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Das jüdische Echo · 1920-02-06 · 6 (6.2.1920) · p. Seite 68

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
6 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 68 (sequence 8)
Language
German
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68 Das Jüdische Echo Nr. 6 Zurücknahme dieses Briefes. Gestern fand eine Studentenversammlung statt, in der dieses Verlangen des Rektors vom Studentenausschuß der Studentenschaft vorgelegt wurde. Diese beschloß, daß der an Dr. Mayer gerichtete Brief nicht zurückgenommen werde, da er die Überzeugung der Studentenschaft ausdrücke. Antisemitische Witzeleien von Amts wegen. Auf einen Antrag auf Namensänderung, den ein Rechtsanwalt für seinen Klienten bei der Regierung in Potsdam gestellt hatte, ist ihm vom Polizeipräsidenten Schöneberg nachstehender Bescheid unter Tagebuchnummer Ia A 25/19 zugestellt worden: Namens des Herrn Regierungspräsidenten aus Potsdam benachrichtige ich Sie ergebenst, daß dem Nainensänderungsantrage für Abrahamsohn nicht hat Folge gegeben werden können, weil ein triftiger Grund für die Namensänderung nicht vorliegt. Falls der Gesuchsteller jedoch durch seinen Namen A. etwa Spötteleien ausgesetzt sein sollte, so würde der Herr Regierungspräsident nach den bestehenden Bestimmungen in der Lage sein, einem Anträge auf Namensänderung näher zu treten, ln diesem Falle würde er bereit sein, die Genehmigung für einen anderen Namen wie z. B. Rosenfeld, Morgenthau, Hirsch, Fuchs usw. zu erteilen. Rein christliche Namen wie Schmidt würden dagegen nicht in Frage kommen. Die eingereichte Geburtsurkunde erfolgt anbei zurück.“ Die „Jüdische Rundschau“ bemerkt zu dieser Meldung der „Welt am Montag“: „Wir sind sehr damit einverstanden und begrüßen es, wenn die Versuche durch Namensänderung die verhaßte jüdische Abkunft zu verbergen, bei den Behörden keine Unterstützung findet. Die von dem Schöneberger Polizeipräsidenten versuchten Witzeleien stehen ihm jedoch nicht zu und müssen scharf zurückgewiesen werden. Herrn Abrahamsohn ist der Bescheid freilich zu gönnen!“ Kleine Anfragen an die Regierung. Der deutschnationale Abgeordnete Mumm hat folgende kleine Anfrage an die Regierung gerichtet: „Es mehren sich die Nachrichten über Änderung der Namen jüdischer Familien und Annahme deutscher Familiennamen. Es liegt ein hohes öffentliches Interesse an der Ständigkeit der Namen. Aus welchen Gründen gestatten die Länder heute solche Namensänderungen? Ist für Preußen von der Verordnung vom 3. November 1919 wirksame Abhilfe der Mißstände zu erwarten?“ — Die Wohnungsnot in den preußischen Städten infolge der Niederlassung von Ausländern — Anfrage des Abgeordneten Dr. Jordan (Dem.) — gibt die Regierung zu. Es werden Vorkehrungen getroffen, die ungehemmte Zuwanderung zu verhindern. Ferner müssen für einen Teil der Ausländer Fremdenkolonien eingerichtet werden, bis ihre Abschiebung erfolgen kann. Feuilleton Aus meinem Skizzenbuch (Jüdische Anatomie) 2. Der jüdische Magen. *) Der Tempel entleerte sich. Die Lichter starben und die Besucher stolperten die Stufen hinab. Eine Zeit lang stießen sich die Menschen vor dem dunklen Bau, bis sie langsam sich verliefen. Ich bog in das Lichtmeer der Neuhauserstraße ein. Irgend eine Melodie klang in mir nach. Ich suchte sie und fand sic nicht. Stumpf, wie eine Maschine bewegte ich mich in dem Gedränge, wunschlos, ziellos. Eine bekannte Stimme schlug mir förmlich ins Gesicht. „Du träumst wohl? Ich rufe Dich schon eine Viertelstunde.“ „Ach entschuldige. Aber ich war gerade in Gedanken.“ „Macht nichts,“ meinte gutmütig mein Freund Löwenberg, das dicke immer freundliche Kerlchen, als den ihn viele in M. kennen. „Aber Mensch, künde mir, woher Du kommst und wohin Du gehst?“ Wohin ich gehe? Muß der Mensch immer wissen, wohin er geht? Aber wo ich war, konnte ich ihm ruhig erzählen. „Großartig“, brüllte Karlchen, „das ist ja famos. Du bist ein Dummkopf. Schabbes ist heute und Du weißt nicht, wohin man gehen soll. Du bist doch ein halber Goj.“ „Wieso. I c h war doch in der Synagoge“ und er — weiß der Himmel! Aber er spricht ruhig weiter. „Eigentlich muß ich ins Pschorrbräu. Gut, daß Du mir sagst, daß es Schabbes ist. Und nun wollen wir nach dem Wort der Bibel marschieren.“ „Das heißt, daß ich nach links abbiegen soll und Du nach rechts.“ „Aber nein. Ich meine die Geschichte mit der Ruth, das heißt wir zwei gemeinsam. Viribus unitis, wie die Österreicher sagten. Also avanti!“ Wir verloren uns aus der breiten Neuhauserstraße, stolperten über ein holpriges Pflaster an der Seite des dunklen Augustinerstockes vorbei durch ein zwei enge Gassen, bis wir am Ziel waren. „Ich habe die richtige Fährte“, belehrte mich Karlchen. „Es riecht famos.“ Sein Humor wuchs. ) 1. „Das jüdische Herz“ siehe Nr. 50/1919. 3ttüncf?ner 3teueffe 3lad?n'dMen ©röjjte, tagt 2mat erfdjeinenbe 3eitung ©üb* unb 37?ittetbeut,<fy* lanbS. ftauffräftiger £eferfreiS unb über©eutfcplanbö (Trensen hinaus* gefjenbe Verbreitung. ©rofjer lauf* männ. u. getucrM. ©tellenmarft Uber V, Slnerfannt fefjr erfolgreich für Sinnigen aller Sfrt. Slnjeigen* prete unb 3lad)fafj nach Sarif. SeaugSprciS monatt 4.50 bei alten beutfdjen pojTanjfalten 3Jtitnon £efer ■> £

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