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Das jüdische Echo · 1920-03-05 · 10 (5.3.1920) · p. Seite 119

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
10 (5.3.1920)
Date
1920-03-05
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 110 fand: am 31. Januar auf Einladung des Verbandes der Ostjuden im Verwaltungsgebäude der Jüd. Gemeinde eine Zusammenkunft namhafter Persönlichkeiten statt. Anwesend waren unter anderem die Herren Hermann Abraham, Dr. Nathan Birnbaum. Eugen Caspati, Heinrich Freirich, Dr. Jacobus, Dr. Arthur Kahn, Ing. Hermann Kahn, Rabbiner Dr. Liebermann, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Rabbiner Dr. Loewenthal, Dr. Paul Nathan. Rabbiner Dr. Weisse; ferner die Vorsitzende der Ortsgruppe Groß-Berlin des Jüd. Frauenbundes, Frau Ollendorf, Frau Schwarz und Frau Lina Wa*gner- Tauber. Der Vorstand des Verbandes der Ostindien war durch die Herren Brenner, Lewit, Dr. Wilhelm Lewy und Lin vertreten. Nach längeren Verhandlungen wurde das Verwaltungskomitee für die Herberge konstituiert, dem fast sämtliche Anwesenden beigetreten sind. Ferner hat Herr Professor Carl Lewin seinen Beitritt zum Komitee schriftlich erklärt. Diesem Hilfsausschuß beim Verbände der Ostjuden in Deutschland, Berlin, Auguststr. 17, fällt die Aufgabe zu. da*s Hilfswerk des Verbandes zur Verpflegung und Beherbergung der ostjüdischen Flüchtlinge zu fördern. Die Fortsetzung der Ä.-C. Sitzung Die Generaldebatte. Die zweite Sitzung wurde nachmittags unter Ausschluß aller nicht dem Actions-Comitö selbst angehörenden Mitglieder eröffnet. Es wurde die Frage der Zulassung der nicht dem Actions-Comit6 angehörenden Federationsdelegierten und der Gäste verhandelt. Nach einer Debatte, an welcher die Herren Jacobus Kann. Jean Fischer. Leo Motzkin, Dr. Bodenbeimer und Dr. Hantke teilnahmen, wurde beschlossen, für die weiteren Sitzungen nur die Delegierten der Föderationen, die eiingeladenen Experten und die leitenden Sekretäre zuzulassen. Nach Wiedereinführung dieser durch den Beschluß zugelassenen Personen wurde die Generaldebatte eröffnet. In der Generaldebatte sprachen zunächst die Herren Jacobus Kann. Jean Fischer. Dr. Friedemann und Dr. Alexander Marmorek, welche kritische Bemerkungen zu den zionistischen Vorschlägen für das Palästina-Malndat machten. Herr Kann beschäftigte sich außerdem mit Beobachtungen und Erfahrungen auf seiner letzten Reise durch Palästina. Herr Dr. Marmorek brachte eine allgemeine Kritik gegen die Führung der zionistischen Politik vor und äußerte insbesondere die Ansicht, daß die Leitung nicht alles Notwendige getan habe, um außerhalb der Bewegung stehende Kreise für die Mitarbeit heranzuziehen. Die Redner betonten die Notwendigkeit guter Beziehungen zu den Arabern. Herr Dr. Weizmann antwortete auf die vorgebrachten Argumente in einer ausführlichen mit außerordentlichem Beifall aufgenommenen Rede, in welcher er die Verhältnisse darstellte, unter welchen die zionistische Leitung ihre politische Arbeit während des Krieges aufgenommen und durchgeführt hat. und darstellte, was das Erreichte zu bedeuten hat. Er beschäftigte sich ausführlich auch mit dem Verhältnis zum arabischen Volk und seinen Führern und verwies hierbei auf die Grundsätze, die seine und seiner Kollegen Politik von Anfang an geleitet haben und die in Tat und Wort zum Ausdruck gekommen sind. Herr Dr. Weizmann zeigte, welche Bedeutung der politische Rahmen gewinnen wird, den der Friedensvertrag schaffen soll, wenn er durch die zielbewußte Arbeit der Zionistischen Organisation und des jüdischen Volkes ausgefüllt wird. Die dritte Sitzung, 12. Februar vormittags, an welcher die inzwischen eingetroffenen Herren Ing. Stricker, Adolf Boehrn und Prof. Omstein teilnahmen, wurde durch Herrn Sokolow eröffnet, welcher seinerseits auf verschiedene Punkte in den Reden der Herren Marmorek, Fischer und Kann einging und im besonderen darlegte, in welcher Weise die Leitung außerhalb des Zionismus stehende jüdische Kräfte für die Mlitarbeit gewonnen hat. Hierbei charakterisierte er die politischen Schwierigkeiten, mit welchen in der Vergangenheit und in der Gegenwart gerechnet werden muß und welche im Auge behalten werden müssen, wenn ein rechtes Verhältnis zwischen den Forderungen und den Veirwirkllichungsmöglichkeiten hergestellt werden soll. Im Schlußteil seiner Rede sprach Herr Sokolow über das Verhältnis der palästinensischen Frage zum gesamten jüdischen Problem und zeigte, daß es notwendig ist, den Zionismus in seiner Beziehung zum gesamten jüdischen Problem zu erfassen und zu behandeln. Hierauf sprach Herr Dr. Bodenbeimer den Führern den Dank für die von ihnen geleistete Arbeit und die erreichten Erfolge aus, durch die sie sich als würdige Nachfolger Herzls erwiesen hätten. Er konstatierte, daß die zionistischen Vorschläge durchaus die Forderung des Basler Programms enthalten und inhaltlich mehr enthalten als selbst die zur Zeit Herzls konkret ausgearbeiteten Projekte. Er sprach den Wunsch aus. daß die Zionisten aller Länder möglichst schnell die Möglichkeit erhalten, intensiv in Palästina an der Arbeit teilzunehmen. * Soweit die uns bisher vorliegenden offiziellen Berichte über die Actions-ComitS-Sitzung. Wie wir bei RedaktionsschLuß durch ein Privattelegramm erfahren, endete die politische Debatte nach einer neuen Rede Weizma’nns mit einem einstimmig angenommenen Vertrauensvotum für die Politik der Leitung. Aus der jüdischen Welt Deutschland. Gesamtorganisation der jüdischen Gemeinden. Die Hauptversammlung des „Verbandes der deutschen Juden“ zur Gründung einer Gesamtorganisation jüdischer Gemeinden ist nunmehr auf den 2. Mai festgelegt worden. Lärmszenen gegen Moissi. Im Hamburger Conventgarten sollte kürzlich der bekannte Berliner Schauspieler Alexander Moissi aus deutschen Dichtem vorlesen. Durch planmäßig in Szene gesetzte lärmende Störungen seiner reaktionären politischen Gegner wurde die Veranstaltung verhindert. Bei dieser Gelegenheit haben die Lärmmacher auch antisemitische Flugblätter verteilt. Der Vorfall fand auch eine Besprechung in der Hamburger Bürgerschaft und wurde fast allgemein verurteilt. Übrigens ist Moissi weder Jude noch stammt er von Juden ab. Polen. Aus dem Bericht der Morgenthau-Kommission. „Hier und dort sind einzelne Fälle von Ermor-' düngen vorgekommen, die in den früheren Ausführungen nicht aufgezählt worden sind, weil sie an sich nichts darstellen, was nicht bereits in den geschilderten Hauptexzessen beobachtet worden ist. Im ganzen betrachtet, sind von den acht Ortschaften, in denen größere Ausschreitungen statt-

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