Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1920-02-27 · 9 (27.2.1920) · p. Seite 101

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
9 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9102977-9140649--03368-9076193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 9 Das Jüdische Echo 101 j)r. Israel Caleb und Dr. Israel Auerbach für die Türkei, Dr. Alexander Goldstein für die Ukraine. Für die nächste Sitzung sind zu erwarten die Herren Dr. Epstein für Argentinien. Dr. Diamant für die Bukowina, Dr. Ornstein für Holland, Dr. Isaak Jaffa für Lettland, Ing. Kanner für Rumänien, Herr Isaak Feuerring für Skandinavien, Dr. Hugo Herrmann für die Tschechoslowakei und Dr. Osias Thon für Westgalizien. Ferner sind zur Sitzung zugezogen die Sekretäre des Actions- Comites, der Redakteur des offiziellen Organs der English Zionist Federation, Herr Leon Simon, Herr Leonhard Stein, der soeben aus Palästina eingetroffen ist. Bedauerlich war, daß wegen der großen zionistischen Aktionen, die augenblicklich in Amerika stattfinden, sowie infolge der Reiseschwierigkeiten kein Mitglied der so besonders bedeutenden amerikanischen Landsmannschaften anwesend sein konnte. Nach Eröffnung der Sitzung, die in feierlicher Weise durch Herrn Sokolow mit einer hebräischen Ansprache stattfand und nach Verlesung der Begrüßungstelegramme, unter denen ein recht optimistisches Ussischkins aus Jerusalem hervorzuheben ist, nahm Herr Dr. Weizmann das Wort zu einem politischen Bericht. Er stellte fest, daß in der allernächsten Zeit mit der Erteilung des Mandats zu rechnen ist, dessen Präzisierung das Ergebnis eingehender während~der letzten Jahre ununterbrochen gepflogener Beratungen und Verhandlungen mit allen zionistischen Organisationen und Repräsentanten ist, welche zur Arbeit herangezogen werden konnten, aber auch das Ergebnis eingehender Verhandlungen mit den Vertretern der englischen Regierung, welche sich mit dem vorliegenden Mandatsentwurf einverstanden erklärt haben. Die wichtigste Frage, deren Erledigung noch in der Schwebe ist, ist die Frage der Grenzen. Über diese Frage sind vonseiten der Zionistischen Organisation Verhandlungen mit allen in Betracht kommenden Regierungen gepflogen worden, und es steht zu hoffen, daß das Resultat den Lebensnotwendigkeiten des Jüdischen Nationalheims und einer gesunden ökonomischen Entwicklung des Landes entsprechen wird. Hierauf berichtete Herr Dr. Weizmann über die Lage in Palästina und betonte insbesondere, daß die wider alles Erwarten ausgedehnte Übergangszeit infolge der mit dem System der Okkupation verbundenen Folgen zu einer außerordentlich schwierigen ökonomischen Situation geführt hat. Es ist aber in der letzten Zeit gelungen, die Administration in Palästina zur Annahme bestimmter Pläne zu gewinnen, welche schon jetzt, also vor der endgültigen Regelung der politischen Fragen, die Inangriffnahme eines ausgedehnten Wiederaufbauwerkes gestatten. Dadurch wird dem bisherigen unbefriedigenden Zustand ein Ende bereitet. Ein anderes Zeichen für die Wendung zum Besseren, die in dem Stagnierungsprozeß eingetreten ist, ist die Mission Herbert Samuels, deren große Bedeutung Herr Dr. Weizmann ausführt. An diese Darlegungen schließt Dr. Weizmann die Bitte, den Dank des A. C. der zionistischen Federation in Amerika und ihrem Vorsitzenden, Herrn Justice Brandeis, übermitteln zu dürfen. Amerika habe während der politischen und ökonomischen Krise die zionistische Organisation aufrecht erhalten und decke noch jetzt 80 Prozent der Ausgaben der Gesamtorganisation speziell in Palästina. Sodann weist Dr. Weizmann darauf hin, daß es notwendig ist, um die großen Arbeiten in Angriff zu nehmen, welche die neue Periode der Arbeit einleitcn sollen, die Organisierung der Arbeit des Jüdischen Nationalfonds und der Bankinstitute der Organisation in die richtigen Wege zu leiten. Herr Dr. Weizmann schließt seinen Bericht mit dem Wunsch einer gedeihlichen Arbeit. Er habe nichts einzuwenden gegen eine eingehende und scharfe Kritik, doch müsse sie ihre Forderungen in ein richtiges Verhältnis zu den gegebenen Möglichkeiten setzen. Hierauf berichtet Herr Sokolow speziell über das Verhältnis der Zionistischen Organisation zur französischen Regierung. Mit Rücksicht auf den letzten Regierungswechsel in Frankreich war es notwendig, mit den Vertretern der jetzigen französischen Regierung in Verbindung zu treten, um sie so genau als möglich über die zionistische Frage zu informieren und auch ihre Unterstützung zu sichern. Herr Sokolow hat kurz vor seiner Abreise nach London eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten, Monsieur Miilerand gehabt, ebenso wie vor kurzer Zeit mit dem französischen Senatspräsidenten Leon Bourgeois, dem Vertreter Frankreichs in der. League of Nations. Er habe die erfreuliche Überzeugung aus seinen Unterhaltungen gewonnen, daß die neue französische Regierung an der Deklaration entschieden festhalte. Herr Sokolow berichtete hierauf im allgemeinen über die Art der Beziehungen zu den verschiedenen Regierungen und spricht die Überzeugung aus, daß die Völker die zionistische Frage nur im Rahmen der jüdischen Frage überhaupt betrachten, nicht isoliert als eine palästinensische Frage. Hierauf wird nachstehende vom Engeren Actions-Comite vorgelegte Tagesordnung genehmigt: Zunächst soll den bisher erstatteten Berichten der Herren Dr. Weizmann und Sokolow eine allgemeine Aussprache folgen. Hierauf sollen drei Referate über Palästina-Kolonisation und die damit zusammenhängenden Finanzpläne erstattet werden. Die drei Referenten sind die Herren Julius Simon, Dr. Ruppin und Herr Boris Goldberg. Ein Tag ist dem Bericht über die Finanzen, d. h. einem Bericht über die finanzielle Situation und über die Pläne betreffs der Finanzinstitute gewidmet. Hierauf soll in die Beratung des Arbeitsgebietes der Erziehung eingetreten werden. Herr Dr. Lewin wird ein allgemeines Referat, Herr Dr. Weizmann Spezialreferate über Universität und Technik erstatten. Hieran sollen sich Referate von Herrn Podlischewski über Kulturarbeiten in Polen, Herrn Böhm über Kulturarbeit in Österreich schließen. Das Referat über Organisation wird Herr Dr. Hantke halten; das Referat über die Finanzen der Organisation Herr Goldberg. Ein besonderer Bericht ist für die Vertreter der Zionistischen Organisation im Comite des Delegations Juives vorgesehen; Herr Motzkin wird in diesem Zusammenhang über die Frage der Diaspora-Arbeit referieren. Schließlich wird Herr de Lieme ein Referat über den Jüdischen Nationalfonds halten. Nach einigen technischen Beratungen wird die Sitzung geschlossen. Wir werden über den Verlauf der vom allgemein-jüdischen Standpunkt hochbedeutsamen Tagung weiter berichten. * % *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.