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Das jüdische Echo · 1920-01-16 · 3 (16.1.1920) · p. Seite 29

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 29 ganz Hervorragendes, und die allgemeinen Argumente der Antisemiten haben mit der Macht der Hypnose selbst verständige Juden geblendet. Wenn jene als Ausgangspunkt die Rassen Verschiedenheit feststellen, wenn sie das staatsbürgerliche Leben in Beziehung setzen mit der Rasse, wenn sie die Kultur zu einer nationalen stempeln und demgemäß, nachdem die Juden für fremd erklärt worden sind, ihnen das Recht der Anteilnahme an der Kultur bestreiten und damit die Grundlage ihres Rechts vernichten, so haben sich noch immer Juden in Scharen gefunden, die in der Pose des aufrechten Stolzes und der Ehrlichkeit den Judenfeinden den Steigbügel halten. Und wenn sie sich auch gegen die natürliche, logisch ganz unabweisbare Folgerung stemmen, die den Haß gegen die Juden und ihre Entrechtung als etwas Berechtigtes predigt, so ist zu bedenken, daß man sich nicht in einen Abgrund stürzen kann, um einen Meter über dem Boden plötzlich in der Luft stehenzubleiben. Es ist ein Zeichen entweder von Dummheit oder von Heuchelei, wenn man Äußerungen eines Judenhasses bekämpft, dessen Grundlagen man als berechtigt anerkennt! Und es ist natürlich!, daß einem jeden, der sich auf den prinzipiellen Standpunkt des Gegners stellt, nicht nur der Glaube an die Sache fehlt, und daß dadurch sein Kampf ein matter undl wirkungsloser werden muß, sondern seine Unsicherheit teilt sich auch den anderen mit und lähmt die Kräfte — zum Schaden des Judentums, zur Freude seiner Feinde, die auch mit der Anerkennung für die ihnen in die Hände arbeitenden „guten“ Juden keineswegs kargen. Noch schlimmer wird die Unschlüssigkeit der Juden, wenn sie ihren Feinden auf dias Gebiet des Empfindens folgen und den Judenhaß in gewissen Imponderabilien des Gefühls begründet sein lassen. Wer zugesteht daß man mangels einer anderen Begründung auf das „Gefühl“ der Feinde, auf die bei ihnen allgemein herrschende stimmungsmäßige Abneigung gegen Juden und Judentum achten müsse, der begibt sich jeder Möglichkeit einer aussichtsreichen Bekämpfung; denn auf dem schlüpfrigen Boden des Gefühlslebens entgleitet jede Handhabe, vermittels deren man überzeugen kann. Es entspricht gewiß der auch ins Judentum eindringenden mystischen Verschwommenheit moderner Denkweise, wenn diese gehieimnisvoien Gefühle zum Range oberster Richter im Kulturleben erhoben werden. * Wenn man aber die Abneigung gegen die Juden und die daraus sich ergebende Notwendigkeit, sie im Staatsleben zurückzudrängen und schließlich zu entrechten, mit unausrottbaren, angeborenen oder gar rassenmäßig instinktiv vorhandenen Gefühlen begründet, so sei doch daran erinnert, daß eine wirklich ernste Wissenschaft von seelisch so tief verwurzelten Empfindungen nichts wissen will. In Wahrheit dürfte es gerade umgekehrt sein! Nicht die Empfindungen sind das Primäre, sondern die Rechtsstellung! Wo das Judentum von Rechts wegen die Rolle der unterdrückten, höchstens geduldeten Minderheitskonfession spielen muß. wo das Recht der Judenheit umstritten ist. herrscht Verachtung. Wo aber der Jude die völlige Rechtsemanzipation erlangt hat, schwinden die angeblich so tief wurzelnden Vorurteile ganz von selber.“ Es wird gegen den Zentralverein der Vorwurf erhoben, „ihm fehle das Positive! In kurzer Zeit wird öffentlich ausdrücklich formuliert werden, welche positiven Forderungen und Werte die Zentralvereinstendenzen in sich bergen. Für den einsichtigen Anhänger bedürfte es dessen freilich nicht. Denn wras ist im Judentum positiv? Wenn auch die krampfhaften Bemühungen unserer Tage, eine theoretische Grundlage für jenes Judentum zu finden, das einem die Zeitgenossen vorwerfen, ohne daß man es innerlich empfindet, zu schönklingenden Lösungsversuchen geführt haben, den ewigen religiösen Charakter unserer Gemeinschaft haben sie nicht ändern können! Rassen-. Schicksals- und Stammesjudentum sind, ebenso wie ein soziales und nationales, nur Ersatz für das echte, sind allesamt nur relativ, und mögen sie auch noch so geschickt ihre Abstammung zu verbergen versuchen, nur Kinder des Judenhasses. dessen Ähnlichkeit mit seinen Sprößlingen übrigens zuweilen eine frappante ist. Wird das Judentum von innen heraus gewertet, so ist sein positiver Charakter religiös! Ein wesentlicher Bestandteil der Religion ist aber das Recht, und jener Kampf gegen den Judenhaß, der ein Kampf um das Recht ist, stellt sich somit fraglos als eine Betätigung positiven Judentums dar. Nicht als ob er schlechtweg das positive Judentum wäre, mit dem sich der Begriff erschöpfte! Aber der Kampf ums Recht ist mehr als das Anrennen gegen lokale und zeitliche Hindernisse; als die Verfolgung von mehr oder weniger wichtigen Einzelfällen. Er ist ein Ausdruck jüdischen Wollens, wurzelt im jüdischen sittlichen Gesetze, ist positiv jüdisch!“ Aus dem Aufsatz von Rechtsanwalt Dr. Heinrich Stein-Berlin: „Der Zentralverein und die deutschen Juden.“ „Es sei einmal in aller Bescheidenheit die Frage erlaubt: Was versteht der deutsche Zionismus unter positiver oder negativer jüdischer Tätigkeit? Eine Tätigkeit kennzeichnet sich ails positiv oder negativ nicht durch ihre Aktionsmittel sondern durch den Aktionserfolg.“ „Fragen wir uns doch einmal in aller Ruhe: Wo ist das „Positive“, was das Nationaliudentum bisher geleistet hat? Zugeben will iehl zweierlei: Erstens ein glänzend aufgebautes, in anregenden Schriften verfochtenes und auch1 in vielen jungen jüdischen Gemütern festgewurzeltes theoretisches Lehrgebäude und zweitens die Anbahnung eines politischen Erfolges in Palästina. Von diesen beiden Erfolgen ist der erste ein rein theoretischer. Es ist bewiesen, daß es gute zionistische Schriftsteller, gute zionistische Redner gibt. Bewiesen soll erst werden, daß alle diese zionistischen Theoretiker auch mit ihrem Leben und Handeln derart für ihre Überzeugung eintreten. wie dies seit nahezu 30 Jahren in anstrengendem . unerquicklichem Kampfe die Führer des Z.-V. getan haben.“ Aus der „Zeitschau“: „Man sollte nun meinen, daß gegenüber dieser heute milder als je emporschlagenden Hetze alle Juden einig wären in dem Bestreben, diesen Feind niederzuwerfen. Es gibt aber leider noch immer innerhalb des Judentums Leute, denen der innere jüdische Parteistreit höher steht, als das Bestreben, zunächst einmal die äußere Gefahr zu bannen. Es schien eine Zeitlang, als ob die Kreise des deutschen Judentums, die aus innerpolitischen Gründen den Kampf gegen den Antisemitismus als etwas Nebensächliches betrachten, zum mindesten in diesem Augenblick von der Notwendigkeit eines einheitlichen und starken Auftretens gegenüber dem Antisemitismus überzeugt seien. Nun aber bringt die in München erscheinende zionistische Zeitung „Das jüdische Echo“ in ihrer Nummer vom 7. November einen Leitartikel, der von einer Unkenntnis sondergleichen durchdrungen ist. Die Schamröte steigt einem ins Gesicht, wenn man in einem solchen Artikel Worte liest wie: „Man gewöhne sich endlich daran, den Antisemi-

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