Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 3 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Das Jüdische Echo Nr. 3 nationaldeutschen Judentums werden? Sind wir doch schon so weit, daß Herr Dr. Goldmann- Leipzig. ein Rabbiner, es wagen kann, die Antisemitismusbefehclung „als wesentlichen Bestandteil der Religion“, als „Ausdruck jüdischen Wollens“ zu bezeichnen, als positiv-jüdisch, „verwurzelt im jüdischen, sittlichen Gesetz“! Man mißverstehe uns nicht: mit allen Mitteln bekämpfen wir den Judenhaß und seine widerwärtigen, brutalen Äußerungen. Wir vertreten wahrlich gegen Beschimpfung, Verleumdung. Gehässigkeit unser gutes Recht, das wir freilich aus anderen Gründen herleiten wie der Zentralverein. Wir weichen und winseln gewiß nicht, wir setzen Kraft gegen Kraft und dem Frechling die Faust ins Gesicht! Wir verweisen auf die Schomrim, die 18jährigen, in Krakau. Lemberg. Przemysl, die, den Revolver in der Hand den Kampf gegen die ungeheure Übermacht der Pogromisten aufgenommen haben! Wer wollte an den frischen Gräbern dieser Braven leugnen, daß Kampf gegen Verhöhnung, Zurücksetzung. Vergewaltigung hohe Pflicht eines jeden aufrechten Juden sei? Aber das Judentum opfern, um dem Judenhaß zu entgehen? Die Konsequenz ist die Taufe. Haben wir uns vom Rassen-, Schicksals- und Stammesjudentum“. von „sozialen und nationalen jüdischen Zusammenhängen“ loszusagen, um des Antisemitismus willen, wie es Herr Rabbiner Dr. Goldmann verlangt? Nation kommt von nasci. geboren werden. Unsere Blntsgemeinschaft. die jüdische verwandtschaftliche Verbundenheit, die Gemeinbürgschaft von Kol-Jisroel sollen wir verleugnen, weil es den Antisemiten und dem Zentralverein — par nobile fratrum — so gefällt?! Nationaldeutsches Judentum! Abraham. Isaak und Jakob, David und Salomo, die Propheten und Makkabäer, die Märtyrer von zwei Jahrtausenden verleugnen wir; unwert werden wir unserer Geschichte, weil es im Augenblick, vielleicht, nützt! Sind Hermann und Thusnelda unsere Ahnen? Stiegen unsere Väter zu Roß, um das heilige Grab von den Ungläubigen zu befreien? Schlugen sie. in maiorem Dei gloriam, die Juden zu Tausenden tot? Nein, wir sind Juden. Juden, Juden! Als Juden verlangen wir die Gleichberechtigung, als Juden, die für Deutschland gekämpft, gelitten, geblutet haben und auch weiter ihre Pflicht tun woben. Als Juden, die frei von Sklavengesinnung dem Land, in dem sie leben, willkommenere Bürger sein müßten, als die Aufdringlichen, deren Geste der Selbsterniedrigung, deren allzu auffällige Beflissenheit jedem Freien widerwärtig sein muß. Als Juden, die ihre Bürgerpflichten nicht zu verletzen glauben, weil sie der Zukunft des Judentums eingedenk sind. Man wagt, öffentlich das bewußte Judentum der Begünstigung des Antisemitismus zu beschuldigen, weil der Judenhaß in seiner Beweisführung hier und da die nationaljüdische Argumentation streift. Der Judenhaß kümmert sich den Teufel um jüdische Richtungen; er ist eben „Haß“, blind und taub. Er will den Juden treffen, mag er tun, sagen, verheimlichen oder verkünden, was er will. Herr Dr. Goldmann mag das nicht gelten lassen. Er will nicht glauben, daß die Abneigung gegen die Juden auf „angeborenen oder gar rassenmäßig instinktiv vorhandenen Gefühlen begründet ist“, und der Verfasser der „Zeitschau“ im selben Heft des Zentralvereinsblattes fühlt die Schamröte in seinem Antlitz aufsteigen, weil wir es gewagt haben, den Antisemitismus als das zu bezeichnen, was er ist. „als eine tief menschliche, im Gefühl verankerte Einstellung der Völker, unter denen Juden wohnen“. Woher kommt dann der Judenhaß? Herr Dr. Goldmann findet eine verblüffende Erklärung. Die Entrechtung der Juden ist die Mutter des Judenhasses. „Nicht die Empfindungen“, so schreibt er, „sind das Primäre, sondern die Rechtsstellung ... Wo der Jude die völlige Rechtsemanzipation erlangt hat, schwinden die angeblich so tief wurzelnden feindlichen „Gefühle“ ganz von selber.“ „Die große Armut kommt von der großen Poverteh“, sagt Fritz Reuters unsterblicher Onkel Bräsig. „Wers nicht glaubt zahlt einen Thaler.“ — Lohnt es sich gegen derartige Unlogik Waffen der Logik zu verwenden? Lohnt es sich derartige Würdelosigkeit zur Würde zu rufen? Auf unsere Frage nach der Stellung des Zentralvereins zu den Ostjuden wird uns die Antwort, man sei stets bereit gewesen in Arbeitsgemeinschaften zu Gunsten notleidender Ostjuden einzutreten, „nicht zuletzt, um die Gefahren zu bannen, die für die übrige Bevölkerung eine Überflutung durch arbeitslose Einwanderer im Gefolge haben könne“. Es ist immer dasselbe. Sklavengesinnung ist unfähig, ein Ding um seiner selbst willen zu tun. Sie hängt an den Zwecken, an der Wirkung auf andere, am augenblicklichen Vorteil. Gewiß, man will den Ostjuden höben, um sich selber zu helfen, und möchte sie am liebsten irgendwohin und sei es schlimmstenfalls nach Zion, abschieben, um sich des ungestörten Genusses seines Periökentumes weiter erfreuen zu dürfen. Der Zentralverein „hat die Schaffung einer positiven jüdischen Weltanschauung in sein Arbeitsgebiet hineingezogen“. Eine Weltanschauung als Resultat fleißiger Vereinsarbeit — man kann gespannt sein. Oder nein, wir sind nicht einmal neugierig. Das letzte Heft des „Deutschen Reichs“ sagt Aden alles. Der Zentralverein und seine Gesinnungsbrüder können den gelben Fleck nicht verleugnen. Aber das Judenschandmal ist doch längst von den Kleidern verschwunden? Von den Kleidern gewiß! Es ist etwas tiefer gerutscht: in die Herzen. G. Perlen Wir bringen aus dem Dezemberheft der Zeitschrift des Zentraivereins „Im Deutschen Reich“ folgende besonders markante Stellen zum Abdruck: Aus dem Aufsatz von Dr. Felix Goldmann-Leipzig: Die Grundlage unseres Kampfes: Die Makkabäer .... wußten, „daß ein höheres Ziel als das absolute, das gleiche Recht für alle nicht denkbar war, darum war der Schlag des Armes voll unwiderstehlicher Wucht, und die Seele w,ar stark . . . .“ „Schlimmer noch als die individuelle Rechtfertigung des Antisemitismus durch Sünden einzelner Juden, die unbewußte Anpassung an die antisemitische Methode der Verallgemeinerung, ist die systematische Untergrabung der wirksamen Bekämpfungsmöglichkeit durch allmähliches Hiniibergleiten auf den Standpunkt des Gegners und prinzipielles Einverständnis mit seinen Argumenten! Man leistet auf diesem Gebiete im Judentum heute Der auf Samstag, den 17. d. Mts. abends 7.30 Uhr im Bauerngirgl angekündigte Vortrag des Herrn Dr. Albert Baer. Berlin über Zionismus und' die jüdische Jugend kann, als nichtpolitischi, stattfinden. Zionistische Ortsgruppe München. Gesamtausschuß der national-iüdischen _Jugend vereine Münchens.