Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1920-03-05 · 10 (5.3.1920) · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
10 (5.3.1920)
Date
1920-03-05
Page
Seite 118 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9072829-9102977-9140651--03386-9076211
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

118 Das jüdische Echo Nr. 10 gungen im Gefolge hat, z. B. Eisenbahnfahrt zu halben Preisen zum Antritt der Arbeit u. dergl. Über die Organisation der Arbeitsämter macht das jüdische Arbeitsamt Berlin besonders in Bezug auf die Ostjudenfürsorge folgende Mitteilungen, die wir gerne wiedergeben: Das jüdische Arbeitsamt hat die Aufgabe, den sich in Deutschland aufhaltenden jüdischen Flüchtlingen (soweit sie imstande sind, zu arbeiten), eine ihnen entsprechende Beschäftigung zu vermitteln. Die eigentliche Fürsorgetätigkeit, wie Versorgung mit Kleidungsstücken, Beköstigung in Volksküchen, Unterbringung in Herbergen und materielle Unterstützung durch Geld ist den bestehenden Fürsorgeorganisationen, den ostjüdischen Vereinen und den jüdischen Gemeinden überlassen. Ein enges Zusammenarbeiten mit allen anderen jüdischen Organisationen ist durchaus erwünscht; die eigentliche Aufgabe des jüdischen Arbeitsamtes bleibt jedoch die Beschaffung von Arbeitsstellen und die Mithilfe bei der Organisation der sozialen Fürsorge. Die Berliner Zentrale und ein Teil der bereits bestehenden Zweigstellen ist den deutschen Arbeitsnachweisen angegliedert, d. h. sie unterstehen den in jeder Provinz befindlichen deutschen Zentralauskunftsstellen und erhalten von diesen regelmäßig eine Übersicht über den Arbeitsmarkt. Das Berliner Amt ist durch Verfügung des Oberpräsidenten als gemeinnütziger Arbeitsnachweis anerkannt und hat behördlichen Charakter. Die Organisation ist folgenderm a s s e n : Jeder sich meldende Arbeitslose wird eingetragen. Kann der Arbeitsuchende nicht sofort eine Arbeit nachgewiesen bekommen, so erhält er eine Meldekarte. Hat er Arbeit bekommen, so wird ihm die Meldekarte abgenommen, ein entsprechender Vermerk darauf gemacht und im Arbeitsamt aufgehoben. Meldet er sich später wiederum, so erhält er seine alte Meldekarte zurück. Jeder Arbeiter, der vom jüdischen Arbeitsamt an eine Arbeitsstelle resp. an einen andern Arbeitsnachweis überwiesen wird, erhält eine Karte, die ausgefüllt, d. h. mit Vermerken versehen, ob eingestellt, wo eingestellt und ob weitere Zuweisung von Arbeitern erwünscht ist, an das jüdische Arbeitsamt zurückgesandt werden muß. Mit jüdischen Handwerksmeistern sind Abkommen zu treffen, um die Bewerber einer Fachprüfung zu unterziehen. Das Schwierigste ist naturgemäß das Ausfindigmachen geeigneter Arbeitsstellen. Erstens ist das Hand in Hand Arbeiten mit den behördlichen Ortsarbeitsnachweisen, besonders in kleineren Provinzorten, zu erstreben. Aus Zeitungsannoncen, besonders aus Fachzeitschriften (Uhrmacherzeitung, Goldarbeiterzeitung, Kürschnerzeitung) sind sehr häufig Stellen zu ersehen. Ferner sind Vertrauensleute und Freunde des Arbeitsamtes zu veranlassen, sich an ihren Orten um Stellen für ostjüdische Arbeiter zu bemühen. Hierdurch ist es häufig möglich, ungelernte Arbeiter als Packer, Hausdiener, Fabrikarbeiter usw. unterzubringen. Den unbemittelten Leuten wird in Berlin das Reisegeld zur Arbeitsstelle von der Durchreise- Kommission der jüdischen Gemeinde als Darlehen gegeben. Jeder Arbeiter hat einen Verpflichtungsschein zu unterschreiben, in dem er sich verpflichtet, das ihm geliehene Reisegeld von seinem Lohn in einer bestimmten Zeit zurück zu zahlen nnd daß er einverstanden ist, daß ihm gegebenenfalls der Arbeitgeber nach und nach den Betrag vom Lohn abzieht. Die Arbeiter dürfen nicht das Gefühl haben, Almosenempfänger zu sein, es muß mit allen Mitteln die Rückzahlung des Reisegeldes veranlaßt werden. Vertrauensleute an den Orten der Arbeitsstelle haben diese Arbeit zu unterstützen. Es ist nun notwendig, sich weiter um den Verbleib der untergebrachten Arbeiter zu kümmern. Es ist wichtig, zu erfahren, wie lange im Durchschnitt die Leute auf ihren Arbeitsstellen aushalten und wie die Arbeitgeber mit ihren Leistungen zufrieden sind. Je besser sich die ersten Arbeiter auf ihren Arbeitsstellen bewähren, desto leichter ist naturgemäß die weitere Vermittlung. Soweit die Mitteilungen des Arbeitsamtes. Eines muß freilich gesagt werden: alles Organisieren, alles Vermitteln ist nutzlos, wenn nicht zugleich eine geistige Arbeit geleistet wird, die eine Erstarkung des Willens zu produktiver Tätigkeit in weiten Kreisen unseres Volkes zur Folge hat. Eine derartige Einwirkung auf die ältere Generation dürfte nicht möglich sein. So müßten sich alle Bemühungen in dieser Richtung auf die Jugend erstrecken. Die Gründung ostjüdischer Jugendorganisationen, die Erziehung schon der Knaben und Mädchen in einem anderen Geiste als dem des tötlichen Materialismus unserer Zeit ist die beste Vorbereitung für eine ersprießliche Tätigkeit der Arbeitsämter. Da« Hilf^wßrk für die ostjüdischen Flüchtlinge Der Verband der Ostjuden in Deutschland, Berlin, verhandelt mit dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde wegen Errichtung einer Herberge zur Unterkunft und Verpflegung der sich hier vorübergehend aufhaltenden obdachlosen jüdischen Flüchtlinge. Zwecks Bildung eines Ausschusses zur Verwaltung und Bewirtschaftung dieser Herberge in Gemeinschaft mit Vertretern der Jtid. Gemeinde Jttündjner Jleueffe Jladjridjfen < (Sröjjte, tagt. 2maf erfdjeinenbe 3eitung ©üb* unb 2Hittetbeutrd)* lanbä. ftauffräftiger £eferfrete unb über SOeutfdjtanbd (Srenjen hinauf gefjenbe Verbreitung, ©rojjer lauf* männ. u. getoerbl. ©teflenmarft Über Slnerfannt fefjr erfolgreich für Slnjeigen aller Slrt. Slnseigenpreiä unb 3lad)lajj nad) £arif. SesugSprete monatt. 2W. 4.50 bei allen beutfdjen pojfanjfalten 7, Million £ e f e r ■> «>

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.