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Das jüdische Echo · 1920-01-30 · 5 (30.1.1920) · p. Seite 52

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
5 (30.1.1920)
Date
1920-01-30
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Das Jüdische Echo Nr. 5 Rettung eines großen Teils unserer Nation, der einer solchen Rettung aufs dringendste bedarf. Ich habe das Vertrauen zur jüdischen Welt, daß schon diese beiden Gesichtspunkte ausreichen werden, eine Anleihe sehr großen Maßstabes durchzuführen. Aber auch die rechnerische Seite der Sache liegt durchaus günstig. Um das zu zeigen, ist es in diesem. Studium nicht einmal nötig, den möglichen Zinsendienst von 4. 5 oder 6 Prozent auf seine Durchführbarkeit zu berechnen, wie aus der folgenden einfachen Überlegung klar Wird. Wenn irgendwo im flachen Lande, auf Getreideland, auf Waldboden oder dergleichen. eine Siedlung von etwa 100 oder 1000 Menschen entsteht, so erwachsen darauf viel höhere Werte, als aus der bloßen Addition der Einzelwerte herauskämen. Es entsteht eine Gemeinschaft, die größere Vorteile bietet und größere Anziehungskraft ausübt als das leere Land von vorher oder einzelne Gehöfte. Auch wo eine kleine Stadt auf das Doppelte ihrer Einwohnerschaft steigt, entsteht ein innerer Mehrwert, der weit über den äußeren hinausgeht. Dies ist eine Erfahrung, die man überall in der alten wie der neuen Welt bestätigt sieht. In u n s e r m Falle haben wir aber ein ganzes Land vor uns. das aus einem schwach bevölkerten zu einem dicht besiedelten gemacht, und das im Zuge energisch1 durchgeführter öffentlicher Arbeiten aus dem Zustand der Vernachlässigung herausgerissen wird. Auf solchem Wege entstehen neben der Rettungsaktion größeren Stiles für das Gemeinwesen auch reale Mehrwerte von solcher Größe, daß wahrlich niemand' ängstlich und nach Bruchteilen zu berechnen braucht, ob es gehen wird oder nicht. Fassen wir all das zusammen, und fassen wir Mut zu großzügigen Plänen und Arbeiten! Dann können wir — selbstverständlich mit Mühe und Schweiß, die aber nie einem besseren Zweck gedient haben — aus der Flucht einen Aufbau machen, durch schnelle Majoritätsbildung unser politisches Resultat sichern und durch die Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina die Judenfrage für alle Zeiten lösen. DavisTrietsch. Die wirtschaftliche Zukunft Palästinas Das territorial gewaltige Erbe des türkischen Reiches zu verteilen, dürfte eine der schwierigsten Aufgaben der Pariser Konferenz bilden, weil die in Betracht kommenden Länder politisch und wirtschaftlich auf alle Beteiligten eine mächtige Anziehungskraft ausüben. Die Expansion nach dem Orient war nicht eine der kleinsten Ursachen des Weltbrandes. Seither hat dieser Teil der Welt an Bedeutung nichts eingebüßt. Selbst die U.S.A. die bisher der europäischen Politik ferne gestanden und zumindest durch die Monroedoktrin sich an der Beutepolitik desinteressiert gezeigt haben, tauchen plötzlich als Kandidaten für die neue Türkei und Armenien auf und kommen sogar als Konkurrenten Englands in der für diese bisher als sicher geltenden Sachwalterschaft für Palästina in Frage. Wenn solcher Art die künftige Gestattung des Orients noch ganz und gar nicht sicher ist, beginnen sich doch langsam aus dem Chaos die politischen Ansatzpunkte herauszukristall/isieren. Rußland, ehemals der Anwärter auf den Besitz des Bosporus, der mächtige, wenn auch nicht immer selbstlose Protektor der Balkanvölker, Armeniens und Persiens, scheint wohl auf absehbare Zeit ausgeschaltet. Die Balkanvölker sind auf einen Schutz kaum mehr angewiesen, auch Armenien ist selbständig geworden und Persien ist ganz unter die Patronanz Englands geraten. Für die Araber beginnt neuerlich eine Ära politischer Selbständigkeit und nur die Küstengebiete Kleinasiens bilden noch eine Zankapfel zwischen Italien, Griechenland, Frankreich, England und dem neuen Staatengebilde um Damaskus herum. Während aber bei Italien und Griechenland höchstens die Quantität des zu erkämpfenden Gebietes an der kleinasiatischen Küste in Frage kommt, bedeutet die Vergrößerung der Interessensphäre bei den anderen Mächten eine politische und Wirtschaftsfrage ersten Ranges. Die Beschränkung Frankreichs auf den Libanon bedeutet so ziemlich seine völlige Ausschaltung aus der Wirtschaftspolitik des nahen Orients. Für das neue arabische Reich ist der Ausfallhafen von Alexandrette von eminenter Wichtigkeit, da sonst das Reich um Damaskus herum zum Binnenstaat und damit zu beschränkter Entwicklungsfähigkeit verurteilt wäre. England bedarf dagegen des in der Nordwestecke gelegenen Hafens von Alexandrette als Abschluß der Bagdadbahn, deren Endstrecke sich ja seit der Eroberung Mesopotamiens völlig im englischen Besitz befindet. Der Anschluß der Bagdadbahn an einen Mittelmeerhafen bedeutet nicht allein eine raschere Expedition für die gesamte indische Post, sondern ist auch durch Ausbeutung der Petroleumschätze Persiens und Mesopotamiens von größter Tragweite für die gesamten Mittelmeergebiete. Wirtschaftlich sind alle diese gewaltigen Landstrecken bisher noch völlig unerschlossen, ja sogar unbekannt. Nur die geringen, bisher zur allgemeinen Kenntnis gelangten Exportziffern weisen darauf hin, daß sie für den Welthandel und Weltindustrie noch zu erschließende ungeheure Schätze, insbesonders. an mineralischen Urprodukten in sich bergen. War das bisherige ottomanische Regime jeder Entwicklung abhold, so ist damit noch nicht gesagt, daß diese Länder es zu wirtschaftlicher Selbständigkeit nicht bringen können. Im Gegenteil. Sowohl kleinasiatische Griechen, als auch Armenier haben ja seit jeher einen Ruf wirtschaftlicher Tüchtigkeit und Agilität, die bisher nur künstlich unterdrückt worden sind und nunmehr zu ungeahnter Blüte gelangen könnten. Auch die eigentliche Türkei, also Anatolien, wird namentlich in landwirtschaftlicher Beziehung unter einem geordnet arbeitenden Protektorate zu neuer Blüte gelangen. Das arabische Volk hat insbesonders in Spanien bewiesen, daß es imstande ist, sowohl kulturell als auch wirtschaftlich Hervorragendes und Wertvolles zu leisten, wenn man ihm freie Hand lassen wird. Persien steht dank dem neuen Übereinkommen mit England vor neuer Entwicklung. Mitten unter diesen Ländern mit ungeahnten Möglichkeiten, auf dem direkten Weg des gesamten südlichen Asien nach Europa, im Kreuzungspunkte zwischen Europa, Asien und Afrika liegt das kleine Palästina, welches kulturell fast im. Mittelpunkt der halben Welt gelegen ist und in jeder Beziehung durch zwei Jahrtausende brach lag, mehr noch, der Devastation preisgegeben war. Und nun soll dieses Palästina wiederum das Volk in sich aufnehmen, das aus seinem Bo-

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