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Das jüdische Echo · 1920-04-02 · 14 (2.4.1920) · p. Seite 153

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
14 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
Seite 153 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 153 ein Ansehen, das es ihm möglich macht sogar in Deutschland trotz tausend! Vorurteilen ailmählig die gedankliche Einstellung der Judenheit beherrschend zu beeinflussen und umzugestalten. Es ist da'her erklärlich, wenn die Schlußreden der A. K.-Sitzung von starkem Selbstvertrauen und unbedingter Zuversicht getragen waren. Gewiß ist das Mandat noch nicht erteilt, gewiß macht, wie jeder Blick in die Zeitung lehrt, die Regelung der allgemeinen türkischen — nicht der palästinensischen Angelegenheiten größere Schwierigkeiten als man vorerst annehmen konnte, gewiß gibt es niemand mehr, der daran zweifeln könnte, daß die Erteilung des Mandates keine Erfüllung, sondern nur ein Anfang ist, daß nicht von Fremden, sondern von uns allein alles abhängt. Aber wir wissen heut, daß im jüdischen Volke die Kräfte vorhanden sind, um das ewige Sehnen zur Wirklichkeit zu machen. Dieser Überzeugung gab Dr. Weizmann in seiner Schlußrede Ausdruck, in einer Schlußrede, die an Bedeutung die bei solchen Gelegenheiten üblichen Proklamationen weit hinter sich ließ. Denn er sagte: „Die Frage des Judenstaates, nicht nur von Konzessionen seitens der englischen Regierung, sondern direkt die Frage des Judenstaates ist für mich eine Frage der nächsten 400 000 Juden in Palästina. Was wir jetzt erzielen wollen, läßt sich vergleichen mit dem, was Kitchener erzielen wollte, als er die englische Armee aufbaute, „die ersten Hunderttausend“. Aus ihnen baute sich die Millionen-Armee Englands auf. Diesen ersten Kern müssen wir jetzt schaffen.“ Damit ist ausgesprochen, daß die zionistische Organisation kein Minimalprogramm vertritt, daß die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk, die sie erstrebt, kein Notbau, sondern eine wirklich wohnliche Behausung für alle Zukunft sein soll. Ja. noch mehr. Es besteht begründete Hoffnung, daß die Grundlage allen Aufbaues, die Schaffung einer jüdischen Majorität im Lande sich viel schneller verwirklichen lassen wird, als man seitens der vor kurzem noch ziemlich skeptischen zionistischen Leitung angenommen hatte. Mit Recht hob Herr Dr. Nordau in seiner abschließenden Rede als besonders bedeutungsvoll hervor, daß „Dr. Weizmann erst von 20 000, daun von 30 000 und zum Schluß von 60 000 Einwanderern gesprochen hat. die jährlich Aufnahme finden können. Das ist eine sehr große Annäherung an das Programm der sogenafmten Maximalisten, die besonders in Deutschland unter Führung von Davis Trietsch in Rücksicht auf die Lage des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes eine möglichst starke Einwanderung nach Palästina bei zweckdienlicher Organisierung einer derartigen Immigration forderten. Zunächst nun kommt es darauf an, nach Erteilung des Mandates die Ansiedlung von mindestens 500 000 Juden in Erez Jisroel zu erreichen: das ist, wie allgemein erklärt wurde, möglich. Wenn man den Juden nicht mehr vorwerfen kann, sie seien in Palästina nur eins zu zehn, so werden sich die schwierigsten diplomatischen und Verwaltungsprobleme von selbst lösen. Die Mittel für eine so großzügige Organisation sind natürlich beträchtlich und müssen mit rascher Energie aufgebracht werden. Ein Fonds von 25 Millionen Pfund ist bewilligt worden, um die ersten wichtigen Arbeiten zur Erschließung des Landes zu ermöglichen. Das amerikanische Judentum, das sich in den letzten Jahren um die Gesamt- / judenheit so wohlverdient gemacht hat. wird natürlich den Löwenanteil bei der Sammlung dieser Summe zu tragen haben. Hoffen wir, daß auch das deutsche Judentum seinen beschränkten Kräften angemessenes leistet! Der Leitung in London aber wünschen wir die organisatorische und politische Kraft, die nötig ist um in engster Verbindung mit der Gesamtjudenheit die Aufgaben zu bewältigen, die ihr der Beginn der praktischen Arbeit stellen wrird. Denn alles — diese Erkenntnis hat die A. C.- Sitzung nur vertieft — hängt ab von der Intensität und Wucht der jüdischen Arbeit im Land und in der Diaspora. Herr Dr. Weißmann schoß seine Ausführungen mit folgenden Worten, die am besten die Stimmung wiedergeben, die am Ende der Beratungen herrschte und die Gemeingut des auf seien großen Augenblick wertenden jüdischen Volkes werden sollte: „Ich glaube. Sie können Ihren Freunden eines sagen: Was menschenmöglich war ist versucht worden. Es ist noch nicht alles erreicht, aber die Möglichkeiten sind geschaffen, daß wer uns alles weitere erarbeiten. Das Mandat wird vielleicht in kürzester Zeit erteilt werden. Dann darf es keine jüdische Familie, keine Gemeinde, keine Synagoge geben, wo man darüber nicht spricht, nicht verhandelt, nicht mitarbeitet. Nur so werden wir' die ganze Begeisterung und die materielle Unterstützung erreichen können, um die große Aufgab ' zu bewältigen. In den allergrößten Stunden muß man schüchtern und mit jüdischer Zniuth vor demjenigen stehen, der die Geschicke Israels leitet. Ich glaube, er hat die Geschicke richtig geleitet, und was auch kommen wird, die Überzeugung bleibt uns heute: Erez-Israel wird unser. Wenn nicht in fünf Jahren, und wenn nicht in zehn, so in fünfzig. Wir sind auf dem Wege. Aus den großen Schmerzen unseres Volkes werden wir Lieder schaffen und diese Lieder werden wir singen, wenn wir in Palästina einziehen. Schalom, Schalom!“ Entwurf einer vorläufigen Yerfassung des Verbandes Bayer. Israelitischer Gemeinden Wir bringen nachstehenden, einen von Oberlandesgerichtsrat D r. Alfred Neumayer - München stammenden Verfassungsentwurf, der für die zukünftigen rechtlichen Grundlagen der Organisation der Juden Bayerns von größter Bedeutung ist. Wir werden uns mit dem Entwurf demnächst noch eingehend beschäftigen. D. R. I. Organisation. § 1. Die Israelitische Religionsgesellschaft in Bayern besteht aus Gemeinden mit der Rechtsstellung von Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die in der Tagung zu Nürnberg am. vertretenen Gemeinden.bilden, unter Vorbehalt der Anerkennung der Staatsregierung, einen Verband mit dem Rechte einer öffentlichen Körperschaft — Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden —. Der Beitritt zum Verband steht jeder bayerischen israelitischen Gemeinde offen. Mitglied des Verbandes kann auch eine Vereinigung von Gemeinden sein (Zwecksverband, Bezirksverband), wenn ihr die Eigenschaft einer öffentlichen Korporation zukommt.

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