Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 3 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Das Jüdische Echo Nr. 3 trsmus als das zu erkennen, was er ist, als eine tief menschliche, im Gefühl verankerte Einstellung der Völker, unter denen Juden wohnen“. Das hat wirklich noch gefehlt! Wir Juden müssen gerade noch dem Antisemitismus in dieser Argumentation recht geben. Es kommt einem vor. als ob man seinem Henker selbst das Beil in die Hand geben will.“ „Aber bedingungslos kann er sich auf der anderen Seite auch nichit der Arbeit des Zentralvereins anvertrauen. und so verlangt er, ehe er uns das angeblich in Anspruch genommene Mandat zur Vertretung des gesamten Judentums in diesem Kampfe überträgt, die Beantwortung der Frage, ob wir bereit sind, auch den Ostjuden gegenüber den Grundsatz der jüdischen Solidarität zu achten, und ob wir den Zionisten die Erhaltung der jüdischen Eigenart und der inneren Würde der Judenheit als erstes Gebot anerkennen. Wir wissen zwar nicht, was der erste Teil der Frage mit den Dingen, um die es sich hier allein handelt, zu tun hat. aber die Antwort sei dennoch dem Fragesteller gegeben: Wir wollen nicht bloß gegen die Antisemiten kämpfen, sondern auch für die Ostjuden eintreten; deshalb sind wir von jeher bereit gewesen und haben diese Bereitwilligkeit durch die Tat bewiesen, in Arbeitsgemeinschaften einzutreten, deren Aufgabe die Fürsorge für notleidende Ostjuden ist, nicht zuletzt, um die Gefahren zu bannen, die für die übrige Bevölkerung eine Überflutung durch arbeitslose Einwanderer im Gefolge haben könnte. Wiir wollen uns von den Zionisten in unserer Arbeit unterstützen lassen, und wir unterstützen sie, unbeschadet der verschiedenen Weltauffassung vom Wesen der Judenhedt Diese Erklärung, die wir hier abgeben, ist nicht neu. Wir haben schon oft es betont, den Herren von der zionistischen Partei ist jedoch offenbar diese Erklärung nicht ganz genehm. Wir scheuen uns nicht, sie zu wiederhollen, wie wir uns auch nicht gescheut haben, sie in die Tat umzusetzen. Aber wir scheuen uns ebensowenig, zu erklären, daß wir einen tiefen Gegensatz zwischen Ostjuden und Westjuden erkennen. Die Ostjuden haben eine jüdische Nationalität; bei den Westjuden dagegen ist der Angleichungsprozeß so weit vorgeschritten, daß eine jüdische Nationalität nicht mehr vorhanden ist, daß sie Glieder des Volkes geworden sind, unter dem sie leben. Hier ist die Kluft zwischen uns und den Nationaljuden, und wir haben keinen Grund, von unserer Seite eine Brücke zu schlagen, die diese Kluft verdeckt. Wir stellen weiter fest: Kampf gegen den Antisemitismus ist nicht unsere einzige Aufgabe; hinzu kommt für uns die Organisierung der nationaldeutschen Juden, die Wiederbelebung des Judentums auf dem Boden der deutschen Khltur.“ Das sind nur einige der schönsten Stellen aus dem sonst recht interessanten Hefte. Nur auf eines sei hingewiesen. In seiner Polemik gegen das „Jüdische Echo“ schreibt das „Deutsche Reich“, es habe eine Zeitlang so ausgesehen, als ob auch die Zionisten von der Notwendigkeit eines einheitlichen und starken Auftretens gegen den Antisemitismus überzeugt seien. Das trifft für die — Zionisten zu. Man beachte in dieser Hinsicht die unten abgedruckte Korrespondenz zwischen dem Münchener Zentralverein und der Zionistischen Ortsgruppe München. Im übrigen verweisen wir auf unseren Leitaufsatz. G—. * Ein Briefwechsel Über die Stellungnahme der Ortsgruppe München des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu dem von Seiten der hiesigen zionistischen und ostjüdischen Organisationen angeregten Zusammenarbeiten bei der Abwehr antisemitischer Angriffe sind unsere Leser aus dem in Nummer 48 unseres Blattes in dem Aufsatz „Politik“ gebrachten Mitteilungen unterrichtet. Im Anschluß an die dort geschilderten Vorgänge entwickelte sich folgende Korrespondenz, die wir unseren Lesern unterbreiten. Wir hallten es nicht für nötig, unsererseits ein Urteil daran zu knüpfen. Der Briefwechsel spricht für sich selbst. München, den 29. November 1919. An die zionistische Ortsgruppe München (gleichlautend an den Gesamtausschuß der Ostjuden). Wir gestatten uns Ihnen mitzuteilen, daß nach längerer Aussprache über die Vorgänge in der letzten Versammlung vom 23. ds. der Ausschuß der Ortsgruppe folgenden Beschluß gefaßt hat: Wir lehnen es ab, mit der Zionistischen Ortsgruppe und dem Verband der Ostjuden Münchens neuerdings eine dauernde Arbeitsgemeinschaft zu bilden, sind aber bereit, in Fragen der Abwehr Anregungen dieser beiden Vereinigungen entgegenzunehmen und gemeinsam zu bearbeiten, wenn von ihrer Seite versprochen und gehalten wird, jeden Angriff gegen den Zentralverein einzustellen. Wir haben Herrn Dr. Julius Siegel, der sich inzwischen an den Unterzeichneten gewendet hat, um die Aussprache über ein Zusammengehen neuerdings in Fluß zu bringen, diesen Beschluß schon mündlich mitgeteilt. Hochachtend Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ortsgruppe München. Levinger. N.S. Ob vorstehender Beschluß angesichts des Artikels „Poitik“ in Nr. 48 des Jüd. Echo unverändert aufrecht erhalten werden kann, muß dahingestellt bleiben. D. O. München, 10. Dezember 1919. An den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe München. Wir bestätigen den Empfang Ihrer Schreiben vom 29. v. Mts. Wenn unsere Organisationen mit der Ihrigen in Verbindung getreten sind, um ein gemeinsames Vorgehen in der Frage der Bekämpfung des Antisemitismus herbeizuführen,, so geschah dies aus der Erkenntnis heraus, daß die antisemitische Gefahr, die alle Juden, welcher Parteirichtung immer, gleichmäßig bedroht, nur durch einmütiges Vorgehen aller jüdischen Kräfte wirksam bekämpft werden kann. Die Not der Stunde1 zwingt dazu, bei der Verfolgung dieses Zieles innerpolitische Gegensätze zurückzustellen, ohne daß deshalb im übrigen eine Partei an der Vertretung ihrer Prinzipien gehindert werden darf. Da wir aus mündlichen Erklärungen Ihrer Vertreter entnehmen zu können glauben, daß auch auf Ihrer Seite grundsätzlich die Berechtigung unserer Stellungnahme anerkannt wird, haben wir — trotz des von uns peinlich empfundenen Tones und Inhalts Ihrer Eingangs erwähnten Zuschriften — uns entschlossen, unter Hintansetzung jeder Empfindlichkeit über Art und Form gemeinsamer Aktionen mit Ihnen in Verhandlungen einzutreten. — Wir haben zu diesem Zwecke aJlis unsere Vertreter bestimmt: