Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 6 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Das Jüdische Echo Nr. 6 II. Besonders erforderlich sind Sonder-Veranstaltungen zur Propagierung des N. F. III. Die Anwesenden verpflichten sich, die Einziehung der Zionistensteuer in ihren Ortsgruppen sofort energisch zu betreiben. IV. Die Tagung des zionistischen Gruppen-Verbandes Bayern-Württemberg bedauert lebhaft die Haltung des Z.-V. München, der die angestrebte Einheitsfront gegen die antisemitische Hetze unmöglich gemacht hat. Infolge dieser Haltung und angesichts der völlig ungeeigneten und unwirksamen Z.-V.-Arbeit gegen den Antisemitismus erklärt der Gruppen-Verband eine intensive Aufklärungsarbeit gegen den Antisemitismus von zionistischer Seite für unerläßlich. Daneben ist die jüdische Öffentlichkeit energisch über den Antisemitismus und die Ursachen aufzuklären, aus denen die Bekämpfung desselben im Geiste der Assimilation erfolglos bleibt. ♦ An den Gruppenverbandstag schloß eine sehr gut besuchte Ostjudenversammlung an, in der die Herren Jakob Reich, R.-A. Stern, Dr. Rosenfeld, Dr. Würzburger und Glaser Ansprachen hielten. Es handelt sich um Schaffung einer in Stuttgart besonders wichtigen Ostjudenorganisation nach dem Muster der von Herrn Reich in München geschaffenen und geleiteten. Die allgemeine Stimmung nach den Reden der Referenten ging dahin, möglichst bald eine derartige Organisation zustande zu bringen. Eine größere Anzahl von Anmeldungen zu dem zu schaffenden Verband fanden nach Schluß der Versammlung statt. Nach der Versammlung waren die Delegierten mit Stuttgarter Ortsgruppenmitgliedern bis in die späte Nacht zusammen. Die Unterhaltung drehte sich vor allem um die Arbeit der Stuttgarter Ortsgruppe. — Man darf hoffen, daß der Stuttgarter Gruppenverbandstag die Einleitung einer fruchtbaren zionistischen Arbeit in Bayern und Württemberg sein wird. * Am Mittwoch, den 28. Januar fand in Stuttgart eine Versammlung des Berthold Auerbach-Vereins statt, auf der Herr Dr. Lange-Essen über „Das wahre Gesicht des Antisemitismus“ referierte. Herr Dr. Lange tadelte aufs schärfste, daß die Einberufer die Versammlung nicht als eine öffentliche veranstaltet hätten: er wäre, hätte er gewußt, daß eine interne Veranstaltung geplant sei, nicht gekommen. Er wandte sich im Verlauf des Abends mehrfach gegen Leisetreterei, Feigheit Andersgläubigen gegenüber, Kastengeist und ähnliche Eigenschaften, die, wie wir bemerken möchten, in Stuttgart nicht gerade selten sind. Er brach auch — das soll ihm unvergessen bleiben — eine Lanze für die Ostjuden, die man sonst in liberalen Kreisen nur ungern verteidigt. Der Inhalt seines Referates, das eigentlich aber für eine öffentliche Versammlung bestimmt war, wirkte naturgemäß in jüdischen Kreisen recht schwach: muß man Juden das Niederträchtige und Widerwärtige antisemitischer Lügen erst nachweisen? Zur Diskussion wäre es nicht gekommen, wenn nicht die Herren Lichtinger und Glaser vom zionistischen Standpunkt aus zur Frage des Antisemitismus gesprochen hätten. Herr Lichtinger behandelte vor allem die Haltung der Westjuden, auch offizieller Gemeindekreise den Ostjuden gegenüber. Er brachte einige Fälle vor, die, wenn sie zutreffen sollten, empörend wären. Herr Glaser sprach zur prinzipiellen Seite der Angelegenheit. Der Beifall nach beiden zionistischen Rednern war sehr stark. Das Schlußwort des Herrn Dr. Lange brachte die üblichen Anschuldigungen der Assimilanten gegen den Zionismus und seine Politik — freilich mit' etwas mehr Takt, als man es sonst gewohnt ist. Eine öffentliche Versammlung über die Frage des Antisemitismus ist, darüber herrscht wohl in weiten- Stuttgarter Kreisen Einigkeit, unbedingt notwendig. Die A.»C."Sitzung einberufen London, 22. Januar 1920. (Eigene Drahtmeld.) Das Engere Aktionskomitee hat die bereits angekündigte Sitzung des Großen Aktionskomitees auf den 10. Februar 1920 nach London einberufen. (Wie erinnerlich, wurde die Jahreskonferenz mit Rücksicht auf die bevorstehenden Mandatsverhandlungen und die Unmöglichkeit für verschiedene Landesverbände, Delegierte zu senden, auf unbestimmte Zeit verschoben und gleichzeitig die baldige Anberaumung einer Sitzung des Großen A.-C. angekündigt.) Major Franz Carl Endres über die Judenfrage in Deutschland Schriftsteller Franz Carl Endres hatte die Freundlichkeit, dem Vertreter der „Zürich. Pressezentrale“ T. seine Ansichten über den augenblicklichen Stand der Judenfrage in Deutschland zu äußern. Dem Londoner „J. Expreß“ entnehmen wir folgende Stellen. „Wir müssen,“ sagte Major Endres, „die Judenfrage heute in die allgemeine Frage des Antisemitismus und in die besondere Frage der ostjüdischen Einwanderung teilen. Der Judenhaß ist wie in früheren Jahrhunderten durch Seuchen, deren absichtliche Erregung man den Juden andichtete, so heute durch die wirtschaftliche Not in Deutschland sehr groß geworden. Von antisemitischer Seite wird den Juden die Schuld an allem aufgehalst, am Kriege selbt, am Verlust des Krieges, an der Revolution und an dem gegenwärtigem Elend. Der Wunsch, Ursachen für den nie für möglich gehaltenen Zusammenbruch zu finden, ist die psychologische Ursache, warum weite Kreise des Volkes geschickt und ungeschickt geführten Anklagen gegen das Judentum glauben. Dazu kommt, daß eine augenblicklich sehr starke, reaktionäre Strömung Deutschlands den ausgesprochenen Kampf gegen das Judentum auf ihre Fahne geschrieben hat. Militärische Drückebergerei, politische Verführung der Massen, unerträgliche Schieberei und Wucherei und sonstige Handlungen minderwertigen Menschentums, in denen Juden Akteure waren, werden nicht als Einzeltaten verachtungswürdiger Individuen bewertet und verurteilt, sondern kurzerhand als „der jüdische Geist“ bezeichnet. Die Antisemiten und weite Kreise, die der mit großen Geldmitteln arbeitenden antisemitischen Propaganda erliegen, sprechen heute von der jüdischen Gefahr für Deutschland und würden