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Das jüdische Echo · 1920-02-13 · 7 (13.2.1920) · p. Seite 76

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
7 (13.2.1920)
Date
1920-02-13
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Das Jüdische Echo Nr. 7 der Notwendigkeit nicht verschließen, nationale jüdische Volkspolitik zu treiben und es hat genügend Einsicht besessen, seine Mitwirkung an der Stelle zu gewähren, wo diese Politik heute zielbewußt und erfolgreich geführt wird. Wir begrüßen den Schritt des Board of Deputies und hoffen, daß er für die nationale Arbeit, die heute in Paris zu leisten ist, bedeutungsvoll werden möge. Weizmann über die Lage Das Bureau der zionistischen Organisation ineldet: Professor Weizmann hat am 7. Januar vor dem Aktionskomitee Bericht erstattet, der eigentlich für die geplante Jahreskonferenz in Basel bestimmt war. Weizmann erklärte, daß der Weg für große Arbeit in Palästina jetzt offen sei. Die Verwaltungsbehörden in Palästina sind jetzt der Ansicht, daß sie gemeinsam mit der zionistischen Organisation für die künftige Entwicklung des Landes arbeiten müssen und sind auch dazu bereit. Das Land wurde von englischen Experten erforscht die, mit der von Weizmann vor der Friedenskonferenz vorgebrachten Meinung übereinstimmen, daß Palästina noch eine Bevölkerung von einigen Millionen fassen könne, ohne daß die jetzigen Bewohner irgendwie benachteiligt würden, insofern die allerletzten wissenschaftlichen Methoden für die Entwicklung angewendet werden. Der Jude ist mit der Landwirtschaft gut vertraut und das Gruppensystem der Arbeit ist in den jüdischen Kolonien mit großem Erfolge eingeführt. Die jüdischen Kolonisten leisten ausgezeichnete Arbeit und die Kolonien sind Burgen der hebräischen Sprache. Bedeutende Verbesserungen seien jedoch nötig. Die früheren Kolonisationsmethoden sind veraltet. Die jüdische Bodenpolitik muß auf das System der Nationalisierung aufgebaut werden. Die zionistischen Schulen in Palästina werden jetzt von zirka 3000 jüdischen Schülern besucht, die gute Fortschritte machen. Trotzdem sei noch eine größere Anzahl von Schulen nötig und das zukünftige Budget müsse für diesen Zweck reichliche Summen bereitstellen. Weizmann berichtete auch über seine mit den Resultaten unabhängiger Experten verglichenen Studien über die baldigen praktischen Möglichkeiten in Palästina. Sie alle sind überzeugt, daß man im Laufe des Jahres zirka 30 000 Juden in Palästina ansiedeln könne. Solange nicht genügend Häuser vorhanden sind, kann jedoch von einer Massen-Immigration nicht die Rede Sein. Zum Schlüsse erklärte Weizmann. daß die in Palästina gewonnenen Eindrücke ihn überzeugt hätten, daß die englische Regierung fest entschlossen sei. ihre in der Balfour-Deklaration gemachten Versprechen einzuhalten, und daß noch unsere Generation Palästina wieder als blühendes Land erblicken wird. Jüdisches Leben im Ausland Vom jüdischen Leben in Japan. Ein jüdischer Kaufmann aus Japan, der Yokahama Ende Oktober v. J. verlassen hat, gab dem Herausgeber der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ folgende Einzelheiten über das Leben der Juden in Japan: Vor mehreren Monaten hat sich zur Regelung des großen jüdischen Emigrationsstromes, der seit Beginn des Bolschewistenregimes ununterbrochen aus Rußland via Japan nach Amerika flutet, in Tokio das „American Emigration Jewish Relief Comitee“ gebildet, das sich aus amerikanischen und einheimischen japanischen Juden zusammensetzt. Zweimal wöchentlich passieren einige hundert jüdische Emigranten aus Wladiwostok kommend die Hauptstadt Japans, wo sie von dem genannten Komitee koscher verpflegt und mit dem Nötigsten versehen werden. Bis zu ihrer Weiterreise nimmt sich das Komitee dieser Emigranten in jeder Hinsicht an. Die japanischen Juden gewähren ihren bedrängten jüdischen Brüdern reichliche materielle Hilfe und stehen ihnen, falls sie eine neue Existenz in Japan gründen wollen, mit Rat und Tat zur Seite. Allerdings sind die guten Zeiten für die russisch-jüdische Geschäftswelt in Japan, seitdem der Handel in Rußland lahmgelegt ist. vorbei. Die während des Krieges eingewanderten russischen Juden, die den Handel! Japans mit ihrem Heimatlande lebhaft gefördert und ausgebaut haben, sind alle zu großem Wohlstand gelangt. Viele aber wandern jetzt, da sie keine r Handelsmöglichkeiten mehr mit Rußland haben, nach Amerika aus, um sich dort dein japanischamerikanischen Handel zu widmen. So bringt der jüdische Geschäftsgeist die Handelsbeziehungen zwischen Rußland, Japan und Amerika zu neuer Erstarkung. Als die ersten Pioniere jüdischer Niederlassung in Japan können neben dem bekannten Port Arthurer Philantropen Ginsburg die Herren Kirschbaum aus Riga und Mr. Rüssel genannt werden, die den Grundstein zu einer jüdischen Gemeinschaft legten. Heute besitzt die Gemeinde bereits einen Schochet und im Hause des Emigrations- Komitees an der Mainstreet besteht ein Betsaal, der als Synagoge eingerichtet ist. Der Bau einer Synagoge ist geplant. In Ermangelung anderer Schulen mußten die jüdischen Kinder bisher in die Missionsschule (!) geschickt werden; hierin wurde nun Wandel geschaffen, indem man jüdische Schulen errichtete, die gut besucht sind. Von den Juden, die während des Krieges nach Japan kamen, sind die meisten Zionisten. Während der Chanukkah-Tage vorigen Jahres wurde ein jüdischer Ball veranstaltet und die häufig stattfindenden Wohltätigkeits-Konzerte und jüdisch-lliterarischen Kurse zeugen vom jüdischen Kulturleben in Tokio. Der Zionismus in Italien. Der zionistische Gedanke macht in Italien stetige Fortschritte. Bei den jüngst abgehaltenen Wahlen in dlie Florenzer Kultusgemeinde errang die zionistische Liste einen durchschlag enden Erfolg. Von der bisherigen Kultusgemeindevertretung gingen bloß drei Mitglieder aus der Wahl hervor. Ihre Demission wurde nicht angenommen, vielmehr wurden sie aufgefordert, durch ihr Verbleiben in der Gemeinde dem Grundsatz der Minoritätsvertretung Rechnung zu tragen, damit auf diese Weise in einem für die jüdischen Geschicke derart wichtigen Zeitpunkt die Einigkeit der jüdischen Arbeit zur Geltung komme. Es wurde der Beschluß gefaßt. die Sitzungen der Gemeindevertretung für öffentlich zu erklären und an Sitzungstagen sowie an jüdischen und italienischen Festen neben der italienischen die jüdische Fahne am Kul.tusgcmeindehause zu hissen. Die neue Gemeindevertretung von Florenz hat an alle jüdischen Gemeinden Italiens das folgende Telegramm gerichtet: „Die jüdische Gemeinde von Florenz sendet durch ihre neue Vertretung den Schwestergemeinden ihren Gruß. Indem sie als Aufgabe der Gemeinde erkennt, die Einheit „des geschichtlichen Ideals des

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