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Das jüdische Echo · 1920-02-27 · 9 (27.2.1920) · p. Seite 104

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
9 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 Das Jüdische Echo Nr. 9 nach Metullah. Am nächsten Tag kam es zu einem Gefecht im Südwesten von Tel Hai zwischen Franzosen und Beduinen. Die französische Munition war aber bald erschöpft, und als die ersten französischen Flüchtlinge nach Metullah kamen, brach dort eine Panik aus und alles versuchte, in das benachbarte Gedadah zu fliehen. Sie fanden aber den Weg durch Drusen besetzt. Darauf kehrten einzelne, da das Feuer nachgelassen hatte, nach Metullah zurück, wo sie bleiben mußten, da der Ort von Beduinen und Drusen eingeschlossen wurde. Die anderen Flüchtlinge begaben sich nach Nabatea, wo sie notdürftig untergebracht wurden. Von dort aus fuhren sie großenteils nach Sidon und Akko, wo sie einer strengen Prüfung in der arabischen Sprache unterzogen wurden, um festzustellen, ob sie neue Einwanderer seien. Ein Teil von ihnen sollte zurückgeschickt werden, es kam aber ein Befehl aus Haifa, sie dort zu belassen. Wie die neuesten Telegramme melden, ist die Ordnung im Distrikt wiederhergestellt und die Fliichlinge sind nach Metullah zurückgekehrt. Deutschland. Antisemitische Heldentaten und „Fränkischer Kurier“. Am 20. Februar abends wollte der Bund „Neues Vaterland“ ip Charlottenburg eine Versammlung veranstalten, in der Exzellenz v. Gerlach über die Auslieferungsfrage sprechen wollte. Unter den Zunörern befanden sich eine große Anzahl ehemaliger Baltikumkämpfer, Offiziere in Zivil, Studenten und aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Soldaten. Kaum war die Versammlung durch den Vorsitzenden eröffnet, so setzte ein unglaublicher Lärm ein. Die Soldaten, die zum Teil mit Revolver nund Seitengewehren bewaffnet waren, stürzten sich auf die Tribüne. Ein Soldat hielt eine Ansprache, die in scharfen, persönlichen Angriffen gegen Gerlach gipfelte. Dann forderte er seine Soldaten auf, die im Saal befindlichen Juden hinauszuwerfen. Darauf stürzten sich die Soldaten und mehrere Zivilisten auf einzelne Zuhörer, verprügelten sie und verwundeten einige nicht unerheblich durch Schläge und Messerstiche. Herr v. Gerlach selbst wurde zu Boden geworfen und mit Fußtritten behandelt. Er wurde schwer verletzt in einer Droschke fortgeschafft. Die Mannschaften der Sicherheitspolizei kamen zu spät, um Ausschreitungen zu verhindern. Von der Polizei wurden die Namen von zehn Reichswehrsoldaten festgestellt. Der „Fränkische Kurier“ bringt seinen Bericht über die Taten dieser antisemitischen Rowdies unter der Überschrift „Vaterländische Selbsthilfe“! Polen. Rabbiner Perlmutter legt sein Mandat nieder. Wie der „Kurjer Nowy“ aus absolut verläßlicher Quelle erfahren will, bewahrheitete sich das Gerücht von der Mandatsniederlegung des Abgeordneten Rabbiner Perlmutter. Infolge der Entrüstung und der Erbitterung, die sein Auftreten im Reichstage letzthin erregt hat (bei der Abstimmung über das Staatsbürgergesetz stimmte Rabbiner Perlmutter gegen die jüdischen Abgeordneten), beschloß Rabbiner Perlmutter, dem Drucke einflußreicher Persönlichkeiten der Orthodoxie folgend, auf sein Abgeordnetenmandat zu verzichten und sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen. Rabbiner Perlmutter bemüht sich jetzt um einen Paß nach Palästina, wo er ständigen Aufenthalt zu nehmen beabsichtigt. Lettland. Antisemitismus in Lettland. Die Lage der Juden in Lettland verschlechtert sich von Tag zu Tag. Die gesamte Beamtenschaft ist von wütendem Judenhaß erfüllt. Die lettischen Juden, die in der Kriegszeit schon so viel Schweres durchgemacht haben, sehen sich jetzt wieder in einer trostlosen Lage. Die augenblickliche, angeblich „demokratische“ Regierung, die auf dem Papier für Gleichberechtigung eintritt, unterwirft die Juden einer derartigen Behandlung, wie sie selbst zur zaristischen Zeit nicht üblich war. Täglich kommt cs vor, daß Juden aus Eisenbahnwaggons geworfen werden, mit der Begründung, daß für Juden kein Platz sei. Die Annahme, daß.es sich dabei um Übergriffe einzelner Beamten handle, ist leider unrichtig. Slowakei. Die jüdische Partei in der Slowakei. In der „Preßburger Zeitung“ vom 5. Februar veröffentlicht Oberrabbiner Samuel Reich, Vrbovec, einen Artikel unter dem Titel „Die jüdische Partei ein Staatsinteresse“, worin er darauf hinweist, daß der einzige Weg, die Juden dem Parteikampf der Völker zu entziehen, dadurch antisemitische Exzesse zu verhüten und den würdigen Verlauf des Wahlkampfes zu sichern, die erfolgte Gründung der „Jüdischen Partei“ sei. In unserer Republik, schreibt Reich, leben auch die Juden zerstreut unter den verschiedenen Nationalitäten. Überdies gibt es noch tiefgehende politische Differenzen, welche der Wahlkampf entscheiden soll. Die Wahlagitation wird mit ganzer Heftigkeit einsetzen. Die schon besänftigten Gemüter werden neuerdings in Erregung kommen. Jede Nationalität und jede Partei wird den politischen Anschluß der in ihrer Mitte lebenden Juden anstreben. Allen kann man nicht gerecht werden, so werden cs die Juden mit der einen oder der anderen Klasse der Bürger verderben müssen. In einem Staate, wo Redefreiheit herrscht, kann die Volksverhetzung nicht ganz unterbunden werden. Manchen Ortes glimmt es noch unter der Asche und Bo 3Jtünd)ner Uteueffe 2Rad?rtd?f er» (Größte, tägt. 2mal erfdjeinenbe 3eitung ©üb* unb 2JlitteIbeut,'d)* lanbä. Äauffräftigcr Teferfrcte unb über ©eutfddanbS ©renjen hinauf Slnerfannt fefjr erfolgreich für Slnjeigen aller Slrt. Sinnigen* preiä unb :ttad)tajj nad) Sarif. iSesugäpreid monatl. 2W. 4.50 bei allen beutfdjen poftanflalten ff :>

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