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Das jüdische Echo · 1920-01-30 · 5 (30.1.1920) · p. Seite 55

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
5 (30.1.1920)
Date
1920-01-30
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 55 es derselbe Mann war, der früher den Russophilen gespielt hatte, wissen wir nicht, genug, der Vater wurde bei den Österreichern angeklagt. Wessen? Man sollte es nicht glauben, aber es ist so: Er wurde angeklagt, in der Stadt für die Russen Propaganda gemacht zu haben. Da er ein Jude war, wurde er auf Grund der Anklage sofort in Haft genommen. Es folgte allerdings ein gerichtliches Verfahren, um die Anschuldigungen zu überprüfen. Im Gefängnis verschlechterte sich der Zustand des Mannes, der noch nicht vollständig genesen war, derart, daß die Ärzte auf seine Enthaftung drangen, was auch nach Erlegung einer hohen Bürgschaftssumme gewährt wurde. Das vermochte aber den Unglücklichen nicht mehr zu retten, einige Tage nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis starb er. Als er zu Grabe getragen war und seine Witwe und seine Kinder nach althergebrachtem Brauche zum Zeichen der Trauer im Sterbehause auf dem Boden saßen, kam der offizielle Bericht vom Militärgericht: Die Anschuldigung hat sich als unbegründet! erwiesen und der Angeklagte ist freigesprochen. Wieder änderte sich die militärische Lage. Die Russen greifen die Stadt neuerlich an, die Einwohner werden evakuiert, alles mußte in größter Hast fort. Die des Vaters beraubte Familie zog nach Lemberg, auch der alte Vater der Frau. In der entvölkerten Stadt raubten die einziehenden Russen alle Wohnungen aus, der ganze Besitz der Familie des Vorstehers der Judengemeinde wurde vernichtet. Die Familie war ganz verarmt. Die Mutter, die zwei Töchter, der Sohn und der alte Großvater lebten in Lemberg in bitterer Not. So vergingen die weiteren Kriegsjahre. Endlich trat der Waffenstillstand ein und brachte eine Menge „vernünftiger“ Bestimmungen mit sich, unter anderem die, daß Lemberg den Ukrainern zufiel. Aber da kamen die Polen und belagerten die Stadt. Sie verwendeten hierbei alle möglichen Kriegsmittel des 20. Jahrhunderts, daher auch Bomben. In das Haus, in dem die Familie wohnte, schlug eine solche Bombe ein, bahnte sich den Weg bis in die Wohnung der Bedauernswerten und tötete die Mutter auf der Stelle. Die älteste Tochter, die schon so viel Unheil miterlebt hatte, konnte diesen neuen Schicksalschlag nicht überwinden. An der Leiche ihrer Mutter wurde sie wahnsinnig und stürzte sich zum Fenster hinab. Ihr Bruder, der dies alles geschehen sah, wollte sie retten. Er eilte zum Fenster, um sie zu sehen, aber er war zu aufgeregt, um genau zu sehen, was tat er, er hatte auch zu viel Schwung, beugte sich zu weit aus dem Fenster vor und stürzte selbst hinunter. Das Mädchen starb nach einigen Minuten, dem Bruder waren beide Beine zerschmettert. Er wurde aufgehoben und ins Spital geschafft. Der Großvater, der seine Tochter so sterben, seine Enkel so enden und leiden sah, wurde vom Schlage getroffen. Einen Tag später ging er in die ewige Ruhe ein. Zwei von der Familie waren noch am Leben, der Sohn, der im Spital lag, und die jüngere Schwester. Sie sorgte für das Essen ihres Bruders und brachte es ihm jeden Tag ins Spital. Und jeden Tag wartete der Bruder auf seine Schwester, blickte mit Verlangen nach ihr aus. Es kam in Lemberg zu Judenpogromen. Die Schwester, die eben ihrem Bruder das Essen bringen will, wird überfallen, mißhandelt und ermordet. Etwas ganz Gewöhnliches, ein Opfer des Pogroms. Ihre Leiche liegt irgendwo auf der Straße. Und der Bruder mit seinen zerschmetterten Beinen wartet auf seinem Krankenbette im Spital aui seine Schwester und wartet und wartet... Aus der Jüdischen Weift Jüd.-Palästin. Reise, und Transportgesellschaft m. b, H. Nach entsprechenden langwierigen Vorarbeiten ist es jetzt der Jiidisch-Palästin. Reise- und Transportgesellschaft m. b. H. in Wien gelungen, neben verschiedenen anderen auch in Palästina zwei Zweigstellen zu errichten. Am 25. Januar wurde durch Herrn Heinrich Stobinski die Zweigstelle Haifa eröffnet, während ungefähr zur selben Zeit Herr Dr. Stein die Leitung des Büros in Jaffa übernommen hat. Es ist dies der Anfang zur Schaffung der für die gesamte jüdische Einwanderung nach Palästina wichtigen und oft geforderten Immigrationsämter. Für Deutschland besteht bereits seit längerer Zeit eine Zweigstelle unter Leitung des Herrn Paul P. Lindenberg. Berlin SW. 61, Blücherstr. 23, wohin alle, den technischen Teil der Übersiedlung betreffenden Anfragen zu richten sind. Palästina. Jerusalem. In den letzten Wochen wurde aus Angehörigen der drei jüdischen Bataillone, die demobilisiert wurden, und Freiwilligen eine neue jüdische Legion unter dem Namen „Judaeans“ gebildet. — Der Plan des Universitätsgebäudes, der von Kapitän Moarse entworfen und unter Leitung von Professor Patrik Geddes zu Ende geführt wurde. PORZELL IN-NIEDERLiRE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE gj gegenüber der Feldkerrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL IN ßEBRAUCHSPOHZELLAS TÄGLICHE LAGRRERGANZUNG

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