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Das jüdische Echo · 1920-02-13 · 7 (13.2.1920) · p. Seite 81

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
7 (13.2.1920)
Date
1920-02-13
Page
Seite 81 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 81 tcrbrechungen. Alle Monat wurde er der Kompagnie zugestellt. Dann rückte er einmal aus und kam prompt wieder zurück. Schwellung des Mittelfußes, Mittelfußbruch . . . Und sein Untergestell — ich bitte wegen des Unästhetischen um Verzeihung, aber die Geschichte soll ich euch erzählen — war wirklich verboten. Der ganze Apparat, auf den der normale Mensch tritt, war bei ihm zu platt, flach und breit geraten und neigte dementsprechend zu Schwellungen, wie zwei Christbaumbretter hing der Fuß an dem übrigen Aufbau. Der Oberarzt beklopfte Binswangers Füße, der Stabsarzt zerrte jeweilig an Binswangers Beinen. Aber der Oberstabsarzt ließ sie ruhig unter der Decke und brüllte nur: „Quatsch, ich kenne dieses Leiden. Diese dummen Lausebeine. Nehmen Sie gefälligst Ihre Knochen zusammen. Pes planus semiticus.*) Steht als Entlassungsgrund nicht in der Friedenssanitätsordnung.“ Alles übrige habe ich vergessen. Es ist auch nebensächlich. — Jahre waren verstrichen. Ich hatte an Binswanger nicht mehr gedacht. Eines Tages steigt zu mir in den Zug ein Mann mit einem hampelnden Gang. Ich sehe nur dies Watscheln, Schieben und Schlürfen und muß sofort an Binswanger denken. Richtig er ist es! Wir kommen auch ins Gespräch und da erzählte ich ihm schließlich vom Oberarzt, vom Stabsarzt und zuletzt vom Oberstabsarzt. „Sehen Sie, der Mann machte kein Hehl daraus, daß es Ihnen besondere Schwierigkeiten wegen ihres Beinleidens machte. Der Mann erklärte offen, daß er als Antisemit die Juden nicht leiden könnte.“ „Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, daß ich nicht Jude bin,“ beeilte sich Binswanger hinzuzufügen. „Ich habe über meine Beine meiner Abstammung oft gegrollt. Sehen Sie, mir ist das Unglück passiert, daß ich mit dem ganzen übrigen Kerl aus der Gemeinschaft ausgeschieden bin. Nur mit den Beinen hafte ich noch daran. Glücklicherweise nur mit den Beinen. Einmal hatte ich die Adresse eines Orthopäden, der auf diesem Gebiete Spezialist ist. Nun aber hat er nichts genützt. Nur Geld gekostet. Jetzt habe ich mich abgefunden.“ Da mischte ein Mitreisender, der unser leis geführtes Gespräch anscheinend mitangehört hatte, sich ein und sagte: „Sie sind also ein interessanter Fall.“ Binswanger gab keine Antwort mehr. Er starrte nur stumm und verbissen in die Landschaft hinaus. Felix A. T h e i 1 h a b e r. Gemeindenu. Vereins-Echo Personalien. Berufung an die Handelshochschule München. Dr. Felix Werner, Professor der Handelswissenschaften an der Handelshochschule zu Königsberg, ist zum 1. April 1920 als hauptamtlicher Dozent für Handels Wissenschaften an die Handelshochschule München berufen worden. Geboren am 9. November 1876 in Rechlitz in Sachsen, genoß er nach Absolvierung der Realschule seine handelswissenschaftliiche Ausbildung in siebenjähriger kaufmännischer Praxis und dreijährigem Studium an der Handelshochschule Leipzig, an welcher er die Handelslehrerprüfung mit der ersten Note bestand. Seine *) Jüdischer Plattfuß. volkswirtschaftliche Ausbildung erhielt er an den Universitäten Leipzig und Königsberg. An letzterer promovierte er auf Grund einer Dissertation über „Kameralistische oder kaufmännische Buchführung“ zum Dr. phil. Nach sechsjähriger Tätigkeit als Handelslehrer an der Leipziger öffentlichen Handelslehranstalt und als Leiter handelswissenschaftlicher Übungen für Juristen an der Leipziger Universität wurde er 1903 als Dozent der Handelswissenschaften an die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt, 1910 als hauptamtlicher Dozent und Direktor des handelswiissenschaftlichen Seminars an die Königsberger Handelshochschule berufen. Bei der Umwandlung der Königsberger Handelshochschulkurse in eine volle Handelshochschule übernahm er 1915 die erste hauptamtliche Professur für Handelswissenschaften. Vorträge über den Talmud in Nürnberg. Die von der israelitischen Gemeindebibliothek Nürnberg veranstalteten Vorträge über den Talmud, deren erster vor einigen Wochen stattfand, fanden am Donnerstag, den 29. Januar, im Künstlerhauis ihre Wiederholung. Als Erster sprach Herr Studienrat Dr. Blaufuß über die Frage: „Was ist der Talmud'?“ Er gab ein interessantes Bild der verschiedenen religiösen, geistigen und politischen Strömungen der Jahrhunderte nach Christi Geburt bis zum Abschluß des Talmuds im 5. Jahrhundert. Er besprach dann kritisch die von jüdischer und christlicher Seite über und gegen den Talmud verfaßten Schriften und mahnte zur Vorsicht gegenüber allen unwissenschaftlichen Darstellungen. Zum Schluß wiies er auf die Schwierigkeiten einer Übe (isfyer im HJeftfrieg nimmt öle fflfimßner ^ufitnd oud) (tim HJjeöecauffcau de* $cieden* tytt ausgeprägte Stellung unter den deutfrfjen lliufhlerten ^eltfdfrlften ein. 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