Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 11 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 130 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Das Jüdische Echo Nr. 1% bieten. Als ein Genosse die Anwesenden auffordert, das sinnlose Gerede nicht länger mit anzuhören, erhob sich die ganze Versammlung bis auf — 8 (acht) Mann und verließ demonstrativ den Saal, damit war auch die Arbeit des Referenten erledigt. Selbstverständlich fanden sich nun einige Genossen, die den Verwandlungskünstler Veith mit kräftigen Worten auf seine Vergangenheit aufmerksam machten, und daß er heute dasselbe Schauspiel wiederholen wolle, um die Arbeiterschaft noch mehr zu zersplittern. Der „Fränkische Kurier“ wird an seinem Schützling wenig Freude erleben.“ Es ist leider wahr, daß der „Fränkische Kurier“, das Organ der deutsch-demokratischen Partei in Nürnberg, dem Antisemitismus nicht ganz fern steht. Man könnte trotz aller gegenteiligen Behauptungen in kurzer Zeit dicke Stöße „antisemitischer Entgleisungen“ des „demokratischen Blattes“ sammeln. Dennoch abonnieren die Juden entweder aus Mangel an Würde oder aus Gewohnheit die Zeitung ruhig weiter und auch an jüdischen Annoncen und Familienanzeigen leidet das Blatt keinen Mangel. Die demokratische Partei, der hier, wie überall, zahlreiche Juden angehören, scheint nicht im Stande zu sein, auf die Schriftleitung im Sinne des Parteistandpunktes einzuwirken. — Vielfach trägt Schuld daran die Tatsache, daß die hiesige Judenheit in ihrer Mehrheit den Standpunkt des abgebrauchtesten Liberalismus vertritt, daß sie also nicht imstande ist, auf nichtjüdische Kreise in wirksamer und würdiger Form einzuwirken. — Dieser Vorwurf trifft vielleicht nicht die Versammlungen über den Talmud, die hier vor einiger Zeit stattfanden und in denen neben den hiesigen Rabbinern christliche Talmudkenner referierten. Solche „Aufklärungsabende“ über bestimmte Gebiete sind immer nützlich, solange sie nicht öder und wirkungsloser Apologetik dienen. Aber die Versammlung über „Antisemitismus“, die der Vorstand der deutsch-demokratischen Partei neulich einberufen hatte, bewies, wie wenig weit man auf dem hier beliebten Wege des Vertuschens und der Leisetreterei kommt. Der christliche Referent, Herr Dr. Herbst, konnte bei allem guten Willen doch nichts Entscheidendes sagen: daß viele der antisemitischen Anschuldigungen unsinnig, daß die Judenhetze gefährlich für das deutsche Volk sei, wußte man ohnehin. Glaubt man irgendwen belehren zu können, wenn man das Problem so oberflächlich behandelt? Das, was Herr Dr. Gallinger, der Vorsitzende des Z.V. sagte, war noch unwirksamer. Und lediglich der zionistische Redner, Herr Redakteur Glaser, verstand es, die Zusammenhänge darzulegen, aus denen die Judenhetze entstehen mußte, und in der Arbeit der Juden aus sich selbst, in der Achtung aller vor der Eigenart des anderen, in der Gleichberechtigung der Juden als Juden, Mittel zu einem allmählichen Überwinden der Krise zu zeigen. — Die zionistische Ortsgruppe hatte für 2. März einen öffentlichen Vortrag über die „Neue Welle des Judenhasses“ im großen Saale des Kulturvereins anberaumt, in der Herr Redakteur Glaser ein eingehendes Referat über diese Frage halten sollte. — Daß von jüdischen Veranstaltungen die Sammlung für den Palästina-Aufbaufonds nicht die erhofften Resultate gehabt hat, ist bedauerlich — aber aus der oben gekennzeichneten Denkungsart der hiesigen liberalen Juden leicht zu erklären. Schuld daran seien — die großen Zeitungsannoncen gewesen, die zu den Veranstaltungen der Palästinawoche einluden. Das mache Rischus, meinte man — und war froh einen Vorwand gefunden zu haben, um nichts geben zu brauchen. — Man will eben seine Ruhe und sonst nichts. Wie dabei die Frage der jüdischen Schule, die augenblicklich hier viel besprochen wird, in positivem Sinne gelöst werden soll, steht dahin. Auch die andere wichtige Angelegenheit, die jetzt in Angriff genommen wird, ist noch nicht weit gediehen :*die Einrichtung eines jüdischen Arbeitsamtes, das der Berufsumschichtung der Westjuden, ihrer Überführung zu produktiver Arbeit» z. B. in der Landwirtschaft und vor allem der Stellenvermittlung für Ostjuden dienen soll. In Berlin und anderswo haben derartige Arbeitsämter, die von allen jüdischen Organisationen unterstützt werden, viel Gutes gestiftet und sich den Dank der Behörden und die offizielle Anerkennung als Organe der öffentlichen Stellenvermittlung erworben. Man muß gespannt sein, ob man in Nürnberg ähnliches zu Stande bringen wird. — Wir wollen unseren Bericht nicht schließen» ohne auf die verdienstvolle Tätigkeit des Herrn Dr. Deutsch in Fürth hingewiesen zu haben, der am 5. Februar sein 25. Jubiläum als Waisenhausdirektor in Fürth feierte. Die Fürther Zeitung vom 3. Februar schreibt dazu u. a.: „Der Jubilar kann an diesem Tage auf eine an Arbeit und Erfolgen reiche Tätigkeit zurückblicken. Seine Beamtenlaufbahn begann er als Lehrer in Frankfurt a. M. Von dort kam er als Distriktsrabbiner nach Burgpreppach, wo er als Leiter der dort bestehenden Präparandenschule vielfach Gelegenheit fand, sein pädagogisches Geschick und seine organisatorische Begabung zu beweisen und sich die Anerkennung der Behörden zu erwerben. Seine im Jahre 1893 erfolgte Wahl zum Oberrabbiner von Altona in Schleswig-Holstein schlug er aus. Im Jahre 1895 wurde ihm das Amt eines Waisenhausdirektors hier übertragen. Was nun Dr. Deutsch in den JJtündjner Jleueffe Jladjndjfen (Sröjlte, tagt. 2mal erfcftetnenbe 3eitung ©üb* unb V'littefbeutrdj* tanbd. S^auffräftiger £eferfrei$ unb überiDeutfdjlanbd ©rensen hinauf gefyenbe Verbreitung. ©rofierfauf* mann. u. gegerbt, ©teflenmarft IC Über Million Slnerfannt fefjr erfolgreich für Slnjeigen aller Slrt. Slnjeigen* preid unb 9lad)la{j nad) Sarif. VesugSpreid monatl. Vif. 4.50 bei allen beutfd)en poflanffalten £efer?