Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 11 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Das Jüdische Echo Nr. 11 zu sein — unter Berücksichtigung der gerechtfertigten Ansprüche und Interessen der in Ursprung und in Religion verschiedenen Völkerschaften, welche die Geschichte in Vorderasien vereinigt und vermischt hat — wird die Unterstützung Frankreichs genießen.“ In der 5. Sitzung wurde die Generaldebatte geschlossen. Wir bringen das Schlußwort Weizmanns im Auszuge zum Abdruck: Er geht davon aus. daß es. wenn es sich um das Endziel handelt, falsch ist, eine Differenz zwischen politischen und nichtpolitischen Zionismus zu machen. Der Unterschied kann nur darin gefunden werden, daß die Methode, die die sogenannten „politischen“ Zionisten verfochten, unzulänglich und einseitig war. Deshalb wurde ihnen eine Anschauung entgegengesetzt, die Dr. Weizmann selbst auf dem Haager Kongreß den synthetischen Zionismus genannt hat. Und dieser Zionismus hat durch die Erfahrungen und Erfolge seine glänzendste Rechtfertigung gefunden. Wenn die kolonisatorische Position in Palästina stärker gewesen wäre, so wären die politischen Erfolge und Sicherheiten noch viel größer. Im Sinne dieses synthetischen Zionismus müssen wir nun an die konstruktive Arbeit herangehen. Sie ist der Grundstein der ganzen Zukunft. Dr. Weizmann schildert an zahlreichen Beispielen den Einfluß und die Macht, die die zionistische Organisation sich errungen hat. Er unterrichtet auch über die Art der Beziehungen zu der englischen Politik und zum englischen Volk, ebenso unterstreicht er, welchen Wert die Leitung auf die Forderung des Zionismus durch die sozialistische Bewegung legt. Die Rede Dr. Weizmanns, der zum Schluß darauf hinweist, daß unser Werk nur gelingen kann, wenn alle Zionisten sich bewußt sind, welche Verantwortung auf ihnen liegt, und wenn sie mit geeigneten Kräften für das gemeinsame Ziel arbeiten, übte einen gewaltigen Eindruck auf die ganze Versammlung. Der stürmische Beifall verdoppelte sich, als die Herren Jean Fischer und Dr. Marmorek, deren Kritik den Eindruck einer gewissen Unzufriedenheit hervorgerufen hatte, sich spontan erhoben, auf Dr. Weizmann zutraten und ihm herzlichst die Hand reichten. Die Sitzung vom 15. Februar war den Fragen des Technikums und der Universität gewidmet. Prof. Weizmann legte in seinem Referat die Geschichte der Universitätsangelegenheit dar. Die volle Universität bedarf großer Vorbereitungen. Auf der einen Seite muß ein würdiger Bau aufgeführt werden, auf der anderen Seite das Menschenmaterial vorbereitet werden. Nur eine Universität, die durch und durch hebräisch ist, kommt heute in Frage. Der Hebraismus ist heute eine politische Notwendigkeit. Dennoch muß ein Übergangsstadium geschaffen werden, während dessen wir die Baulichkeiten, die Lehrbücher und die Menschen vorbereiten. Derzeit befindet sich auf dem Skopusberge ein Gebäude, welches für die Aufnahme eines Kerns der Universität geeignet ist. Dr. Weizmann schlägt daher vor, daß die Universität mit Forschungsinstituten eröffnet wird, welche den Bedürfnissen des Landes dienen und in diesem einen Hause zunächst untergebracht werden können. Als solche schlägt er vor, ein physikalisches, ein chemisches und ein mikrobiologisches Institut, sowie für die humanistischen Fächer ein hebräisches Institut, das allmählich zu einem Institut für Orientalistik ausgebaut werden könnte. Diese Institute hätten die Resultate ihrer Forschungen in wissenschaftlichen Publikationen hebräisch und in einer anderen Sprache zu veröffentlichen. Das Technikum in Haifa muß nach dem Programme eingerichtet und eröffnet werden, das vor dem Kriege vorgesehen war. Es muß eine Ingenieurschule sein. Er berichtete, daß das Technikum von Herrn Jakob Schiff für die zionistische Organisation angekauft worden ist und daß zu hoffen steht, daß Herr Jakob Schiff sich auch weiter für das Technikum interessieren wird. In der Sitzung am 16. Februar begann die Palästinadebatte, eingeleitet durch ein ausführliches Referat des Herrn Julius Simon,, welcher den vom Palästinadepartement entworfenen Kolonisationsplan ausführte, inbesondere soweit es sich um die Schaffung der Finanzinstrumente handelt, welche die Kolonisation durchzuführen haben werden. Das Referat des Herrn Simon wurde durch Herrn Dr. Ruppin ergänzt. Es ist selbstverständlich eine definitive Gestaltung der Pläne erst nach gründlicher Rücksprache mit den amerikanischen Zionisten möglich. Dr. Ruppin schlug im besonderen die Gründung einer großen Häuserbaugenossenschaft, ferner die Gründung einer großen Pflanzungsgesellschaft vor. Herr Boris Goldberg sprach hierauf über die Bedeutung der Privatinitiative beim Aufbau des jüdischen Palästina. Dr. Weizmann griff mit längeren Ausführungen in die Debatte ein, in welchen er ausführte, daß es selbstverständlich notwendig sein werde, an das jüdische Volk heranzutreten und ihm klar und deutlich zu sagen, daß es die ihm gebotene Gelegenheit des Aufbaus seines nationalen Heims nur durch eine gewaltige Opferwilligkeit ausnützen könne. Dr. Weizmann ist sicher, daß die Begeisterung vorhanden sein wird, welche für eine derartige Aktion notwendig ist. In dem Mittelpunkte derselben wird der Jüdische Nationalfonds gestellt werden müssen, dessen Möglichkeiten bisher auch nicht annähernd ausgenutzt worden sind. Herr Podlischewski erklärte, daß die Privatinitiative nicht auf genügende Erfolge hinweisen könne, und daß jedenfalls das Prinzip, die Privatinitiative zu kontrollieren, nicht gelockert werden dürfe. Die Palästinadebatte wurde Dienstag, 17. Februar, vormittags, fortgesetzt. Herr Goldberg sprach mit Rücksicht auf die Bedeutung der amerikanischen Judenschaft für das Palästinawerk über die amerikanischen Verhältnisse und speziell über die Stellung der nichtzionistischen Kreise, Herr Sprinzak betonte, daß mit der realen Arbeit sofort begonnen werden muß. Der Häuserbau dürfe nicht der Privatinitiative anvertraut werden. Der jüdische Grund und Boden muß dem Jüdischen Nationalfonds gehören. Der Ausbildung der selbstarbeitenden Bauern, resp. der jüdischen Landarbeiterschaft muß die größte Unterstützung gewährt werden, da von ihnen das nationale Werk abhängt. Herr Naiditsch unterbreitet der Sitzung einen Vorschlag zwecks Finanzierung der Immigration. Er schlägt vor, an tausend Personen heranzutreten und sie zur Zahlung von je 1000 Pfd. St. jährlich auf 10 Jahre einzuladen. Dies würde einen Betrag von 10 Millionen ergeben. Weitere 20 Millionen wären von 2000 resp. 10 000 Personen in Raten von je 500 oder 100 Pfd. aufzubringen. Auf diese Weise ließe sich die Finanzierung der Immigration sichern. Redner ist der Ansicht, daß nicht nur in England und Amerika an das Publikum heranzutreten ist.