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Das jüdische Echo · 1920-02-20 · 8 (20.2.1920) · p. Seite 91

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
8 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 91 künftighin dieser Feststellungen eines Führers der Jugendbewegung entraten. Buber weist den einfachen. natürlichen und ewigen Weg zur sozialen WSedergenesung und zum neuen Selbstvertrauen. Das Organische, das biologische Geschehen liegt allem zu Grunde, was im Menschheitsverbande an konkreten Erscheinungen zu Tage tritt. Richtige Beurteilung auch irgendwelcher Fragen der Finanzwirtschaft, der Schulreform, der Kriege und Revolutionen kann nur gewinnen, wer alle diese Erscheinungen als Triebe, Blüten und verwesende Teile eines Wachsenden Organismus an seinen gelernt hat. Biologische Gesetze diktieren auch das Dasein und die Erscheinungsformen der Völker und Nationen. In diesem Sinne muß das Denken orientiert und eingestellt sein, um die unermeßliche Tragweite der Buberschen „Worte an die Zeit“ zu ermessen. Dann wird es zur Selbstverständlichkeit, daß der innere Zusammenbruch der europäischen Gesellschaft zutiefst in einem großen Mißverständnis wurzelt: Die Gemeinschaft, die natürliche Nachbarschaft, die dort besteht, wo zwei und mehrere verwachsen sind, wurde ersetzt durch ein additives Nebeneinander, die „Gesellschaft“, Rückkehr aus der menschlich durchaus minderwertigen. sozusagen mathematisch aus Punkten aufgebauten Gesellschaft in die natürliche Gemeinschaft, das ist in großen Zügen Bubers Programm, das in diesen beiden hellen und herzerquickenden Büchern zum ethisch-religiösen Appell wird. Dr. W. „Der Kwall“. Unter diesem Namen wurde in Wien von jüdischen Schriftstellern und Fachmännern ein jüdischer Verlag gegründet. In der nächsten Zeit erscheinen in diesem Verlage vier Bücherserien: 1. Fin Mensch zi Mensch (Aufklärungsbücher aus der Weltliteratur); 2. Fin Volk zi Volk (Übersetzungen aus der schönen Literatur); 3. Fin eigenem Kwall (Schriften jiddischer Autor.); 4. Jüdische Volksbibliothek. Im selben Verlage erscheint ab Januar 1920 eine Monatsschrift „Kritik“ unter Redaktion von M. Silburg. Bis jetzt haben der Redaktion folgende Schriftsteller ihre Mitarbeit zugesagt: Ajnhorn Duwid. ' Birnbaum Urjel. Bergelson Duwid, Chmielnicki Meleek, Der Niistor. Disendruck Zwi, Fuchs A. M., Groß Moische, Horowitz Ber, Juris A. S„ Königsberg Duwid, Locker Berl, Mani Leib, Mestell Jankew. Priluzki N.. Priluzka P.. Rawicz Melech. Schoffmann G., Silburg M., Singer Mendel. Die Adresse des Verlages lautet: Verlag „Der Kwall“. Wien II., Tabor- Straße Nr. 7. Feuilleton Ein Brief aus Erez Jisroel Aus dem Jüdischen. Wir bringen dies Schreiben zweier Chaluzim an einen unserer Nürnberger Freunde gern auszugsweise zum Abdruck, denn es gibt in seiner naiven Art ein recht klares Bild palästinensischer Verhältnisse von heute. .... Gleich nach der Ankunft in Jaffa findet vor Verlassen des Schiffes eine strenge Kontrolle durch die jüdischen Paßbehörden statt. In die Kommission gehört auch ein englischer Hauptmann, der jedoch wenig Anteil an den Feststellungen zu nehmen scheint . Wir hatten kein englisches Visum, sondern nur ein französisches. Der jüdische Beamte nimmt uns die Pässe ab, erklärt, wir müßten zunächst in Jerusalem beim Waad Hazirim um Einwanderungserlaubnis einkommen, fügt jedoch, um uns zu trösten, hinzu: „jesch tikwah“ — es besteht Hoffnung. Der Engländer mischt sich ein und meint, wir könnten schlimmsten Falls den Weg über Beirut machen: „Ins Land hinein kommt ihr sicher — al tid’ agu — nur keine Sorge.“ — Und so geschah’s. Wir fuhren nach Beirut, wo wir von Herrn Zevi Jehuda freundlich aufgenommerr und durch Obergaliläa nach Kinereth begleitet wurden. Wir marschierten 14 Tage lang je 35 km. Unser Gepäck wurde uns nachgefahren. Wir durchwanderten das Libanongebirge und sahen die Vorberge des Hermon. — Das erste jüdische Dorf, in das wir kamen, war Metullah. Dann folgte Kolonie auf Kolonie, Yessad HenTealeh, Refai Hagilead, Mechanaim, Rosch Pinah. Überall Ordnung und Sauberkeit, überall auf den Landstraßen berittene jüdische Gendarmen.... Die jüdische Gendarmerie erhält zusammen mit den drei jüdischen G’dudim, den Regimentern der Legion, für die jetzt wieder geworben wird, die Ordnung im Lande aufrecht. Daneben gibt es natürlich auch englisches Militär: Der Anteil der Araber ist sehr unbedeutend. In Tiberias trafen wir zum Beispiel keinen arabischen Beamten, nur Juden. Dort wollte man uns für die berittene Gendarmerie verpflichten, da wir ja beide groß und kräftig sind. Wir lehnten ab. Das Land braucht tüchtige Landwirte mindestens so nötig wie Gendarmen. — Es wird jetzt bereits viel Hebräisch im Lande gesprochen. Sogar die wenigen arabischen Polizisten geben auf Hebräisch ihre Auskünfte. Auch die Engländer lernen unsere Sprache. Vor dem Theater in Tiberias sprach mich ein englischer Offizier auf hebräisch an. Ich zuckte die Achseln, da ich nicht genug konnte, um ihn ganz zu verstehen. Da sagte er ganz langsam und verwundert: „Ivri atah, ween atah medaber ivrith, bust lecha!“ — „Du bist Jude und kannst kein Hebräisch? — Schäme Dich!“ Ich mußte mich wirklich schämen.... Jetzt also sind wir in Kinereth. Es wird hier wie in allen Kolonien viel gebaut. Leider macht sich der Mangel an Baumaterial, besonders an Holz arg fühlbar. Es ist notwendig, daß etwas geschieht, dem abzuhelfen, denn die Wohnungsnot ist groß.... In Kinereth haben wir Arbeit bekommen. ... Gemeindenu. Vereins-Echo Jüdischer Turn- und Sportverein Bar-Kochba, Nürnberg. Die am 8. Januar 1920 stattgehabte ordentliche Generalversammlung zeigte, daß unser Verein im abgelaufenen Vereinsjahr seinem Ziele um ein kleines Stück näher gekommen ist. Der 1. Vorsitzende, Herr Körösi, berichtete folgendes: Nach Ausprobierung verschiedener Turnhallen fanden wir endlich im Oktober eine einigermaßen unseren Wünschen entsprechende Halle im Realgymnasium und von da ab setzte auch ein ziemlich reger Turnbetrieb in beiden Riegen ein. Antisemitischer Umtriebe halber sahen wir uns veranlaßt unseren bisherigen Turnlehrer zu entlassen. Turnbruder Thalmann übernahm nun. unter Assistenz der Tbr. Sieradski, Steinberg und Herzberg die Führung der beiden Riegen. 10 Turnfahrten, 6 Heimabende, teils mit Referaten, sowie am 20. XI. ein öffentlicher Vortrag des Tbr. Dr. Seligmann wurden veranstaltet.

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