Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 10 (5.3.1920)
- Date
- 1920-03-05
- Page
- Seite 120 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Das Jüdische Echo Nr. 10 fanden, bloß Kielce und Czenstochau innerhalb Kongreßpolens gelegen. In Kielce und in Kolbuszowa gingen die Ausschreitungen von der Zivilbevölkerung und von den Bauern aus. In Czenstochau beteiligten sich sowohl Bürger als Soldaten. In Minsk sind die Exzesse hauptsächlich auf die Schuld eines Offiziers zurückzuführen. In Lemberg, Lida, Wilna und Minsk sind die Exzesse von Soldaten begangen worden, die die Städte eingenommen haben, wobei das antisemitische Vorurteil der Soldaten durch die Beschuldigung entfacht worden ist, die Juden seien Bolschewiki (in Lemberg wurden die Juden des Paktierens mit Ukrainern beschuldigt), so daß diese Exzesse mehr politisch als antisemitisch sind. Die Verantwortlichkeit für diese Exzesse liegt größtenteils auf den undisziplinierten und schlecht versorgten polnischen Rekruten, die von ihren ungeübten und unenergischen Offizieren nicht überwacht wurden und sich auf Kosten desjenigen Teiles der Bevölkerung schadlos hielten, den sie als der polnischen Nationalität fremd und feindlich ansahen. Bekanntlich ist die Einführung der Disziplin in einer neuen, nicht routinierten Armee eine äußerst schwierige Sache. Andererseits beweist das schnelle Ende der Unruhen in Lemberg, nachdem gehörige Kontrollmaßnahmen getroffen worden sind, daß ein tatkräftiger Beschluß Ordnung schaffen und energischer Gebrauch von Repressivmaßnahmen Exzesse vermeiden oder wenigstens vermindern kann. Man kann daher annehmen, daß eine strengere einheitliche Politik und die Veröffentlichung von militärischen und Gerichtsurteilen die Exzesse verkleinert hätte und den Soldaten die Meinung genommen hätte, man könne unbestraft rauben und sonstige Verbrechen begehen. Feuilleton Wissen, Ideen und „Ismen“ Aus den Allegorien von J. L. Perez. Wissen gleicht dem einfachen, hellen Tage. Das Licht aber, füllt den Raum nicht aus, der Tag — nicht die Zeit, das Wissen — nicht das Leben . Unsere ganze Wissenschaft ist ein pfennigkleines Lichtlein in einer unendlich finsteren Höhle. Am finsteren Orte, in finsteren Zeiten leuchten uns Ideale, funkeln und schimmern Ideen, blitzen „Ismen“ und Schlagwörter. $ * * Idea'le sind lichtvolle, hohe Sterne in weiten und breiten Himmeln. Nicht einmal auf kurze Zeit zu erreichen, kaum zu erlangen. Meistens ist man mit ihnen nicht zufrieden: „Ich kann sie nicht tasten“, klagt der Blinde. „Nicht zum Hineinbeißen“, ereifert sich böse der Hungrige. „Welchen Geschmack haben Sie?“ klagt der Feinschmecker, der dicke Bürgersmann. „Man sollte sie wenigstens herunterreißen und im Karneval als Kotillonsterne benutzen können,“ sagt sein Sohn, der Tänzer. Der jüngere Sohn, der Pessimist, der schon mit zerknitterten Nerven und einem Magenkatarrh geboren ist, lächelt sauer, ob nicht das Gleiche jeder Glühwurm könne, ob es nicht über jedem Sumpf, über jedem Röhricht blitze? Und selbst der Professor der Mathematik würde besser fahren, wenn er sein Nachtlämpchen, das ihm seine vier Wände des „Zwei und zwei gibt vier“ beleuchtet,. Nur die Führer der Karawanen in sandigen Steppen, der Schiffe im Ozean mit verborgenen Felsenriffen wissen, was Sterne, was Ideale sind. # * * Auf schweiß- und blutbegossenem Felde, zwischen Osten und Westen sprossen die Blumen: Ideen. Sie sprossen, blühen, wachsen, leben, verlieren auf die Sekunde mit dem Safte ihren Glanz, sie welken, verstauben und verschwinden . Nicht wahr und falsch sind Ideen, sondern frisch und alt, blühend und verwelkt. Wenn man Euch eine Idee zuträgt, beugt Euch mit der Nase über sie: Nehmt frische und steckt sie an die Brust. Alte — werft weg. Wer weichherzig ist, darf ihr eine Träne zurücklassen. Glaubt aber nicht, daß die frische Idee wahr ist, daß sie der Abglanz der morgendlichen Sonne ist. Gar vor alten Ideen — hütet Euch! Wenn Euch der heutige Tag nicht gefällt, habt Ihr recht: Er sollte besser sein, wäre er auch der letzte gewesen. — Hofft Ihr auf morgen, wohl "RauThallmcrier München ThßaünevttrAÖ. tjiyrxellan®