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Das jüdische Echo · 1920-02-13 · 7 (13.2.1920) · p. Seite 77

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
7 (13.2.1920)
Date
1920-02-13
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 77 jüdischen Volkes zu repräsentieren, ruft sie die Gemeinden zur einträchtigen Mitarbeit auf, um die neuen .Geschicke des jüdischen Volkes im Lande der Väter vorzubereiten.“ Die Lage der .luden in Finnland. Einem Aufsatz des „Haolam“ entnehmen wir die folgenden Daten über die Juden in Finnland: Bis zum Jahre 1918 gab es in Finnland fast gar keine •Juden. Die wenigen, die sich dort aufhielten, waren ausnahmslos russische Untertanen, die alle Halbjahre zu erneuernde Aufenthaltsbewilligungen der finnischen Regierung hatten. Ihr Schicksal hing von dem Wohlwollen der Gouverneure ab, die nach ihrem Gutdünken die Bewilligungen erteilten oder ganze Familien plötzlich des Landes verwiesen. Irgendwelche politischen oder Bürgerrechte hatten die Juden damals nicht. Selbst auf dem Gebiete des Handels, der einzigen Beschäftigung. der die Juden nachgehen durften, waren ihre Rechte äußerst beschränkt. Die Freizügigkeit war ihnen nur in den drei Städten Helsingfors. Abo und Wiborg gegeben. Da jedochi im Sinne der schwedisch-norwegischen Gesetze Juden aus Rußland und anderen Ländern der Aufenthalt im Lande Verboten war, erreichte die Zahl der tolerierten Juden niemals eine bedeutende Höhe. Die natürliche Folge davon war, daß unter den in Finnland lebenden Juden jede soziale, politische oder wissenschaftliche Regung fehlte. Heute zählt man in Finnland rund tausend jüdische Seelen, darunter im ganzen bloß zwei Ärzte, zwei Ingenieure, einen Rechtsanwalt, einen Redakteur und einen Chemiker. An der Hochschule gibt es nicht mehr als zwölf jüdische Schüler und Schülerinnen. Das Bemerkenswerteste ist, daß hier noch keine jüdische politische Vereinigung oder Organisation besteht und es überhaupt kein jüdisches Proletariat gibt. Weltkonferenz des Misrachi In Amsterdam begann am Mittwoch, den 14. Januar 1920 die Weltkonferenz des Misrachi in Gegenwart von 38 Delegierten, die folgende Länder vertraten: Amerika, Belgien. England^ Frankreich. Deutschland, Holland,- Palästina. Pollen, Schweiz und Südafrika. Nach Eröffnung der Tagung durch Hermann Struck und der Wahl des Präsidiums sprach Rabbiner Fischmann über die Lage des Mjisracbi in Palästina. Es referierte Rabbiner Dr. Schönfeld über die politische Lage. Dr. Hantke über die Notwendigkeit eines stark differenzierten Zionismus, dann Hermann Struck über die Lage des Misrachi in Deutschland, Meyer-Berlin über Amerika (30 000 — 35 000 Mitglieder), de Vries (Holland), ferner über England, Belgien und Frankreich. Es wurden u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: I. Politische Resolutionen. Die Misrachi-Weltkonferenz spricht den politischen Führern der Zionistischen Organisation ihren liefen Dank aus für ihre unermüdlichen und erfolggekrönten politischen Bemühungen und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sie in naher Zukunft die diesbezüglichen Verhandlungen zum gewünschten Resultate führen werden. * Der Anspruch des jüdischen Volkes auf Erez- Israel beruht auf den göttlichen Verheißungen der Heiligen Schrift Nie ist aus dem Bewußtsein des Volkes das Vertrauen auf dieses historische Recht geschwunden. Deshalb fordert die Misrachi-Weltkonferenz, daß von Erezdsrael bei der Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk die Grenzen im Sinne der Verheißungen der Heiligen Schrift festgestellt werden. * Die Misrachi-Weltkonferenz verlangt, daß der in den Proposals vorgeschlagene „Jewish Concil“ so definiert werde, daß möglichst alle großen jüdischen Organisationen die sich am Aufbau Erez- Israelis als jüdisch-nationalem Heim beteiligen wollen, dem Jewish Concil beitreten können. * Die Misrachi-Weltkonferenz spricht den dringlichsten Wunsch aus. daß in den Vorschlägen, diedie Zionistische Organisation der Friedenskonferenz vorlegt, gefordert werde: 1. daß das Zivilgerichtsverfahren zwischen Jik den und Juden in Ere<z-Israel auf dem Boden des jüdischen Zivilgesetzeis stehen soll; 2. daß das jüdische Ehegesetz in offizieller Weise als das einzige Ehegesetz für die Juden in Erez-Israel anerkannt werde: 3. daß der Sabbat als der gesetzliche Ruhetag in Erez-Israel eingesetzt werde. * Die Misrachi-Weltkonferenz fordert, daß bei der Organisation des allgemeinen sozialen Lebens in Palästina die Verwirklichung der Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit berücksichtigt werde. Das Auftreiben der Preise für das Ankäufen von Ländereien und die Ausbeute der Arbeiter ist gemäß dem Thoragesetze zu verhindern. Die Leitung und die Mitglieder des Misrachi werden verpflichtet, in ausgedehnter, energischer Tätigkeit für den jüdischen Nationalfonds die Gelder zum Erwerb des Landes aufzubringen. II. Resolutionen über Erziehungswesen. Der gegenwärtige Zustand des unter dem „Waad Hachinuch“ stehenden Erziehungswesens in Erez- Israel genügt den Anforderungen des traditionellen Judentums in keiner Weise. Im Hinblick auf die religiösen Grundlagen unserer Weltanschauung, auf denen unser Erziehungswesen aufzubauen ist. ersuchen wir die Leitung der zionistischen Organisation, den Beschluß der Londoner Konferenz auf Schaffung zweier von einander unabhängigen Waadim für das Erziehungswesen in Erez-Israel innerhalb zweier Monate durchzuführen. Sollte die Leitung der zionistischen Organisation die Ausführung des Londoner Beschlusses ungerechter Weise abtehnen, so werden wir die Führung in dem gesamten gesetzestreuen Erziehungswesen in Erez-Israel unabhängig von den gegenwärtigen zionistischen Erziehungsorganen in die Hand nehmen. Diese Regelung hat Dauer bis zur Entscheidung der Frage durch die jüdische Gesamtvertretung Erez-Israels. * Die Mlisrachi-Weitkonferenz ist von der Überzeugung durchdrungen, daß die Gründung einer Hochschule für jüdische Wissenschaft sehr viel dazu beitragen wird, das national-religiöse Judentum in Palästina zu stärken und zu heben. Sie beauftragt daher die Zentralleitung. cfie Vorbereitungsarbeit sofort in Angriff zu nehmen, um möglichst bald diese Hochschule eröffnen zu Können. * Die Welt-Konferenz des Misrachi spricht ihre große Freude darüber aus, daß die Errichtung einer hebräischen Universität in Jerusafem von

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