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Das jüdische Echo · 1920-03-05 · 10 (5.3.1920) · p. Seite 113

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
10 (5.3.1920)
Date
1920-03-05
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 113 steher sagen kann: „Der größte Teil unserer Unterstützungsgelder geht an Ostjuden“. Den Ostjuden in Deutschland bleibt keine Wahl, als sich durch energisches Zusammenwirken aller eine kraftvolle Organisation zu schaffen, die stark genug ist, der Verleumdung und Verfolgung, die von a'llen Seiten kommen, energisch entgegenzuwirken, denn vorläufig zeigt sich niemand, der für sie eintritt. (Die zionistische Organisation und das „Arbeiterfürsorgeamt“ in Berlin ausgenommen.) Bei energischer eigener Arbeit werden sich auch Bundesgenossen finden. Weshalb dies alles — offenbar für Ostjuden bestimmt — in einer Zeitschrift gesagt wird, deren Leserkreis zum größten Teil aus deutschen Juden besteht? Das Ostjudenproblem ist nur eine Teilerscheinung der Judenfrage in Deutschland und geht alle Juden an. Zu bedauern ist die politische Kurzsichtigkeit vieler deutscher Juden, die sich einbilden, die Ostjuden seien die Quelle des Judenhasses und nicht begreifen, daß die Antisemiten sich im Kampf gegen die Ostjuden nur ihren ersten Erfolg erwarten. Vielleicht nimmt mancher deutsche Jude Veranlassung die Frage zu prüfen und seine Stellung zu den Ostjuden zu ändern. Östliche Orientierung Von Karl Glaser. Die junge Sowjetrepublik Rußland tritt als gleichberechtigte Großmacht den fünf weltbeherrschenden „Hauptmächten“ zur Seite. Die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwischen ihr und der Entente bedeutet trotz dem immer noch bestehenden Kriegszustände die tatsächliche Anerkennung ihrer gegenwärtigen Regierung und über kurz oder lang auch die formelle, also den Frieden. Was bleibt auch England und seinen Verbündeten anderes übrig, nachdem die Koltschek, Judenitsch, Denikin ein so klägliches Ende genommen haben, nachdem die Randstaaten Finnland und Polen voran in ihrer Angst vor der drohenden Friihijahrsoffensive der wohlausgerüsteten und gut geführten Roten Armeen sich! beeilen, die Verhandlungsbasis mit einem Gegner zu finden. dem sie sich nicht gewachsen fühlen? Auch in Deutschland ist man auf den Umschwung in der Weltgeltung Räterußlands aufmerksam geworden und beginnt ihn in das politische Kalkül einzustellen. Gewiß wagt man im Bewußtsein seiner Schwäche es nicht mit der souveränen Sicherheit Dorningstreets seine Politik auf die veränderten Verhältnisse einzustellen, gewiß trübt Vielen die Angst vor dem Bolschewismus und die verständliche Hinneigung zur Kultur des Westens den klaren Blick: aber schon sind die alten Vorkämpfer einer „östlichen Orientierung“ auf dem Plan und vertreten, freilich aus den verschiedensten Motiven, das Programm wirtschaftlicher und naturgemäß damit politischer Verständigung mit dem europäischen Osten und seinen reichen asiatischen Hinterländern. Freilich hat eine derartige Politik ihre Gegner, und es ist amüsant „Kreuzzeitung“, „Berliner Tageblatt“ und „Vorwärts“ Arm in Arm zur Versöhnung mit dem Osten vorgehen zu sehen, die doch nicht nur Deutschlands, sondern Europas Rettung sein könnte. Aber so beflissen auch die „Kreuzzeitung“ das Deutsche Reich und seine zerschlagene Wehrmacht der Entente gegen die Sowjetrepublik anbietet (mit dem Hintergedanken das in solchem Kampfe erstarkte Heer entweder nach; einer neuen Konvention zu Tauroggen gemeinsam mit den Russen gegen die Westmächte, oder nach dem Siege über die Lenin und Trotzki ge^en die deutsche Demokratie und schließlich auch) gegen die Entente zu führen, so stark noch immer die Stimmung gegen jedes Paktieren mit dem Osten und seinen gefährlichen Gegner geschürt wird — so klar ist es dennoch, daß die tatsächlichen Verhältnisse stärker sein we'rdeti als Sympathien und Antipathien. Wirklich ist die Zahl derer, die eine Verständigung mit Rußland suchen, sehr groß — ihre Front reicht von der extremen Rechten bis zur äußersten Linken und neben der „Freiheit“ oder der „Zukunft“ treten die „Voßische“ und die „Frankfurter Zeitung“ dafür ein. Auch der „Fränkische Kurier“ hat sich neuerdings auf diesen Standpunkt gestellt. In einem Leitaufsatz „Vor neuen Orientierungen der deutschen Außenpolitik“ verlangt er den „Zusammenschluß“ resp. die rein wirtschaftliche finanzpolitische Annäherung an solche Länder, die eine ähnlich zerstörte Valuta haben, wie es die unsere ist.“ Von der Berechtigung dieser Forderung erhalten wir eine Vorstellung wenn wir die folgenden Zahlen neben einander stel’en: Die holländischen Eisenbahnbehörden geben für eine Mark in Papier einen Cent. Am 18. Februar bezahlten wir für einen Dollar 98.90 Mark. Für 100 Frank belgischer Währung 718.50 Mark. Für 100 dänische Kronen 1438.80 Mark. Für 100 französische Frank 693.75 Mark. Für 100 holländische Gulden müssen wir 3683.50 Mark geben. Für 100 italienische Lire 428.50 Mark. Schweizer 100 Frank gelten 1590.— Mark. Diese Zahlen bedeuten, daß man sich in den Westländern — 50 Pfund Sterling wurden dieser Tage mit 12 000 Mark ausbezahlt — mit dem deutschen Papiergeld ohne großen Verlust Gebrauchsgegenstände einwickeln kann. Dem gegenüber seien einige „östliche Werte“ wiedergegeben: Am 18. Februar mußten wir für 100 rumänische Lei 134.50 Mark bezahlen, für 100 tschecho-slowakische Kronen 99.75 Mark, für 100 ungarische Kronen 34.25 Mark, für deutsch-österreichische 100 Kronen 36.50 Mark. Auch die polnische Mark steht unserer Währung näher und die Währungsverhältnisse von Lettland, Esthland und Finnland zeigen eine ähnliche Formation. Über den realisierbaren Wert des russischen Rubels und sein Verhältnis zu dem der deutschen Mark läßt sich nur das eine sagen, daß die Mark dem Rubel gegenüber immer noch unendlich günstig gestellt ist. Da Rußland die ungeheuersten Exportmöglichkeiten, ja eigentlich alles besitzt, was Deutschland fehlt, und vor allem Deutschland Rußland gegenüber in der Lage ist mit ähnlichem Profit einzukaufen, wie es seitens der Westmächte in Deutschland geschieht — so ist die klare Folgerung gegeben. Nur tut freilich Eile Not. Deutschland hat vor England und den Seinen den ungeheuren Vorteil voraus, sich mit der Sowjetrepublik nicht im Kriege zu befinden. Das gilt es klug und vorsichtig auszunutzen. Als Herrennation, die ein unterworfenes Volk ausbeutet, wie es die östlichorientierten Generäle und Politiker während des Krieges vorhatten, wird man den selbstbewußten Gebietern Rußlands freilich nicht kommen dürfen. Man wird vielmehr alles tun müssen, um die Erinnerungen an diese Zeiten im Gedächtnis der Völker baldmöglichst verschwinden zu lassen. — Man täusche sich nicht. In Rußland herrscht ein ungeheurer Haß gegen alles Deutsche. Der Name „Deutscher“ ist beinahe seit den Tagen

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