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Das jüdische Echo · 1920-03-12 · 11 (12.3.1920) · p. Seite 129

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
11 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 131 Die Palästinadebatte wurde am Dienstag, den 17. Februar abends zunächst durch Herrn Shire fortgesetzt, welcher eine großzügige Finanzierung verlangt. Nachdem noch Herr Florentin für die Juden Griechenlands und Herr Schönfeld für den Misrachi gesprochen hat, hält Dr. Weizmann eine mit dem größten Beifall der Sitzung aufgenommene Rede, in welcher er Bericht über die Zionist Commission und die Lage in Palästina gibt. Er schildert ausführlich, wie sich die Beziehungen der Zionist Commission zu der englischen Verwaltung und der arabischen Bevölkerung gestaltet haben und zeigt, welche außerordentliche Fortschritte in dieser Beziehung gemacht worden sind. Hierauf betont Dr. Weizmann die außerordentliche Bedeutung der Schiedsgerichte, für deren Aufrechterhaltung, Entwicklung und Anerkennung auch in Zukunft mit aller Kraft wird eingetreten werden müssen. Das gleiche gilt für die einheitliche Organisierung des palästinensischen Judentums auf demokratischer Basis. Bei dieser Gelegenheit erwähnt Dr. Weizmann, daß die Zionist Commission in der Frage des Frauenwahlrechts einen vollständig kompromißlosen prinzipiellen Standpunkt einnimmt und einnehmen muß, da nur dieser Standpunkt den Grundsätzen der Zionistischen Organisation entspricht, an deren Kongressen immer Frauen teilgenommen haben, ohne daß dies den Misrachi jemals gestört hätte. Hierauf sprach der Redner in sehr ausführlicher Weise über die Arbeiterfrage in Palästina. Wenn dem jüdischen Arbeiter Tradition und Disziplin und die volle organische Verbindung mit der Arbeit noch fehlen, so steht doch fest, daß es der jüdische Arbeiter ist, in welchem das Maximum des konstruktiven Idealismus lebt, ohne welchen der Aufbau eines jüdischen Palästina unmöglich ist. Dieser Idealismus muß voll ausgenützt werden. Er kann aber nur zur Auslösung kommen, wenn der jüdische Arbeiter weiß, daß er für sein Volk, für die ganze Nation arbeitet, nicht für irgendwelche Privatinteressen. Deshalb ist Dr. Weizmann für die Nationalisierung des Bodens. Um dem Arbeiter die Möglichkeit der Existenz zu schaffen, müssen ihm die besten technischen Arbeitsbedingungen geschaffen werden. In den Kwuzoth sieht Dr. Weizmann die Keimzellen der ganzen kommenden Siedlung, da in ihnen wirklich nur jüdische Arbeit geleistet wird und sie Bollwerke der hebräischen Sprache, des hebräischen Geistes und des reinsten Indealismus sind. Allerdings sind sie bisher niemals unter Bedingungen gestellt worden, die als normale zu betrachten sind. Überdies dürften die Kwuzoth für die Zukunft nur ein Durchgangsstadium darstellen, indem sich aus ihnen heraus die selbstarbeitenden Kleinsiedler loslösen und entwickeln werden. (Fortsetzung folgt.) Churchill über den Zionismus Der „Sunday Herald“ brachte am 8. Februar einen ausführlichen Artikel des augenblicklichen englischen Kriegsministers Winston Churchill unter der Überschrift: „Zionismus gegen Bolschewismus, ein Kampf um die Seele des jüdischen Volkes.“ Der vier Spalten lange Aufsatz hat großes Aufsehen in der ganzen englischen Öffentlichkeit erregt. Churchill bringt einleitend den Gedanken zum Ausdruck, daß vielleicht in keinem Volke der Welt sich so ausgesprochene Gegensätze finden, wie im jüdischen. Churchill unterscheidet dann drei Gruppen von Juden: Diejenigen, die sich vollständig als Bürger des Landes geben, in dem sie leben, die international-kommunistisch gesinnten Juden und die Zionisten. Die Angehörigen der zweiten Gruppe spielten eine große Rolle im russischen Bolschewismus. Bei der Besprechung der Nationaljuden weist der Minister darauf hin, daß die Nationaljuden im Kriege sich als gute Bürger ihres Landes bewiesen haben und fährt dann folgendermaßen fort: „Der Zionismus hat eine tiefe Bedeutung für die ganze Welt im gegenwärtigen Augenblick. Er gibt den Juden eine nationale Idee von überwältigender Eigenart. Der britischen Regierung ist als Resultat der Eroberung von Palästina die Aufgabe zugefallen, der über die ganze Welt zerstreuten jüdischen Rasse eine Heimat und ein Zentrum ihres nationalen Lebens zu schaffen und zu sichern. Der staatsmännische Blick und das historische Gefühl Balfours ergriffen bereitwillig diese Gelegenheit. Erklärungen sind abgegeben worden, die die Politik Großbritanniens unwiderruflich gebunden haben. Die tatkräftige Energie Dr. Weizmanns, des zionistischen Führers, zu praktischer Durchführung der zionistischen Wünsche, gefördert von vielen hervorragenden britischen Juden und gestützt von der vollen Autorität Lord Allenbys, sind darauf gerichtet, den Erfolg dieser Bewegung zu vollenden. Freilich ist Palästina zu klein, um für mehr als einen Teil der jüdischen Rasse geeignet zu sein, noch wünscht die Mehrheit der nationalen Juden dorthin zu gehen (? Die Redaktion). Wenn aber, wie es hoffentlich geschehen wird, noch in unseren Lebenstagen an den Ufern des Jordan ein jüdischer Staat unter dem Protektorat der britischen Krone entstehen wird, der vielleicht 3—4 Millionen Juden umfaßt, dann wäre in der Weltgeschichte ein Ereignis Tatsache geworden, welches von jedem Gesichtspunkte aus eine Wohltat sein würde und in vollem Einvernehmen mit den Interessen des britischen Reiches liegen würde.“ Nürnberger Brief Das jüdische Leben in Nürnberg oder vielmehr die Beschäftigung der Nürnberger mit Juden und Judenfrage ist recht lebhaft. Wird sind schon nachgerade die Plakate des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes gewohnt, die zu Versammlungen auffordern, in denen den Juden die Schuld an allem Möglichen und Unmöglichen gegeben wird: am Tiefstand der Valuta, am Untergang des Reiches, an der Wohnungsnot. Ernster ist es schon, wenn z. B. die Metallhandwerker an den Säulen verkünden, daß „zumeist galizische Juden“ das Gold und Silber aufkaufen und daß man es lieber den Einheimischen zuwenden solle, da auch sie die höchsten Preise zahlten: Antisemitismus zu Geschäftszwecken. Überhaupt geht die antisemitische Woge hoch. Noch scheint sie sich zwar an der Masse der organisierten Arbeiterschaft zu brechen. Die mehrheitssozialistische „Fränkische Tagespost“ berichtet unter der Überschrift „Ein böser Reinfall“ über die Versammlung einer von den Antisemiten propagierten „deutsch-sozialistischen“ Partei u. a.: „Der Saal war gefüllt von Mitgliedern der M. S. P. und U. S. P. Als Referent war der frühere, rühmlichst bekannte Kommunist Veith erschienen, der weiter nichts wollte, als eine wüste antisemitische Hetzrede vom Stapel zu Tassen. Aber nur eine Viertelstunde ließen sich die anwesenden Genossen dieses grausame Spiel

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