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Das jüdische Echo · 1920-02-20 · 8 (20.2.1920) · p. Seite 89

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
8 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 89 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo wußtsein auch von anständigen Nichtjuden erzwingt? Dieses Selbstbewußtsein setzt freilich vor allen Dingen die Kenntnis jüdischer Werte voraus, die der heutigen Generation in betrübendem Maße fehlt und die nur durch eine vollkommene Umgestaltung der jüdischen Erziehung erreicht werden könnte. Von diesem Gesichtspunkt aus gewinnt die Errichtung jüdischer Schulen eine Bedeutung, die schon kürzlich hier hervorgehoben, aber in weitesten Kreisen noch vollkommen verkannt wird. — Die jüdische Schule ist jetzt die erste und wichtigste Aufgabe der zu schaffenden jüdischen Gesamtorganisation in Bayern. Man hört, daß die Verhandlungen darüber schon weit gediehen sind. Zuverlässiges ist freilich der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt geworden. Das bayerische Judentum hat ein dringendes Interesse daran, rechtzeitig zu erfahren, welche Beschlüsse in dieser Existenzfrage gefaßt worden sind, und welche Pläne in dieser Hinsicht die maßgebenden Stellen hegen. Es ist daher höchste Zeit, daß eine aufklärende Mitteilung an die Öffentlichkeit erfolgt. Hoffen wir, daß in Bayern und in anderen deutschen Ländern eine wahre demokratische Organisation ersteht, innerhalb deren jeder Jude seiner jüdischen Verantwortlichkeit bewußt wird, sodaß endlich die Gleichgültigkeit gegenüber jüdischen Fragen einem lebendigen Interesse weicht. Dr. N. Abwehr des Antisemitismus Eine von jüdischer Seite beliebte Methode zur Abwehr des Antisemitismus ist die, welche dem deutschen Christen klarzumachen sucht, daß sein Antisemitismus sich weder mit seinem Deutschtum noch mit seinem Christentum vertrage. Mir ist diese Methode unerträglich. Wenn man mich verleumdet, so verteidige ich mich, und wenn man mich rüpelhaft angreift, zum Teufel, so wehre ich mich nach dem Rezept: auf einen groben Klotz ein grober Keil. Und im übrigen versuche ich der Welt darzutun, daß es noch viel elender in ihr aussähe, wenn ihr nicht ein gehöriger Schuß Judentum beigegeben wäre. Wenn ich aber ein besonders Vernünftiger bin, so nehme ich den antisemitischen Vorstoß zum Anlaß einer immer strengeren Selbsterziehung, eines immer leidenschaftlicheren Anschlusses an mein Judentum und zu einer immer leidenschaftlicheren Arbeit für die Unabhängigmachung dieses Judentums von Liebe und Haß der Völker. Das ist dann doch wenigstens ein offenes und ehrliches Abwehren und nicht ein verlogenes Abwedeln. Wie kommt ein Jude dazu, den deutschen Christen an seine deutsche Christenpflicht zu mahnen? Und glaubt etwa ein Mensch, diese jüdische Christenmission (die sich mitunter auch als Humanitätsmission gibt) macht auf irgendjemand irgendwelchen Eindruck? Etwas ganz anderes ist es natürlich, wenn ein Nichtjude die Sache des Judentums vom Humanitätsstandpunkt aus verteidigt. Eine solche Verteidigung hat nicht das Fatale jener jüdisch-humanitären Abwehr, die mich immer an den Ruf des Papageien beim Märchen Anderserl' erinnert: „Laßt uns Menschen sein!“ Wenn ein Nichtjude die Sache des Judentums vertritt, so werden seine Worte sicherlich freimütig und warm klingen — denn nur ein freimütiger und warmer Mensch wird sich mit einer so undankbaren Aufgabe befassen. Ein solcher Freier und Mutiger ist Franz Carl Endres. Wie er sich auf anderen Gebieten durch seine Offenheit und Unerschrockenheit auszeichnet, so tut er es auch in der Judenfrage. Dieser Schriftsteller, der viele Länder gründlich durchforscht, viele Völker und Kulturen eingehend studiert hat, ist wiederholt für das Judentum eingetreten. Er tut es neuerdings wieder in einem Aufsatz „Antisemitismus und Humanität“, der im ersten Heft des neuen Jahrganges vom „Unsichtbaren Tempel“ erschienen ist. Endres zeigt in diesem Aufsatz, daß der Antisemitismus ein böses Symptom für das Schwinden der Humanität, für das Wachsen des Materialismus im Deutschen ist. Es geziemt uns nicht, an diesem Urteil eines deutschen Christen über seine deutsch-christlichen Volksgenossen zustimmende oder ablehnende Kritik zu üben. Es ist nicht einmal unsere Sache, uns in diese Angelegenheit zwischen einem nichtjüdischen Autor und seinem nichtjüdischen Publikum soweit einzumischen, daß wir ihm unseren Dank dafür abstatten, daß er mit seiner Mahnung gerade unserer Sache nützt, denn dieser Aufsatz ist ja nicht in erster Linie geschrieben, um für das Judentum eine Lanze zu brechen, sondern weil Endres offenbar in dem demonstrativen Antisemitismus ein besonders krasses Beispiel für die von ihm beklagte Abnahme an Humanitätsgefühl im Deutschen sieht. Daß ich Endres herzlich dankbar für seinen Aufsatz bin, hat einen ganz anderen Grund als den, daß er für uns um Humanität ersucht — um Humanität kann man schließlich auch für jemand werben, den man gründlich verachtet. Aber aus dem Endres’schen Artikel klingt hdraus, daß sein Verfasser, der jüdische Wucherer, Schieber und Kriegsgewinnler genau so verachtet wie die Mehrheit des jüdischen Volkes es tut, für den wahren Geist des Judentums tiefes Verständnis hat. Und für dieses, nämlich, daß Endres sich trotz alles Geschreies und aller Schlagwörter der Zeit, die Mühe genommen hat, in den wahren Geist des Judentums einzudringen — dafür bin ich ihm dankbar. Helene Hanna Cohn. Den Judenhetzern ins Stammbuch In der „Pfälz. Post“ (Nr. 31 vom 6, Febr.) erzählt Nik. Osterroth, Mitglied der Nationalversammlung, zwei persönliche Erlebnisse, die wir der blöden Judenhetze gegenüber hier wiedergeben wollen. Osterroth schreibt also: „Ich lag im Weltkrieg an der polnischen Grenze nahe bei dem furchtbar heimgesuchten Kalisch mit seiner größtenteils jüdischen Bevölkerung, deren jämmerliche Heime der Krieg zerstörte, deren kümmerlicher Erwerb er vernichtete. Im Sommer 1915 als die Kirschen reiften, mietete ein kinderreicher alter kranker Jude an der Straße nach Kalisch eine Anzahl Kirschbäume, um durch Handel seinen Unterhalt zu verdienen. Die Soldaten stibitzten ihm eines Abends vor dem Gefangenenlager die Kirschen und auf seine Hilferufe mißhandelter sie ihn obendrein in der scheußlichsten Weise. Ich nahm ihn in Schutz und wollte die Frevler ^uch zur Strafe melden. Der alte Jude vereitelte es. Eine WocHfc später brach die Ruhrepidemie aus und ich wurde krank ins überfüllte Revier eingeliefert. Mit mir einer der Peiniger des alten* Juden. Irgendwie erfuhr dies der alte Jude. Von da ab bis zu unserer Genesung erschien er jeden Morgen am Fenster und

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