Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 6 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 69 „Berches und polnische Fische“, rief er befehlend dem Kellner in dem Restaurant zu, das wir betraten. „Schalent“, erklärte er mir, wobei er trotz des Fisches immerwährend redete, „Schalent ist wirklich eine Götterspeise. Man reklamiert Heine mit Recht als Juden. Er war ein guter Psychologe, ein gottbegnadeter Sänger. Ein verdammt gescheiter Bursche. Du kennst doch jene Stelle Man sagt viel von einem jüdischen Kopp. Na meinetwegen. Aber bei mir liegt es wo anders. Du gehst da in den Tempel und läufst in alle Kurse. Na reg Dich nicht auf! Das ist nun einmal Dein Vogel. Aber siehst Du, bei miir sitzt das Judentum auch nicht nur in den schwarzen Haaren. Nein, bei mir sitzt es tiefer. Fühl her, hier im Magen. Und nun lachst Du, wenn ich mit Dir ganz ernst spreche. Du hast eben kein Verständnis für die Imponderabilien eines Volksgefühles. Gut, lassen wir es. Aber den Appetit kannst Du einem fast verderben mit dem albernen Gemecker.“ Ein paar Minuten wurde es im Saal ganz still. Nur ein Teller klirrte und ein Messer oder eine Gabel klang, als ob ein Wesen kichere. So wie Nixen in Geschichtsbüchern zu kichern pflegen. Felix A. Theilhaber. Gemeindenu. Vereins-Echo Im Gesamtausschuß der Ostjuden in München spricht am Samstag, den 7. Februar D r. J s r a e 1 Taubes über Die Lage in München unter Berücksichtigung der letzten Angriffe in der Presse. Näheres siehe Inserat in dieser Nummer. In Anbetracht der zu fassenden wichtigen Beschlüsse ist vollzähliges Erscheinen der Mitglieder Pflicht. Ausschuß der nationaljüdischen Jugend Münchens. Samstag, den 7. Februar abends 8 Uhr erster „Jungjüdischer Abend“; ab 12. Februar hält Dr. R. Straus jeden Donnerstag einen Geschichtskurs ab. Beginn präzis 8 Uhr. Sämtliche Veranstaltungen finden in den Räumen der V. J. St. „ J o r d a n i a “, Bayerstr. 67/69 Rg. statt. Jüd. Turnver. „Bar Kochba“, Jiid. Wanderbund „Blau-Weiß“, Verein Bne-Jehuda, Haschachar, Verbindung Jüd. Studenten „Jordania“, Verbindung Jüd. Studentinnen „Kadimah“. Palästina- und Hebräisch. Kurs. Die Kurse des Herrn Dipl.-Ing. Avigdor fallen diese Woche infolge Abwesenheit des Kursleiters aus. Wiederbeginn wird noch bekannt gegeben. Jüd. Wanderbund Blau-Weiß München. Sonntag, am 8. Februar, 1. Zug 3,30 Uhr Ostfriedhof, Billet nach Grünwald Mk. 1.50, 2. Zug 8,30 Uhr Feilitzschstr. Mk. —.50, 3. Zug 8.30 Uhr Giesinger Bhf. Mk. —.50, 5. Zug 8,30 Uhr Giesinger Bhf. ins Heim: 1. Gruppe 9 Uhr Stachus, Billet nach Pasing L. 29 Mk. —.50, 2. Gruppe 9 Uhr Endp. der Linie 26 Thalkirchen Mk. —.60, 3. Gruppe 9 Uhr Waldfriedhof Mk. 1.50, 4. Gruppe 9 Uhr Hofgartentor (zum Spielen) Mk. —.05. Bibliothekstunde Mittwoch'6 Uhr Bayerstr. 67/69. Laupheim. Am 27. Jan. sprach Herr Karl Glaser im Bahnhofhotel vor der hiesigen jüdischen Jugend über das Thema: „Die Aufgaben der jüdischen Jugend“. In seinen fast zweistündigen Ausführungen charakterisierte der Redner in außerordentlich klarer und eindeutiger Weise die Lage der heutigen Judenheit und wies auf die Konsequenzen hin, die sich hieraus insbesondere für die jüdische Jugend^ ergeben. Zum Schluß faßte der Redner seine Forderungen in „positiver Arbeit für positives Judentum“ zusammen und formulierte dieses mit den Worten: „Jüdische Jugend, werde endlich Du selbst, lebe endlich Dein eigenes Leben!“ — Bezeichnend für den heute in weiten Kreisen herrschenden Geist war der Zwischenruf eines Zuhörers, der den Referenten um etwas mehr Zurückhaltung und Rücksicht (!) auf die im Saale anwesende christliche Bedienung bat. Das ist typisch für die Ideologie so vieler deutscher Juden, die vielleicht gerne etwas jüdischer leben möchten, wenn sie nur nicht so sehr von allzu großer Rücksichtnahme auf Dritte in Anspruch genommen wären und dabei ganz vergessen, daß sie selbst auch einmal eine jüdische Seele gehabt haben. — Nicht unerwähnt bleibe hierbei auch die verwerfliche Taktik, mit der etliche Herren der hiesigen jüdischen Gemeinde gegen die Veranstaltung dieses Vortrages vorgingen, indem die beiden jüdischen Wirte Laupheiins mit Boykott bedroht wurden, sofern sie es wagen sollten, ihre Lokalitäten für den zionistischen Vortrag zur Verfügung zu stellen. Auch das Gemeindezimmer, das uns zuerst von einem gerecht denkenden Herrn Kirchenvorsteher zugesagt war, wurde uns wieder abgetrieben, nachdem drei weniger „loyal“ denkende Herren Kirchenvorsteher gegen die Hergabe des Gemeindezimmers schärfsten Protest eingelegt hatten — selbstverständlich zum großen Teil ohne Mitwissen der Gemeindemitglieder. Hierüber ließe sich noch manches sagen. Mit solchen Mitteln kämpfen jüdische Deutsche (alias: deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens) gegen ihre eigenen „Glaubensbrüder“ — ein Jahr nach dem großen Völkermorden. Macht geht eben leider vor Recht. In diesem Zusammenhang möchte ich noch bemerken, daß mir vor kurzem von einem Herrn der hiesigen jüdischen Gemeinde im Verlauf einer sachlichen Aussprache damit gedroht wurde, daß mein Name in die jüdische Öffentlichkeit (selbstverständlich mit dem hierzu gehörigen Kommentar) getragen werden solle, w’enn ich es wagen (!) würde, zionistische Vorträge in Laupheim zu veranstalten und dadurch (!) „Unruhe“ in das friedliche Gemeindeleben hereinzubringen. Allen diesen Herren, die so denken sollten, komme ich hiermit entgegen, indem ich ihre ganz und gar unsachliche Kampfesweise vor das Forum der jüdischen Öffentlichkeit trage und auch derselben getrost die Feststellung überlasse, wer von uns sich in Wirklichkeit geradezu an den Pranger drängt. Joseph T r e i t c 1. Spendenausweis Münchener Spendenausweis. Nationalfonds: Sam. Notowicz u. Frau grat. herzl. z. Verlob. Tuchmann-Puderbeutel, zur Hochzeit Mahler-Fleischer u. nachtr. z. Verlob. Tennenbaum-Ertischek 20.—; z. Vermähl. Mahler- Fleischer grat. herzl. Farn. A. Strumpf 2.—, Paul und Fanny. Grünbaum 3.—; Meta Moch 3.—; z- Hochzeit Teitel-Hecht u. Fleischer-Mahler, z. Verlob. Tuchmann-Puderbeutel grat. herzl. Frau Rosa Buchasteir 6.—; Adolf Handzel 2.—; Berger,