Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 4 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 44 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Das Jüdische Echo Nr. 4 mit einem Frohlocken im Herzen. Diesmal hatte er vor, zu den hohen Feiertagen nach der Stadt zu gehen und dort für immer zu bleiben. Wie er so da saß und die künftige Seligkeit genoß, hörte er auf einmal an sein Fenster pochen. Er erhob sich vom Stuhle, öffnete die Tür und sah vor sich Jechiel, den Juden aus dem Nachbardorfe stehen. Und das Gesicht des Ankömmlings sagte, daß er nicht mit einer freudigen Nachricht gekommen war. Der Gast betrat die Wohnung und fing an von der schweren Strafe zu erzählen, die Gott ihm auferlegt hatte und wie er sein Kind nicht zu retten vermochte. Benjamin hörte bedrückt zu und fühlte sich wie mit einer Zange angefaßt. Er dachte an das Säckchen, das er heute gefunden hatte. Und bald flogen die Gedanken von dem Beutel zu der eben vernommenen Geschichte und von der Geschichte zu dem Beutel. Er sprach bei sich: Du bleibst auch hier im Dorfe ein Jude, ein Sohn deines Volkes; die Unglückliche aber verfällt der ewigen Verdammnis, wenn man sie nicht erlöst. Sollte er nun dem Vater den ganzen, eben gewonnenen Schatz hingeben? Wie war doch seine Freude groß, als er sich dem ersehnten Ziele so nahe sah! Hat denn seine Frau nicht deswegen allein das Geld gespart? Sollte er dem, was sein Leben ausmachte, entsagen? Ja, wenn er dem Bedrängten mit einem Viertel von dem, was ihm beschert worden war, helfen könnte! Er gäbe es auf der Stelle hin. Ihm ist aber nur mit dem Ganzen genützt. Jechiel stand auf und guckte hinaus, um nach dem Pferde zu sehen, das draußen angebunden stand, er hatte sich gesagt, daß er von Benjamin keine Hilfe zu erwarten habe; er fühlte aber, daß sein Weggehen von hinnen einen Ritt in die dichteste Finsternis bedeutet. In der Kirche fing es zu läuten an, und das erinnerte Jechiel an den Grund, weswegen er Benjamin aufgesucht hatte. In seiner Seele tat sich ein Tor auf, und die Schande eines ganzen Volkes, das verleugnet wird, fand ihren Eingang. Benjamin hielt den Schlüssel zu der Truhe und zitterte am ganzen Leibe. Er sah, daß sein Nachbar schon Weggehen wollte und nicht Weggehen konnte. Und ihn stieß eine unsichtbare Hand zu dem Kasten, und eine innere Stimme rief: Gib das Geld hin! Er konnte es aber nicht tun. Erst als Jechiel ihm gute Nacht sagte, die Tür öffnete und hinaus ging, die Zügel des Pferdes faßte und es besteigen wollte, da packte es Benjamin mit einer neuen Gewalt. Er rief den Verzweifelnden wieder in die Stube, öffnete den Kasten, entnahm den Beutel und reichte ihn stumm, ohne ein Wort zu sagen, dem Genossen. So hatte sich Benjamin bezwungen und sein Letztes geopfert. Esther wurde aus dem Kloster entführt und nach einem jüdischen Flecken in einem anderen Lande gebracht. Hier kehrte sie zu ihrem Glauben zurück und wurde mit einem jungen Manne aus dem Handwerkerstande verheiratet Benjamin sollte seinen Traum nie in Erfüllung gehen sehen und starb als ein einsamer Jude im christlichen Dorfe. Gemeindenu. Vereins-Echo Aufruf Achenu bene jisroel! Der Vorstand der Wiener Talmud-Thora erläßt einen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: Nach fast 80jährigem Wirken ist der Wiener Tahnud- Thora-Verein nicht mehr in der Lage, seine Schule zu erhalten und die Ausspeisung der armen Schulkinder fortzusetzen. Es wäre ein schweres Unglück für die 250 Kinder, welche die Anstalt besuchen, für die 120 Kinder, welche täglich einen guten, wannen Mittagtisch erhalten, sowie für die Lehrer und ihre Familien, wenn diese segensreich wirkende Anstalt geschlossen werden müßte, weil die Mittel versagen. Infolge dieses Notschreies aus gesinnungsverwandtem Kreise sieht sich die Vorstandschaft der hiesigen Talmud-Thora veranlaßt eine Versammlung für Sonntag, den 25. Januar, vorm. 9.30 Uhr in unserem Vereinslokal, Klenzestraße 34, einzuberufen, um zu beraten, in welcher Weise von unserer Seite den notleidenden Kindern Hilfe gebracht werden kann. Unser Ehrenpräsident. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu wird die Güte haben, einige aufklärende Worte über diesen wichtigen Gegenstand zu sprechen. Da rasche Hilfe geboten ist, so bittet die Vorstandschaft um vollzähliges Erscheinen aller Gesinnungsgenossen. Die Vorstandschaft der Münchner Talmud-Thora. Hilfe für die jüdischen Kinder Wiens. Unter den jüdischen Kindern Wiens herrscht größte Not; es fehlt vor allem an Kleidungs- und den nötigsten Wäschestücken. Wir richten an unsere stets hilfsbereiten Glaubensgenossen die dringliche Bitte, uns alles Entbehrliche zur Verfügung zu stellen um die Not der Ärmsten der Armen zu lindern. Sammelstelle: Herzog Maxstraße 5. Rückgeb, (täglich von 10—12 Uhr) Auf telephonische oder schriftliche Mitteilung (Lilly Loewenthal, Riickertstraße 4/II 1., Tel. 52565), werden die Spenden am Sonntag, den 25. Januar durch unsere Wandergruppe abgeholt. Die Vorstandschaft des Jüdischen Jugendvereins München. gez. Julius Dingfelder, 1. Vorsitzender. Der ..Gesamtausschuß der Ostiuden“ hat dank der Bemühungen des „JenidzeVereins“, der seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, das Büro in der Hans Sachsstraße 8, Parterre Mittelbau. Dtuiuftner Jleuefte 3lod?nd?ten ©röfhe, tagt. 2mat erfrfjemenbe 3eitung ©üb* unb 2Hittetbeut,(b* tanb*. Stauffräftiger Teferfrete unb überJDeutfdjtanbä Öhcn$cn f?inau$* ge^enbe Verbreitung. ©rofier lauf* männ. u. getacrbt. ©teftenmarft Über * Sfnerfannt fefyr erfolgreich für 2tn$elgen alter Strt. Stnjetgen* brei* unb 3lad)tafj na<$ $arif. iSejugöpreiö monatt. 27tf. 4.50 bei alten beutfd?en pofianjlatten V, Million £ e f e r •>