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Das jüdische Echo · 1920-02-06 · 6 (6.2.1920) · p. Seite 67

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
6 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 67 Ausnahmegesetze gegen die Juden ohne weiteres annehmen. Man beginnt zu vergessen, daß nicht der Geist des Judentums, sondern der Geist des Materialismus, der in christlichen wie in jüdischen Kreisen in den letzten Jahrzehnten, namentlich aber durch den Krieg, außerordentlich an Boden gewonnen hat, uns in den Abgrund treibt. Die Juden müssen daher mit aller Energie gegen diejenigen Elemente ihrer Rasse Vorgehen, die Anlaß zu berechtigter Kritik und zu dieser Kritik unweigerlich folgenden, wenn auch unberechtigten Verallgemeinerungen geben. Im Judentum selbst muß ein einheitlich geleiteter Kampf gegen den Materialismus und seine Äusserungen geführt werden.“ Auf eine einschaltende Frage, wie er die brutalen Formen der gegenwärtigen Judenhetze in Deutschland beurteile, antwortete Major Endres: „Sie sind eine nervöse Folgeerscheinung der Kriegs- und Revolutionsstimmung. Sie verletzen den guten Geschmack und verringern unsere Kulturvaluta im Ausland. Man kann scharfer Feind des Judentums sein und braucht sich deshalb doch nicht inhuman d. h. kulturlos zu benehmen.“ Major Endres ging dann auf die Frage der Ostjuden über, die er als ein technisch außerordentlich schwieriges Problem bezeichnete. „Die Gefahr der ostjüdischen Masseneinwanderung“, führte er aus, „ist in der Lage, die Formen des deutschen Antisemitismus noch gewaltig zu verschärfen. Selbst zweifellos humane und vornehm denkende Persönlichkeiten wie der preußische Minister des Innern Heine, sind in größter Verlegenheit. Wir können unserem verarmten, noch lange nicht politisch beruhigten Land unmöglich zumuten, große Massen mittelloser Einwanderer jetzt nach dem Kriege aufzunehmen, auch wenn ihre politisch unerwünschten Teile ausgesiebt werden. Andererseits ist es wohl unmöglich, die schon Eingewanderten, wie das erwogen wird, in Konzentrationslagern zu vereinigen. Selbst eine vorbildlich gute Behandlung in diesen Lagern würde im Ausland uns nicht geglaubt werden. Es haftet zu viel Erinnerung an dem Begriff, von Buren und Armeniern her. Die Leute wären auch kaum produktiv zu beschäftigen. Sehr bedeutungsvoll halte ich die Einberufung einer Internationalen Auswanderungskonferenz, deren Grundlagen in der Jüdischen Rundschau Nr. 2/1920 niedergelegt sind. Ich halte es außerdem aber für notwendig, da an eine Masseneinwanderung in Palästina vorläufig noch nicht zu denken ist, daß von England den Ostjuden in irgend einer seiner zahlreichen Kolonien Siedelungsland im großen Maßstab gegeben wird. Ich glaube, daß England das tun wird, wenn ihm der Gedanke vernünftig auseinandergesetzt wird. Ich selbst glaube an die Möglichkeit großer jüdischer Agrarkolonien und glaube, daß bewußt jüdisches Leben in Freiheit und Arbeit das wirksamste Mittel gegen jüdischen Materialismus ist. Es handelt sich also nur darum, die Ostjudenwanderung zu organisieren, ihr ein territoriales Ziel da zu geben, wo wirtschaftlich Platz ist und dort sofort mit dem ethischen Aufbau der durch Jahrhunderte geknechteten Seelen zu beginnen. Mit ein wenig Menschenliebe bei allen beteiligten Stellen ist das gar nicht schwer und desto leichter, je früher und klarer man die Frage als tatsächliches Problem ansieht und sich zu ihrer Lösung entschließt. Äntisemitica Antisemitismus in der U. S. P.! Einem Bericht des „Vorwärts“ zufolge sollte der Mehrheitssozialist Heilmann in Lichtenberg in einer Versammlung über „Demokratie oder Räterepublik“ sprechen. Er konnte jedoch nicht zu Wort kommen, weil die anwesenden Unabhängigen durch Schreien und Singen das Abhalten der Versammlung unmöglich machten. Für uns ist an dieser Sache interessant, daß man Heilmann durch den Ruf „Raus mit dem Juden Itzig“ zum Verlassen des Saales zwingen wollte. Anders als die angeblich verjudeten Unabhängigen können es Antisemiten auch nicht treiben! Antisemitismus an der Karlsruher Hochschule. Die „Badische Landeszeitung“ berichtet über die antisemitischen Treibereien an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Der Studentenausschuß an der Technischen Hochschule hat an den Direktor Max Mayer in Berlin ein Schreiben gerichtet, daß sein Erscheinen an der Hochschule als Semit unerwünscht sei und daß, falls er der Berufung dennoch Folge leisten würde, er die Folgen tragen müsse. Dr. Mayer übergab diesen Brief dem Rektor und Senat. Der Rektor Professor Paulke verlangte vom Studentenausschuß die T?auThallmcner München ThßatinßvÜr.tö. Glaser

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