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Das jüdische Echo · 1920-02-06 · 6 (6.2.1920) · p. Seite 65

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
6 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 65 Der zionistische Gruppenverbandstag in Stuttgart Am 25. Januar fand in Stuttgart die erste Tagung des zionistischen Gruppenverbandes für Bayern und Württemberg seit Einrichtung des Parteisekretariates in Nürnberg statt. Das Interesse war naturgemäß ein großes. So hatten denn trotz der Verkehrssperre in Bayern die Mehrzahl der dem Verband angeschlossenen Ortsgruppen Vertreter entsandt. Die Tagung wurde durch ein Referat des Parteisekretärs Herrn Redakteur Glaser über „Organisation und Aufgaben des Gruppenverbandes“ eröffnet. Herr Glaser gab einen Überblick über das bisher Geleistete und besprach eingehend die Arbeitsmöglichkeiten des Verbandes. Es gelte, die heut überall herrschende politische Abspannung, die allen reaktionären Mächten, auch denen im Judentum, zu Gute käme, zu überwinden. Das sei nur möglich, wenn jeder Zionist seine Pflicht täte. Die Ortsgruppen hätten sich durch eifrige Innenarbeit das moralische Recht auf Propaganda erst zu erwerben. Immerhin könne man — im Gegensatz zu neuerlich oft geäußerten Bedenken — auf letztere, auch in der Form öffentlicher Versammlungen nicht verzichten. Man müsse freilich an manchen Fehlern der Kongreßarbeit lernen und frei von taktischen Erwägungen den zionistischen Gedanken in seiner Reinheit seine werbende Kraft bewähren lassen. Herr Glaser wies im einzelnen nach, welche Möglichkeiten für uns beständen; er machte besonders auf die Arbeit an der heranwachsenden Generation, in der Presse, im Gemeindeleben aufmerksam und ging im einzelnen darauf ein. — Wesentlich im Augenblick sei vor allem die Durchführung des Palästinaaufbauwerks und die Einziehung der Zionistensteuer. — Unsere Stellung zur aktuellen jüdischen Politik streifte der Redner zum Schluß nur kurz, wies aber darauf hin, daß einige Vorkommnisse der letzten Zeit die Mahnung zu politischer Disziplin nicht überflüssig erscheinen ließen. Das zweite Referat hatte Herr Rechtsanwalt Stern-Nürnberg übernommen; er sprach über „Unsere Stellung zu den anderen Organisationen“. Herr R.-A. Stern ging auf die bekannten Vorgänge in München ein, wo der Zentralverein jedes Zusammengehen mit Zionisten und Ostjuden abgelehnt und so die Einheitsfront gegen den Antisemitismus unmöglich gemacht habe. Er besprach an Hand des Dezemberheftes der Zentralvereinszeitschrift „Im deutschen Reich“ die Ideologie und Taktik des Zentralvereins und betonte, daß uns der Kampf mit der Assimilation nicht erspart bleiben könne. Dieser Kampf müsse aber sachlich und positiv geführt werden und habe weniger den Organisationen als dem Gedanken der Assimilation zu gelten. Der deutschen Judenheit müsse im übrigen gezeigt werden, daß der Zentralverein seine Aufgabe, das deutsche Judentum vor dem Judenhaß zu schützen, nicht oder unwirksam und ohne die nötige Würde erfülle: wir müßten diesen Kampf auf unsere Weise führen. Auf Versammlungen könne nicht Verzicht geleistet werden, mehr als Versammlungen würde freilich positive Arbeit, wie sie in München z. B. eingeleitet sei, unsere Stellung stärken. Der Agudas Jisroel gegenüber glaubte der Redner im Gegensatz zu einigen Bemerkungen des Parteisekretärs vorläufig Zurückhaltung empfehlen zu sollen. Die Orthodoxie habe doch unter allen Umständen starke jüdische Werte. — Auch Herr R.-A. Stern schloß mit der Mahnung zu Disziplin und Arbeit. Die Generaldebatte, an der sich u. a. die Herren Jakob Reich-München, Dr. Nußbaum-Nürnberg, Dr. Würzburger-Heilbronn, Zahnarzt Wolff-Gunzenhausen, Nußbaum-Nürnberg, Dr. Nürnberg- Würzburg, Lichtinger-Stuttgart, Dr. Rosenfeld- Karlsruhe, beteiligten, brachte eine Klärung über das Verhalten des Gruppenverbandes für die nächste Zeit. Im allgemeinen schloß man sich den Ausführungen der Referenten an. Von Seiten der Herren Dr. Würzburger, Zahnarzt Wolff, Nußbaum wurde besonders die Bedeutung des gesetzestreuen Judentums für Richtung und Erfolg unserer Arbeit betont, seitens einiger Stuttgarter Herren erfolgten scharfe Angriffe gegen den Radikalismus, der den heutigen Zionismus, den Gruppenverband und die Arbeit der Stuttgarter Ortsgruppe beherrsche. Herr Dr. Nußbaum und Herr Reich traten diesen Vorwürfen entschieden entgegen und betonten in der Frage der Beziehungen zu den anderen Organisationen die Notwendigkeit entschiedenen, natürlich sachlichen Vorgehens. In seinem Schlußwort faßte Herr Rechtsanwalt Stern die Ergebnisse der Diskussion, soweit sie sein Referat betrafen, zusammen; die unten mitgeteilten Resolutionen spiegeln die Meinung des Gruppenverbandstages umso deutlicher wieder, als sie alle fast einstimmig angenommen wurden. Herr Glaser sprach abschließend zur Frage des zionistischen Radikalismus, den er theoretisch zu begründen und dessen Wirkung und Notwendigkeit er nachzuweisen suchte. Im übrigen fügte er eine Anzahl von Vorschlägen für die Arbeit hinzu: darunter vor allem auf Errichtung eines jüdischen Arbeitsamtes. Nach Abschluß der Generaldebatte brachte Hr. Jakob Reich einen Brief des bisherigen Verbandsvorsitzenden, Herrn Dr. Bamberger, zur Verlesung. Herr Dr. Bamberger, der aus beruflichen Gründen nicht anwesend war, legte wegen Überlastung sein Amt als Vorsitzender nieder, verbleibt aber im Vorstand. Man mußte trotz lebhaften Bedauerns seine Gründe als stichhaltig anerkennen und wählte statt seiner Herrn Dr. Nußbaum-Nürnberg zum Vorsitzenden. Nach der Mittagspause gab der neue Vorsitzende Herrn Dr. Würzburger-Heilbronn das Wort zu einem Referate über „Die israelitische Kirchenpolitik in Württemberg“. Die Heilbronner Ortsgruppe hatte sich in dieser Frage in einem gewissen Gegensätze zum Verbände und vor allem zur Stuttgarter Ortsgruppe und dem Parteisekretär befunden. Die Debatte, an der sich vor allem Herr Dr. Rosenfeld, der im Aufträge der Gemeindekommission der Zionistischen Vereinigung für Deutschland anwesend war, beteiligte, ergab schließlich eine alle Teile befriedigende Lösung der strittigen Fragen und eine Einigung über das Vorgehen in dieser Angelegenheit. Das wichtige Referat des Herrn Jakob Reich über Ostjudenarbeit mußte der fortgeschrittenen Zeit wegen ausfallen, was umso bedauerlicher war, als gerade die darin behandelten Fragen von immer zunehmender Wichtigkeit sind. — Resolutionen: I. Die Gruppen-Verbandstagung hält eine Wiederaufnahme der öffentlichen Propaganda in möglichst starkem Ausmaße für erforderlich.

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