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Das jüdische Echo · 1920-02-27 · 9 (27.2.1920) · p. Seite 102

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
9 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 Da$ Jüdische Echo Nr. 9 Der Völkerbund übernimmt den Minoritätenschutz Wie der „Telegraaf“ meldet, referierte in der Sitzung des Völkerbundrates vom 14. Februar der japanische Vertreter über den Schutz der Rassen-, Sprach- und Glaubensminoritäten in Polen. Es wurde beschlossen, diese Minoritäten dem Schutz des Völkerbundes zu unterstellen. Diese Nachricht ist dahin zu verstehen, daß der Völkerbund die ihm im Vertrag mit Polen übertragene Aufgabe des Schutzes der Minoritäten nunmehr übernommen hat. Wir hoffen, daß dieser Schutz sich wirklich kräftig bemerkbar machen wird. — Wir verweisen in diesem Zusammenhänge übrigens besonders auf die Vorschläge unseres Leitaufsatzes, die, wenn der Völkerbund sein Mandat ernst nimmt, von besonderer Bedeutung sein könnten. Kundgebungen der Misrachijugend zu den Hmsterdamer Beschlüssen Am 8. Februar fand eine Mitgliederversammlung der Misrachi-Jugendgemeinschaft Berlin statt. Gegenstand der Tagesordnung waren die auf der Amsterdamer Misrachi-Konferenz gefaßten Beschlüsse. Die Versammlung nahm nach reger Aussprache folgende Resolutionen an: 1. Die soziale Gerechtigkeit ist, wie Gerechtigkeit überhaupt, eine Grundforderung der göttlichen Lehre. Es kann daher nicht genügen, ihre Forderung beiin Aufbau Palästinas zu „berücksichtigen“; vielmehr muß die soziale Gerechtigkeit auf jedem Gebiet, d. h. mit bezug auf den Boden in Stadt und Land („Nationalisierung“), auf Bodenschätze, Wälder, Handel und Industrie und auf Gesundheitsschutz durchgesetzt werden. 2. Die Daseinspflicht des Misrachi beruht auf der bewußten Verantwortung eines jeden Juden der jüdischen Gesamtheit gegenüber. Deshalb fordern wir, daß bei der Einrichtung des neuen Schulwesens in Palästina bei voller Wahrung des persönlichen, im besonderen religiösen Standpunktes, doch durch gemeinschaftliche Arbeit aller die Möglichkeit gegenseitiger Beeinflussung, von der die Neubelebung des geeinten jüdischen Volkes abhängt, gewährleistet bleibt. Die Resolutionen wurden dem Zentralkomitee des Misrachi in London und Berlin übersandt. * Aus Frankfurt wird uns berichtet: In der Misrachi-Orts- und Jugendgruppe gab Herr Dr. J. Rabin einen Bericht über die Amsterdamer Konferenz. Neben vielem Erfreulichen mußte er vor allem über den bedauerlichen, den bisherigen Traditionen des Misrachi zuwiderlaufenden Geist der Trennung berichten, der besonders in dem Ultimatum, das in betreff der Schulfrage an die zionistische Leitung gerichtet wurde, zum Ausdruck kam. Nach längerer Diskussion, in der zum Teil die Beschlüsse noch schärfer angegriffen wurden als seitens des Referenten, in der aber auch von einem Redner der entgegengesetzte Standpunkt vertreten wurde, wurde mit großer Majorität folgende Resolution beschlossen, die an die Londoner Misrachi-Leitung gedrahtet wurde: „Misrachi Frankfurt mißbilligt das Amsterdamer Ultimatum, da die darin enthaltene Gefahr für die Volkseinheit den wesentlichsten Misrachiprinzipien widerspricht. Sie fordert die jüdische Einheitsschule und Aufschub der Entscheidung bis zum Beschluß des demokratisch gewählten Misrachi-Weltkongresses. Sie fordert Bekanntgabe dieses Telegramms an A. C.“ Verwaltungsbericht derlsraelitischen Kultusgemeinde München Der Verwaltungsbericht der Israelitischen Kultusgemeinde München für die Jahre 1918 und 1919 gedenkt in erster Reihe der Opfer, welche der Weltkrieg auch von unserer Gemeinde gefordert hat. über 150 Söhne unserer Stadt fielen in Erfüllung ihrer Pflicht. Der mit Beginn des Krieges ins Leben gerufene „Hilfsfonds“ stellte im Laufe des vergangenen Jahres seine Tätigkeit ein; über eine Viertelmillion Mark konnte diesem Zwecke dienstbar gemacht werden. Der Bericht sagt betreffs des derzeit überhand nehmenden Antisemitismus folgendes: „Die Verwaltung ist den antisemitischen Umtrieben gegenüber nicht untätig geblieben. In ernsten Vorstellungen haben wir an maßgebender Stelle auf die schweren Folgen hingewiesen, welche aus dieser maßlosen, auch vor gesetzwidrigen Mitteln nicht zurückschreckenden Bewegung erwachsen können. Unsere Vorstellungen blieben nicht unbeachtet.“ (Trotzdem tobt der Antisemitismus in gemeinster Weise weiter. D. Berichterstatter.) Dem Auf- und Ausbau im Innern des Gemeindelebens sind folgende Zeilen gewidmet: „Mit Aufmerksamkeit verfolgen wir die jüdische Jugendbewegung. Ebenso finden die neugegründeten Volkslehrkurse unser besonderes Interesse.“ (Worin besteht nun die „Aufmerksamkeit“? Was geschieht zur Gründung einer Lesehalle, die doch in allen Großgemeinden zu finden ist? Warum unterstützt man nicht den „Jüdischen Turnverein“ usw.? D. B.) Der Bericht bespricht die Tätigkeit der Verwaltung und die Anfangs 1919 erfolgten Neuwahlen. Der verstärkte Verwaltungsausschuß, der die Revision des Gemeindestatuts in die Wege leiten soll, hat bereits einige Sitzungen abgehalten. (Wenn in diesem Tempo weiter gearbeitet wird, könnte die Revision wohl in einigen Jahren zur Durchführung gelangen. D. B.) In ehrender Weise wird des verstorbenen Rabbiners Prof. Dr. Werner und des langjährigen Sekretärs Guggenheim gedacht. Dem 70. Geburtstag Herrn Dr. Ehrentreus, sowie der 20jähr. Tätigkeit im Dienste der Gemeinde der Herren Lehrer Maier und Hauptlehrer Friedmann, hat die Verwaltung gebührend Rechnung getragen. Die Zahl der Gemeindemitglieder betrug Ende 1919 2754, gegen Beginn des Jahres 1918 kaum verändert. Die Finanzen zeigen sich befriedigend. Die Kultusbeiträge 1919 beliefen sich auf 183 386 Mark gegen 150 358 Mark im Jahre 1918. Diesen steht eine ganz bedeutende Steigerung der Ausgaben gegenüber. 1918 betrugen solche 243 000 Mark, 1919 etwa 252 000 Mark, während im Etat für 1920 mit 292 000 Mark zu rechnen sein dürfte. Da der Bericht auch auf die Details eingeht, sei erwähnt, daß 1918 : 63 und 1919 : 47 Knaben die Bar Mizwahfeier begingen. Bei der Besprechung des Religionsunterrichtes lesen wir: Im Schuljahr 1918/19 betrug die Zahl d-er israe-

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