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Das jüdische Echo · 1920-03-26 · 12/13 (26.3.1920) · p. Seite 140

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
12/13 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 Das Jüdische Echo Nr. 12/13 dauerlichen Maße dazu angetan sind, die nationaljüdischen Gedankengänge in jeder Hinsicht zu bestätigen und die nationale Besonderheit des Judentums da*rzutun, starrt ein großer Teil des deutschen Judentums wie gebannt auf die antisemitische Gefahr, ohne Interesse für die innerjüdischen Fragen und die großen Probleme des jüdischen Volkes. Allzuvieler Juden Judentum erschöpft sich heute in „Abwehr“. Wenn aber etwas das Judentum in dieser furchtbaren Krise retten kann, die am schwersten die seelischen Kräfte bedroht, so ist es — neben der unerläßlichen völligen Einigkeit in Fragen des Augenblicks — Abwehr und Schutz — das stärkste Einsetzen für den Aufbau des jüdischen Palästina, als Zukunftshoffnung, als Stätte der Erneuerung des Judentums, aber auch für später als Zufluchtsstätte für alles Jüdische. Nicht darin liegt die Rettung, daß man dem Antisemitismus soviel Konzessionen macht, bis man ihm schließlich das Judentum hingibt, bloß um ihm den Gegenstand des Angriffs zu nehmen — hat man doch in diesen Tagen vielfach ernstlich die Meinung gehört, wir hätten in diesem Jahr auf die Mazzos verzichten sollen, weil die Antisemiten Skandai machten — sondern in möglichster Intensivierung des jüdischen Lebens, möglichster innerer Stärkung des Judentums und in engster Anlehnung an die Juden in aller Welt. Faseln auch unsere Feinde von jüdischer Weltherrschaft, an die keiner von ihnen ernstlich glaubt, so wollen wir nicht auf das verzichten, was unsere Stärke ist: die Gemeinschaft mit allen Juden. An dieser Gemeinschaft hat sich der Vernich tungswiile der Polen gebrochen, diese Gemeinschaft hat in Wien in einem höchst kritischen Moment rettend gewirkt und auch für uns in Deutschtod ist sie von äußerster Wichtigkeit. Aber an uns liegt es, sie zu einer wirklichen und lebendigen zu gestalten, vor allem durch Teilnahme an ihren Aufgaben und Zukunftsarbeiten. — Die Pogromgefahr erinnert uns an die dunkelsten Zeiten des Mittelalters. Aber damals waren wir in uns gefestigt und alle äußeren Gefahren vermochten nicht die innere Stärke des Judentums zu zerstören. Suchen wir die innere Einheit wieder herzustellen. Vor allem in den dringendsten Fra‘gen des Tages. Es gilt in erster Linie gegen die Gefahren des Augenblicks alle Kräfte zusammenzufassen. Keine organisierte Gruppe innerhalb des Judentums dürfte die Verantwortung auf sich laden notwendige gemeinsame Aktionen daran scheitern zu lassen, daß sie mit einer anderen nicht Zusammenarbeiten will. Gehen unsere nächsten Forderungen an die Behörden dahin, endlich der verbrecherischen Hetze der äußersten Rechten mit derselben Schärfe zu begegnen, die sie gegen die äußerste Linke anwendet. so fordern wir von den Leitern der jüdischen Gemeinden und der großen jüdischen Organisationen, daß sie sich endlich in diesem Augenblick der Not zusammenfinden und gemeinsam den Gefahren begegnen, denen vielleicht die zusammengefaßten Kräfte aller gewachsen sein werden. Die neue Welle des Judenhasses Der „Fränkische Kurier“ führte in seinem Bericht über den Vortrag „Die neue Welle des Judenhasses“, den ich am 2. März in Nürnberg gehalten habe, aus, ich hätte mich in meinem Schlußwort mit den „Maßregeln gegen die Schleichhandel und Wucher treibenden Ostjuden“ einverstanden erklärt. Ich habe inzwischen im Kurier feststellen können, was ich in Wahrheit ausgeführt habe. Immerhin liegt mir daran a'uch an dieser Stelle zu erklären: Ich habe Anfragen von Diskussionsrednern in meinem Schlußwort dahin beantwortet, daß ich unsaubere Elemente unter den Ostjuden nicht in Schutz nehmen wolle. Aber sie gehörten nicht ins Konzentrationslager, sondern, wie andere Verbrecher auch, ins Gefängnis oder ins Zuchthaus. Wenn hundert Ostjuden sündigen, so bestrafe man hundert, der hunderttausendste, der unschuldig ist, verdient dieselbe Behandlung wie jeder anständige Mensch. Ich habe a‘lso Ausnahmemaßregeln selbst nicht „den Schleichhandel und Wucher treibenden Ostjuden“ gegenüber gebilligt, sondern im Gegenteil auch für diese die Gleichberechtigung verlangt, das „Recht auf Gefängnis oder Zuchthaus“, das jedem zusteht, der sich schuldig macht. Für Ostjuden vollends, denen nichts vorzuwerfen ist, forderte ich die Möglichkeit in Ruhe zu leben und sich durch ehrliche Arbeit ihr Brot verdienen zu können. Karl Glaser. Die Sitzung des Großen Hkiionskomitees (Schluß.) Aus der Sitzung vom 18. Februar ist vor allem das Referat Herrn Dr. Schmarja Levins über die Kulturarbeit zu erwähnen. Die hebräische Bewegung in der ganzen Welt ist der Gradmesser, wie weit das jüdische Volk .in seinem Innersten den Drang nach Osten in sich trägt. Wo kein Verhältnis zu unserer Nationalsprache mehr besteht, da ist es ungemein schwer, Verständnis für unsere nationale Bewegung zu erwecken. Jetzt erst beginnt mit dem Zionismus auch die hebräische Bewegung in Amerika festen Fuß zu fassen. Die Jugend lernt Hebräisch und wird noch die Alten zwingen, die amerikanische Art der Assimilation aufzugeben. Wir stehen vor einer ungeheuren Aufgabe. Palästina muß rein hebräisch sein. Wir müssen in Erkenntnis auch der politischen Notwendigkeit der hebräischen Schulen in Palästina sie so ausstatten, daß sie in jeder Beziehung konkurrenzfähig werden. Wir müssen durch Errichtung eines hebräischen Institutes für die Entwicklung der Sprache in Palästina sorgen. Dr. Levin ging dann auf die Arbeit in der Diaspora über. Hier muß die Kulturarbeit von den Landesorganisationen durchgeführt werden. Die zentrale Arbeit muß für die Befriedigung hauptsächlich zweier Bedürfnisse sorgen, welche die Bedingung für die ganze Hebraisierungsarbeit darstellen: Lehrer und Lehrbücher. Wir müssen 20 bis 25 Lehrerseminare in der Diaspora errichten. Wir müssen Bücher für die Länder mit niedriger Valuta herstellen. Wenn man die Kinder aus dem Osten nach Holland schickt, um sie für sechs Wochen zu füttern, kann man nicht gleichmütig dem geistigen Hunger unserer Kinder zusehen. Für uns ist diese Frage heute ein Problem der Organisation und des Geldes. Unser Kampf ist ein Kampf gegen die Geographie. Wir müssen die Arbeiten, die in den einzelnen Ländern unternommen werden, zentralisieren und koordinieren. Das geistige Leben der Juden in den verschiedenen Ländern wird durch Erstarken der hebräischen Bewegung vereinheitlicht werden. Wir werden die Diaspora geistig überwinden. Dr. Bergmann ergänzte die Ausführungen Dr. Levins durch detaillierte Angaben über die Kul-

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