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Das jüdische Echo · 1920-01-30 · 5 (30.1.1920) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
5 (30.1.1920)
Date
1920-01-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 5 30. Januar 1920 7. Jahrgang Zum Palästinaproblem Ein offener Brief. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie fragen, ob meine Bemerkung auf der letzten Palästina-Tagung, wonach die jüdische Majorität in Palästina besser in fünf als innerhalb von dreißig Jahren zu erzielen sei. nur eine „facon de parier“ gewesen sei, oder eine Ansicht die ich bereit sei zu vertreten. Tatsächlich glaube ich, daß man uns keine 30 Jahre Zeit lassen würde, um die jüdische Majoritätsbildung im Lande in aller Bequemlichkeit durchzuführen. S o habe ich auch die Erklärungen der Mächte nicht verstanden. Ich glaube aber auch, der Enthusiasmus über die Erringung Palästinas als jüdische Heimstätte, zusammen mit der Sorge für die durch den Weltkrieg in ungeheuerliche Not gebrachten Volksgenossen im Osten, wird uns die materiellen Mittel finden lassen, um die bevorstehende große jüdische Wanderung in solchem Maße zum Aufbau Palästinas heranzuziehen, daß eine rasche Majoritätsbildung uns auch das politische Resultat sichern hilft. Versuchen wir einmal, uns über den Umfang der Aufgabe und ihre Durchführung in großen Zügen klar zu werden. Zu einer Majoritätsbildung innerhalb 5 Jahren würden bei den jetzigen Bevölkerungsverhältnissen ungefähr dreiviertel Millionen Einwanderer gehören. Dies entspricht ungefähr 150 000 im Jahre oder im großen Durchschnitt etwa 3000 Einwanderern per Woche. Wir halten uns an diesen Durchschnitt, weil es unmöglich ist vorauszusehen, ob der Ansturm im Anfang größer sein wird als gegen Ende einer solchen ersten Periode von fünf Jahren. Zunächst ist ja die Einwanderung noch so gut wie gänzlich unterbunden und es könnte sein, daß die Öffnung der Grenzen und Wege nur sehr allmählich erfolgt. Die Not allein würde den größten Ansturm auf den Anfang verlegen, andererseits würden voraussichtlich große Massen sich in Bewegung setzen, sobald greifbare Erfolge da sind, sei es, daß die Maschinerie des Aufbaus gut funktioniert, sei es, daß die ersten kolonisatorischen Erfolge abgewartet werden. Diesen vorläufig unbeantwortbaren Fragen gegenüber nehmen wir also den einfachen Durchschnitt von 3000 per Woche an. Zunächst entsteht die Frage der Transportmittel, Aber 3000 per Woche erfordern nur 2 Schiffe mit einer Fassungskraft von je 1500 per Fahrt, und 6 solcher Schiffe würden (da für Hin- und Rückfahrt zusammen höchstens 3 Wochen erforderlich sind) den gesamten Transport bewältigen können. Der Schiffsraum würde auch für die etwaige Mitführung von Lebensmitteln, Geräten und dergleichen im ungefähren Ausmaße von einer halben oder einer Tonne per Kopf bequem ausreichen. Am besten ist es, diesen Transport mit eigenen Schiffen durchzuführen, für die wir in einem Küstenlande wie Palästina ohnehin dauernde Verwendung haben. Von 150000 Einwohnern jährlich dürfte ein ungefähres Drittel mit ausreichenden Geldmitteln kommen, um die eigene Installation wie auch Unternehmungen und dergleichen durchzuführen. Schon innerhalb eines solchen Rahmens könnte Beschäftigung und Existenz auch der mittellos Einwandernden liegen. Aber lassen wir das gänzlich beiseite und rechnen wir damit, daß für 100 000 per Jahr Arbeitsgelegenheit zu schlaffen und die Ansied'lung vorzubereiten sei. Was die Beschaffung von Arbeit anlangt, so haben wir in Palästina ein stark vernachlässigtes Land vor uns, das aufs schnellste zu entwickeln und für eine große und ständige Einwanderung vorzubereiten wir das größte Interesse haben. In der Nachholung alles dessen, was fortgeschrittenere Staaten für ihre Länder tun, haben wir ein Programm der öffentlichen Arbeiten vor uns, das für viel mehr Arbeiter reichen würde, als wir wahrscheinlich bekommen können. öffentliche Arbeiten in einem sich entwickelnden Lande hören eigentlich nie auf. Setzen wir uns für die ersten 5 Jahre ein Teilprogramm, das an Wasserwerken. Sanierung und Entsumpfung, an Verbesserung des Verkehrswesens und an Aufforstung eine Viertel- bis eine halbe Milliarde Francs erfordern würde. Außerdem sollten wir in unserem besonderen Falle auch die Errichtung der Heimstätten — also Vorbereitung des Bodens, Ameliorationen, Anpflanzung und sogar Hausbau und wenigstens teilweise Produktion der Lebensmittel für das Arbeiterheer selbst und deren Angehörige usw. — in das Programm unserer öffentlichen Arbeiten aufnehmen. Die Heimstätte ganz niedrig auf 3000 Francs Kosten veranschlagt, würden die 100 000 Heimstätten der mittellos Einwandernden (100 000 Familien ä 5 Köpfe) allein 300 Millionen Frs. oder sagen wir vorsichtiger wieder bis eine halbe Milliarde ausmachen. Selbst wenn wir in beiden Fällen die höheren Summen annähmen, kämen wir auf 1 Milliarde Francs als Gelderfordernis für ein wohlgeleitetes Aufbau- und Ansiedlungswerk des gewünschten Umfangs. Ich selber wäre geneigt, auf Grund eingehender Materialien und Unterlagen eine Ziffer von 1000 Francs pro Kopf oder 5000 Francs pro Familie für ausreichend zu halten, so daß eine Milliarde Francs für eine Million Einwanderer — wohlverstanden ohne die Bemittelten — ausreichen würde. Dabei ist hinsichtlich der Löhne damit gerechnet, daß die Hauptentlohnung der Arbeiter in dem Anspruch auf eine Heimstätte (Haus und Gartenbauparzelle — beides gegen mäßige Pacht)— bestehen soll. Dies und die eigene Produktion eines großen Teils der Lebensmittel usw. hilft uns, die Schwierigkeit, die in den jetzigen Lohnverhältnissen liegt, wesentlich zu verringern. Wie bekommen wir nun eine Milliarde Francs? Ich bin überzeugt, daß wir sie im Wege der nationalen Anleihe haben können. — Eine solche nationale Anleihe dient uns zur Sicherung der nationalen Heimstätte, die uns durch Erklärung der Mächte einstweilen nur politisch ermöglicht wurde. Ohne unsere Arbeit bleibt dieses „jüdische Wunder des Weltkrieges“ ein Traum. Weiterhin ermöglicht uns die nationale Anleihe neben dem Aufbau Palästinas die

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