Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1920-02-13 · 7 (13.2.1920) · p. Seite 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
7 (13.2.1920)
Date
1920-02-13
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9102977-9140647--03344-9076169
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 7 Das Jüdische Echo 79 tung der bestehenden Institutionen als die für den wirtschaftlichen Neuaufbau des Landes bestimmten Gelder ausschließlich den entsprechenden Fonds der „Deutsch-holländischen Palästinaverwaltung“ und der „Agudas Jisroel“ zuzuführen, damit sie der Stärkung des religiösen Geistes im heiligen Lande zugute kommen. Palästina. Jüdisches Handwerk in Jerusalem. Das Bestreben, das jüdische Handwerk in Jerusalem auf kooperativer Grundlage zu reorganisieren, hat endlich zum Erfolg geführt. Kürzlich wurde in Jerusalem der erste jüdische Handwerkerverein gebildet, in dem etwa 100 jüdische Handwerker, Schneider und Schuhmacher, zu einer kooperativen Gruppe vereinigt sind. Die Versammlung beschloß ausser der Bildung des Vereins auch die Gründung einer Konsumverkaufsstelle, die den gesamten Bedarf der Mitglieder decken soll. Eine Kommission wurde beauftragt, alle Forderungen der Handwerker auszuarbeiten und sie in einem Memorandum der Regierung zu unterbreiten. Einwandererfürsorge. In den Hafenstädten Jaffa und Haifa sind Ausschlüsse eingesetzt worden, die die Einwanderer zu empfangen und ihnen in jeder Hinsicht zur Seite zu stehen haben. Die Ausschüsse sorgen für die erste Unterkunft der Neuangekommenen. erteilen allerhand Auskünfte über Geldwechsel, Arbeitsgelegenheit usw. Eine ausführliche Statistik soll dazu verwendet werden, den weiteren Transporten praktische Ratschläge machen zu können. Damit die Einwanderer nicht an den Valutaunterschieden zuviel verlieren, wird in Jaffa eine Darlehenskasse eingerichtet, die gegen Sicherheit in fremder Valuta zinslose; Darlehen den Einwanderern gewähren soll. Das Büro wird von den Einwanderern selbst unterhalten. Jeder zahlt mindestens einen Schilling monatlich. Unbemittelte sind befreit Medizinisches Auskunftsbüro. Der jüdische Ärzteverein in Jaffa eröffnet ein Büro, das sich zur Aufgabe stellt, den erwandernden oder bereits in Palästina tätigen Ärzten und Medizinern mit Auskünften in ihrem Gebiete zu dienen. . Die Teuerung in Jerusalem. Die Teuerung in Jerusalem nimmt immer bedrohlichere Formen an. Die Preissteigerung für Lebensmittel, beläuft sich auf 20—100%. Milch, Käse und Butter sind um 100% gestiegen, Weizen um 100%. Gemüse ist teils vom Markte verschwunden, teils nur zu einem hohen Preis erschwinglich. Auch! die aus Ägypten importierten Waren, wie Reis und Zucker, sind enorm gestiegen. Der Waad Hair von Jerusalem hat mehrere Schritte zur Bekämpfung der Teuerung unternommen. Mit Hilfe der englischen Militärbehörden ist es ihm gelungen, aus Ägypten größere Transporte von Lebensmitteln nach Jerusalem zu bringen, die direkt an die Verbraucher abgegeben werden. Alle diese Maßnahmen erweisen sich, jedoch als unzureichend. Haifa. Die hebräische Realschule macht erfreuliche Fortschritte. Aus Raummangel war man gezwungen, einige Klassen im Volkshause einzurichten. Wir hoffen allerdings, daß in nächster Zeit auch diie Lokalfrage geregelt werden wird. Der Schulleiter, Herr Dr. Biram, ist bestrebt, das Lehrprogramm dahin zu erweitern, daß auch der Unterricht in der Landwirtschaft an der Realschule erteilt wird. Die kürzlich im Volkshaus abgehaltene Elternversammlung bewies das lebhafte Interesse der hiesigen Bevölkerung für die Anstalt. Gegen Streiks wendet sich „Hapoel-Hazair“, weil diese nur zur Schwächung der wirtschaftlichen Position der Juden im Lande beitragen könnten. Der Artikel schlägt die Einführung von Schiedsgerichten vor, die aus Arbeitern und Unternehmern zusammengesetzt. Streitigkeiten beilegen und Grundsätze für Ärbeitsverträge aufstellen könnten. Eine Volksküche wurde in Haifa eröffnet. Aufforstung. Im Jahre 1918/19 wurden in Palästina 369 000 Bäume angepflanzt. Im laufenden Jahre sollen über eine Million Bäume angepflanzt werden. Bahnbauten. Die Eisenbahn zwischen Dschenin. Nablus und Haifa wird demnächst eröffnet werden. Deutschland. Keine Konzentrationslager? Die offiziöse „Norddeutsche Allgem. Zeitung“ schreibt am 12. Januar: „Durch verschiedene Blätter ging kürzlich die Nachricht, die preußische Regierung plane die Errichtung von Konzentrationslagern für Ausländer. An zuständiger Stelle wird uns erklärt, daß diese Frage sich noch im Anfangsstadium der Erwägungen befindet, und daß es nicht zutreffend sei, daß diese Lager schon sehr bald und in irgend einer bestimmten Form geschaffen würden. Das Staatsministerium hat sich mit dieser Angelegenheit noch nicht befaßt, doch wird darauf hingewiesen, daß alle Maßnahmen, die das preußische Ministerium des Innern bisher in der Ausländerfrage getroffen hat, auch der viel diskutierte Erlaß des Ministers Heine, durchaus im vollsten Einvernehmen mit der Reichsregierung erfolgt sind. Wenn nun in der polnischen Presse eine große Erregung darüber inszeniert wird, daß im „freien sozialistischen Deutschland und Preußen“ Ausländer in Konzentrationslager gesperrt werden sollen, so muß doch erklärt werden, daß gerade die polnische Regierung und die polnische Presse den geringsten Anlaß haben, sich über diesen Plan aufzuhalten, da wir aus rein menschlichen Gründen die zahlreichen unerwünschten Elemente, die aus dem Osten einwandern, nicht zwangsweise über die polnische Grenze zurückschieben können, weil sie dort wahrscheinlich totgeschlagen oder zwangsweise wieder an die deutsche Grenze befördert werden. Gerade die unmenschliche Politik Polens zwingt uns dazu, Leute in unserem Lande zu belassen, auch wenn sie uns unerwünscht sind. Diese Heuchelei der polnischen Presse sei hiermit festgestellt.“ Eine etwas deutlichere Erklärung wäre immerhin wünschenswert. Was soll das heißen, diese Frage befinde „sich noch im Anfangsstadium der Erwägungen“ und es sei nicht zutreffend, „daß diese Lager schon sehr bald und in irgendeiner bestimmten Form geschaffen würden? Also doch Konzentrationslager? Österreich. Jüdische Kunstpflege. In Wien wurde eine Gesellschaft zur Erforschung und Förderung jüdischer Musik ins Leben gerufen. Die neue Gesellschaft verfolgt ein rein wissenschaftliches Ziel, das der musikhistorischen Erforschung der vorliegenden Dokumente jüdischer Musik von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, und ein kulturelles, die Förderung lebender Künstler, die schaffend oder ausübend mit der Pflege jüdischer Musik beschäftigt sind, sowie von Korporationen mit gleichen Zielen. Litauen. Der Ausbau der nationalen Autonomie in Litauen. Die litauische Regierung verkündete ein Gesetz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.