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Das jüdische Echo · 1920-01-23 · 4 (23.1.1920) · p. Seite 42

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
4 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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42 Das Jüdische Echo Nr. 4 lurtg von allen Seiten bestätigt wurde, so eindeutig. daß es mir schwer hält, zu Gunsten des Artikelschreibers, welcher doch wohl selbst der Versammlung angewohnt haben wird, a-uch) nur die Möglichkeit eines Mißverständnisses anzunehmen. Ich zweifle nicht, daß Sie es alls selbstverständliche Pflicht der Loyalität erachten werden. gegenwärtige Richtigstellung unverkürzt in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen. Hochachtungsvoll Landgerichtsdirektor Stern. Wenn der obige Brief es auch offen läßt, welchen Standpunkt Herr Landgerichtsdirektor Stern selbst in der behandelten Frage einnimmt so glauben wir doch annehmen zu dürfen, daß er die Haltung der Mehrheit des israelitischen liberalen Vereins verurteilt. Wir konnten nicht glauben, daß ein Repräsentant der Minderheit bei derartigen Differenzen auf einer so wichtigen Versammlung den gesamten Verein vertreten würde, glauben auch jetzt noch, daß ein solcher allen Grund gehabt hätte, ein derartiges Mandat abzulehnen. Wir haben natürlich nie daran gedacht. Herrn Landgerichtsdirektor Stern persönlich treffen zu wollen — sein Name stand für die Richtung, die er trotz aller Objektivität zu vertreten schien. Im übrigen schließen wir uns der sachlichen Kritik der Minderheit, die Herr Landgerichtsdirektor Stern, wie wir aus seinem Briefe entnehmen zu dürfen glauben, selbst billigt, an der Übertragung antisemitischer Kampfmethoden auf innerjüdische Auseinandersetzungen durch die Mehrheit des von ihm vertretenen israelitischen liberalen Vereins vollinhaltlich an. — Wir freuen uns zugestelien zu dürfen, der Person des Hemi Landgerichtsdirektors Stern Unrecht getan zu haben und erhoffen von ihm ein kräftiges Auftreten gegen derartige Beschuldigungen ganzer Teile der jüdischen Gemeinschaft durch Juden. Wir lioffen schließlich, daß derartige Vorkommnisse endlich zu der längst von uns geforderten reinlichen Scheidung der bewußt-jüdischen Elemente aller Richtungen von einer Skrupel- und gesinnungslosen Assimilation führen werden. Eine weitere Zuschrift, die in gleicher Angelegenheit an uns gelangt ist, und die die Beschränkungen des Wahlrechts der Ausländer zu rechtfertigen versucht, weist daraufhin, daß der von uns im Auszug gebrachte Entwurf „nur ein Konzept ist und in dieser Form nicht Gesetz wird; aber der Passus betr. Ausländer wird kaum eine Änderung erfahren dürfen“. Wir hoffen, daß der Gemeinsinn der württembergischen Judenheit im anderen Sinne entscheiden wird. Aus der jüdischen Welt Aufschub der ostiücßschen Konferenz in Berlin. Infolge der Verkehrsschwierigkeiten, die in jüngster Zeit entstanden sind, wurde die ostjüdische Konferenz für einige Zeit verschoben. Der neue Konferenztermin wird noch bekannt gegeben werden. Abreise Dr. Hantkes nach London. Herr Dr. Arthur Hantke ist am 12. d. M. nach London abgereist, um dort an den Arbeiten der Leitung teilzunehmen. Die Geschäftsführung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde bis zum nächsten Delegiertentag durch einstimmigen Beschluß des Geschäftsführenden Ausschusses des Zentralkomitees in folgender Weise geregelt: Den Vorsitz der Zionistischen Vereinigung für Deutschland übernimmt Herr Dr. Atöred Klee. Stellvertretende Vorsitzende sind die Herren Blumenfeld und Lichtheim. Die drei genannten Herren bilden die Exekutive des Gescbäftsführenden Ausschusses zur Erledigung der laufenden Geschäfte. Die Leitung des Büros wurde Herrn Lichtheim übertragen. Feuilleton Das Letzte Eine Dorfgeschichte. Aus der Sammlung „Vor dem Sturm“ von Micha Josef bin Gorion. (Schluß.*) Da begab es sich mit einem Male, daß die Frati Benjamins sich verkühlte und krank wurde. Still, wie sie war, machte sie nicht viel Federlesens und starb kurz, nachdem sie sich hingelegt hatte. Benjamin blieb gar keine Zeit übrig, das alles gehörig durchzudenken. Erst als er die Leiche nach der Stadt übergeführt, sie begraben hatte und darnach allein heimgekehrt war, fing er an. die Leere des Hauses zu empfinden und begriff, was er verloren hatte. Und die Gedanken wandten sich unmerklich der zu, die dahingegangen war. So viele Jahre hatten sie zusammen gelebt und gearbeitet und die Sorge für das tägliche Brot getragen. Sie war nicht wie er von dem Verlangen erfüllt gewesen, nach der Stadt zu übersiedeln, und deshalb hatte er mit ihr nie darüber gesprochen; sie hätte ihn ja auch nicht verstanden. Mann und Weib gehen bei den Juden dreißig Jahre nebeneinander und wechseln nicht viel Worte miteinander. Man hat nicht viel Zeit und ist nie recht aufgelegt mit einer Frauensperson ein Gespräch anzufangen. Stirbt aber einer, so merkt erst der andere, daß ihm ein Stück Leben abhanden gekommen ist. Benjamin war nicht einer von denen, die sogleich nach den dreißig vorgeschriebenen Trauertagen an eine neue Ehe denken. Ihm war es, als hätte man seinen Leib in zwei Stücke zersägt; was auf dem Friedhof zu Talna lag, war der eine Teil. Und nun entbehrte er doppelt schwer den Umgang mit seinesgleichen. Das Leben im Dorfe wurde noch drückender, noch unerträglicher. Er konnte es sich nicht mehr vorstellen, wie er es jetzt hier allein aushalten würde. Sollte er aber in die Stadt ziehen? Dazu fehlte es an dem nötigen Gelde. Wie Benjamin so sann und überlegte, fiel sein Blick auf die Kleidertruhe seiner Frau. Ja, er muß sehen, was die Verstorbene hinterlassen hat. Er öffnete den Kasten und förderte Bettziechen, Hemden, Hauben, Kopftücher zutage. Was liegt nicht all für Kram in der Truhe einer Frau, was sammelt sich nicht in einer jahrelangen Wirtschaft? Und da stieß Benjamin mit dem Finger auf ein Bündel und wie er es heben wollte, merkte er, daß es schwer war. Der Gedanke durchblitzte ihn: Das muß ein Sparstrumpf sein! Er öffnete den Beutel und schüttete den Inhalt auf den Tisch und es fielen heraus Gold- und Silberstücke, und ein Haufen Geld lag vor dem erstaunten Manne. Er sah es sich näher an. betrachtete einzelne Münzen; es war wirkliches Geld, was er vor sich hatte, und das hatte seine Frau all die Jahre gespart und gesammelt und Groschen zu Groschen getan. Wie hat sie das alles zusammengebracht? Eine Weile verdroß es ihn sogar, daß *) Anfang siehe Nr. 2 d. Bt

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