Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 4 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 4! aber die Dinge einer Entscheidung entgegenzustreben scheinen, sucht man nach Mitteln, um noch im letzten Augenblicke das Erreichte sabotieren zu können. Deshalb warnt man vor den Maßnahmen, die allein geeignet sind! die politischen Erfolge zu realen Werten zu gestalten, sucht den Palästina-Aufbaufonds zu schädigen wo man kann, möchte die Arbeit der Männer diskreditieren, denen, wie man selbst zugeben muß. alles Errungene zu danken ist: Weizmanns. Sokolows, Schemaria Lewins und all der anderen. Man spricht nämdäch von einer zionistischen Diktatur im Lande, von einem „parteizionistischen Bodenmonopol“. von Erez Israel als „einer Privatangelegenheit der Herren Weizmann und Sokolow“. Gewiß muß man zugeben, daß anfänglich die Arbeit eben der zionistischen Führ rer alles erreicht hat. was heut an Erfolgen sichtbar ist, aber man fügt hinzu, daß heute kaum ein Zweifel mehr bestehen kann, „daß die zionistische Leitung gutwillig nicht auf den vollen Alleingenuß der politischen Rechte zu verzichten gewillt ist. den sie sich durch einige Jahrzehnte Organisationsarbeit und1 durch eine geschickte Ausnutzung der Kriegskoniunktur verdient zu haben glaubt.“ Ja, man wngt anzudeuten, daß die zionistische Arbeit „unter Umständen gerade denjenigen Kreisen, deren Traditionstreue zwar nicht die politische Ausmünzung. wohl aber die Erhaltung der Chibas Zion durch die Jahrtausende zu verdanken ist, in dem Lande ihrer Sehnsucht das härteste Golus bereiten kann!“ Wohl kennt man den Weg, der alle Schwierigkeiten beseitigt und sucht ihn. da es in der Agudas Jisroel ja auch ehrliche Leute mit klarem Blicke gibt, sofort zu verrammeln: „Der Einwurf. daß die zionistische Organisation ja kein geschlossener Verein sei, sondern jedermann offenstehe, der sich seinen und seiner Kinder Anteil an Erez Jisroel sichern will, trifft in keiner Weise zu, denn man kennt die Gründe des Gewissens und der tiefsten religiösen Überzeugung, die allüberall Millionen Seelen der jüdischen Geamtheit, getreu der Losung ihrer geistigen Führer, den Zionismus als Verfälschung der jüdischen Wahrheit und den Anschluß an ihn als Bekenntnis zur Unwahrheit radikal verwerfen lassen.“ Man staune über das seltene Maß von Unwahrhaftigkeit. Erst spielt sich der „Israelit“ als Vertreter der Demokratie, des ganzen jüdichen Volkes auf und verlangt als solcher mitbestimmenden Einfluß für die von ihm vertretenen Kreise auf die Arbeit in Palästina. Man macht ihn darauf aufmerksam, daß dieser Einfluß zu haben sei. Die zionistische Organisation stände jedem offen, der. gemäß dem ersten Satz des Basler Programms „die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ erstrebt. Kein Wort darin über religiöse, ethische, kulturelle Fragen, nichts was auch nur im geringsten die Tendenzen des gesetzestreuen Judentums beeinflussen könnte. Tausende orthodoxe Juden, hervorragende Rabbiner, sind Zionisten. Der „Israelit“ läßt sich nicht beirren, er wiederholt immer wieder sein Sprüchlein von der Unmöglichkeit der Mitarbeit und der zionistischen Despotie. In Wirklichkeit wollen der „Iraelit“ und die Seinen nicht mitarbeiten. Sie wollen auch gar kein jüdisches Palästina. Sie wollen das Land ewiger Sehnsucht, ewiger Klagen, der Chatukkah und der Korruption, sie wollen die tote Romantik der Klagemauer weitererhalten. Sie wünschen kein neues Leben in Frcz Jisroel, aas einem als eine stete Mahnung die Behaglichkeit rauben würde. Es ist kein Wunder, daß man von Angehörigen der Agudas - Jisroel so oft Bekenntnisse erhält, die dem neuen nationaldeutschen Judentum des Zentralvereins und der liberalen Assimilation aufs Haar gleichen. Berlin oder Frankfurt — das ist Jacke wie Hose. Solange es noch genug Papiergeld gibt, lebt sich’s in beiden Städten gleich angenehm. Wir aber fragen und fragen immer wieder, wann die bewußt jüdischen Orthodoxen und die bewußt jüdischen Liberalen über die Köpfe der Führer hinweg die Hände entgegenstrecken werden dem lebendigen, kämpfenden, jiidichen Volke. G Zur württembergischen Kirchenpolitik Wir bringen gern folgende Zuschrift des Herrn Landgerichtsdirektor Stern zum Abdruck: Stuttgart, den 22. Dezember 1919. Geehrte Redaktion! Ihr Artikel in Nr. 50 de „Jüdischen Echo“ vom 12. Dezember 1919. betitelt „Israelitische Kirchenpo-litik in Württemberg“ nötigt mich zu einer Richtigstellung. Es ist nicht wahr, daß ich in der in dem Artikel erwähnten jüdischen Versammlung „beantragt“ habe, den ausländischen Juden das passive Wahlrecht erst nacht zehnjährigem Aufenthalt in Württemberg zuzugestehen mit der Begründung, daß dieselben nicht nur Verbreiter des Bolschewismus, sondern auch Schieber und Wucherer seien. Es ist deshalb auch weiter nicht wahr, daß das Motiv dieses mir unterstellten Antrags der Gedanke gewesen sei, mich) durch Opferung der Ausländer von der Bedrohung durch den Antisemitismus loszukaufen. Ich habe in der gedachten Versammlung überhaupt keinen Antrag gestellt, ich habe vielmehr lediglich auf Grund eines von mir nicht gesuchten Mandates des israelitischen liberalen Vereins in Stuttgart, dessen Vorstand ich übrigens auch nicht bin, eine von letzterem gefaßte Resolution zur Kenntnis der Versammlung gebracht. Richtig ist, daß diese mit Stimmenmehrheit gefaßte Resolution sich für jene Beschränkung der Rechte der ausländischen Juden ausgesprochen und sich neben anderen im Vordergründe stehenden Gesichtspunkten allerdings auch auf Verfehlungen der bezeichneten Art, welche bei letzteren vorgekommen seien, gestützt hat. Ebenso richtig ist aber, daß eine Minderheit der gedachten Rechtsbeschränkung wegen des derselben anhaftenden gehässigen Charakters widersprochen und diesen Widerspruch u. a. mit der Erwägung, daß es ein Unrecht und geradezu eine Übertragung antisemitischer Kampfesmethoden auf eine jüdische Auseinandersetzung sei. wenn man die auf jenen Gebieten liegenden Verfehlungen Einzelner die Gesamtheit der ausländischen Juden entgelten lassen wollte, begründet hat. Ich habe in der gedachten Versammlung sowohl über die von der Mehrheit wie auch über die von der Minderheit des liberalen Vereins geltend gemachten Gründe objektiv und erschöpfend referiert. Mit keinem Wort habe ich angedeutet, ob ich selbst auf dem Standpunkt der Mehrheit oder auf demjenigen der Minderheit stehe, es wäre dies auch völlig aus -dem Rahmen des mir erteilten Mandates herausgefallen. Meine Ausführungen waren, wie mir in der Versamm-