigenartigen Eindruck, bekannte europäische Kinderlieder in den uralten Lauten der Bibelsprache wiederzufinden. Interessanter sind aber die neuen hebräischen Originalkinderlieder. die mit der Zeit alle Übersetzungen verdrängen. — (Fortsetzung folgt.) Feuilleton Der Zauberkünstler In ein Städtchen Wolhyniens kam einmal ein Zauberkünstler. Wiewohl es vor Pessach war — zu einer Zeit also, da man mehr Sorgen als Haare auf dem Kopfe hat — machte sein Kommen doch größeres Aufsehen. War das ein Rätsel von einem Menschen! Die Kleider zerrissen und einen eingedrückten Zylinderhut auf dem Kopfe. Das Gesicht durchaus jüdisch, doch der Bart wegrasiert. Von einer Pea keine Rede. Und nie sah man ihn essen, weder erlaubte noch unerlaubte Speisen. Da soll einer klug daraus werden. Woher? Aus Paris. Wohin? Nach London. Hat sich hierher verirrt. Ging offenbar zu Fuß. Ins Bethaus kam er auch nicht, selbst nicht am großen Sabbat. Und stand man um ihn herum, so verschwand er plötzlich, als ob ihn die Erde verschlungen hätte, und tauchte auf der anderen Seite des Marktplatzes wieder auf. Bald hatte er einen Saal gemietet und fing an, seine Kunststücke zu zeigen. Ganz großartige Sachen: Verschluckte vor aller Leute Augen glühende Kohlen, als ob es Suppenfleckchen wären. Zog aus dem Munde allerlei Bänder heraus, — rote, grüne und von welcher Farbe man nur wollte, und lange wie der Golus (das Exil). Förderte aus einem Stiefelschaft sechzehn Paar Truthähne heraus, wie Bären so groß, die wirklich lebten und lustig über die Szene flatterten. Hob einen Fuß in die Höhe und scharrte von den Schuhsohlen goldene Dukaten ab — eine ganze Schüssel voll. Natürlich klatschte man Bravo. Da pfiff er, und eine Menge feiner Sabbatbrote schwirrte plötzlich durch den Raum, tanzte unter der Decke. En zweiter Pfiff — und alles war wieder verschwunden, als ob es gar nicht dagewesen wäre. Alles: Bänder, Truthähne und so weiter. Nichts war zurückgeblieben. Nun ja, man weiß es doch, daß sich „der Gegenpart“ (der Satan als Gegenpart Gottes) auch etwas leisten kann. Die ägyptischen Schwarzkünstler haben wahrscheinlich noch größere Kunststücke zusammengebracht. Doch eins: Wie konnte er dabei nur so arm sein? Ein Mensch, der von seinen Schuhsohlen Dukaten abscharrt und sein Quartier nicht bezahlen kann! Der mit einem Pfiff mehr Sabbatbrote backt, als der größte Bäcker im Backofen, der Truthähne aus dem Stiefelschaft zieht und dennoch — ein langgezogenes Gesicht hat, wie ein Sterbender und flackernden Hunger in den Augen.... Wahrlich eine fünfte Frage für den Sederabend, — sagten die Leute. Nun wollen wir aber den Zauberkünstler bis zum Sederabend verlassen und inzwischen Chajim Jojne und sein Weib Riwke Beile auf suchen. Chajim Jojne hatte einmal ein großes Holzgeschäft betrieben und schließlich dabei sein ganzes Ver- "RauThallmaier München TheaänevÜrAÖ. <jiasGr