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Das jüdische Echo · 1920-01-23 · 4 (23.1.1920) · p. Seite 43

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
4 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 43 sie so verfahren war, ohne ihm je davon etwas verraten zu haben. Aber bald sagte er sich, daß das Geld zu etwas nütze sein könne. Für dieses Geld konnte er doch nach der Stadt übersiedeln und all seinem Leiden ein Ende machen. Wer weiß, ob nicht Gott deswegen allein der Frau den Gedanken eingegeben hat zu sparen? Und Benjamin scharte die Goldstücke zusammen, tat sie zurück in das Säckchen und band es fest zu. Er ließ es noch eine Weile auf dem Tische liegen. Dieser Beutel barg seine Erlösung. Ein Stein wälzte sich vom Herzen Benjamins. Er zieht sofort in die Stadt, morgen mit Tagesanbruch verläßt er das Dorf. Er sah sich schon früh das Tauchbad nehmen und mit der ersten gläubigen Schar das Gebet verrichten. Danach ging er in die fromme Klause und versuchte wieder ein Buch der Lehre aufzuschlagen. Und da saß in einer Ecke ein alter Mann und sprach von Zucht und Sitte. Hier, im Dorfe, schien immer nur ein und dasselbe Geschlecht zu leben. Es gab gar keine Veränderung. Da aber hörte er den einen von Wunderrabbis, den anderen von gottesgelahrten Männern erzählen. Er durchlebte wieder vergangene Zeiten, machte Verfolgungen und Befreiungen durch. Die Gesamtheit Israels hüllte ihn von allen Seiten ein; er fühlte sich so wohl, so geborgen! * In einem anderen Dorfe, das von dem Orte, in dem Benjamin wohnte, nicht weit entfernt war, lebte ein anderer Jude, der sich Jechiel nannte. Das war ein Mann, dessen Wesen das gerade Gegenteil von dem Benjamins ausmachte. Jechiel war ein Landmann mit allen Fasern seiner Seele. Er liebte das Dorf, liebte den Teich, liebte die Felder und liebte seine Tiere. Er hatte einen Garten und bebaute ihn selbst. Jede Woche ging er an den Teich und fing Fische. Seine Frau gab sich mit dem Vieh ab, molk die Kühe und bereitete Butter und Käse, was zusammen mit den Fischen, den Gurken und Kartoffeln aus dem eigenen Garten jeden Donnerstag in die Stadt gebracht wurde. Die beiden hatten eine Tochter mit Namen Esther und das war ein Mädchen von großer Schönheit. Sie tat keinerlei Arbeit im Hause; es wäre aber auch eine Sünde gewesen, sie mit ihren zarten Händen den Brotteig rühren oder mit einer Hacke hantieren zu lassen. Sie ging immer fein angezogen und trug ihre blonden Zöpfe frei herabhängend, daß es eine Freude war, sie zu sehen. Da wurde eines Tages in der Dorfgemeinde ein junger Schreiber angestellt, und wie er das schöne Kind sah, verliebte er sich in sie auf den ersten Blick. Er war wie toll vor Liebe zu dem Judenmädchen. Und Esther? Sie vergaß, welches Volkes sie war. Als an einem Donnerstag Vater und Mutter mit den Früchten ihrer Arbeit nach der Stadt gefahren waren, räumte sie die Geldbehälter aus und floh mit dem Schreiber aus dem heimatlichen Dorfe. Sie war gewillt seinen Glauben anzunehmen und ihren Gott mit einem anderen zu vertauschen. Sie wurde in einem Kloster aufgenommen und einstweilen da gehalten. Wer beschreibt den Jammer und das Herzleid der Eltern, als sie, nach Hause zurückgekehrt, erfuhren, was ihnen ihr Kind angetan hatte? In das Herz des einfachen Mannes, der nie eine andere Frage als die um sein Hauswesen gekannt hatte, drang auf einmal ein tötlicher unsagbarer Schmerz. Seiner Frau fehlte nicht viel, und sie wäre wahnsinnig geworden. Nachdem jedoch die ersten furchtbaren Stunden vergangen waren, fingen sie an zu beraten, wie die Tochter aus den Händen des Unflätigen zu befreien wäre. Sie beschlossen, das Haus und alles, was sie besaßen, zu verkaufen, um die Seele der Verlorenen zu retten. Aber alles, was sie auf diese Weise gewännen, würde für diese Sache nicht ausreichen. Selbst wenn sie sich bis auf das Hemd auszögen, brächten sie die Summe nicht auf. Das Mädchen mußte aus der Einkerkerung gestohlen und weit, weit über die Grenze des Landes hinweggeführt werden. Der Jude Jechiel stand sich gut mit den Bauern des Dorfes und unterhielt sich mit ihnen viel und gerne. Aber jetzt verlangte es ihm nach einem Stammesgenossen, nach einem, der sein Leid verstehen konnte, und den er um Hilfe bitten könnte. Mit Benjamin hatte er bis dahin wenig verkehrt; ihre Naturen waren zu verschieden, und sie hatten einander nicht viel zu sagen. Benjamin war aber in der ganzen Umgegend der einzige Jude. Jechiel machte sich auf. sattelte sein Pferd und ritt nach dem benachbarten Dorfe. Es war im Spätsommer und zu einer vorgerückten Abendstunde. Benjamin hatte seinen Kramladen schon zugemacht und saß in seiner Stube T?auThallmcuer Mönchen %eatiner{Cr.l& (ru2. Qaser

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