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Das jüdische Echo · 1920-01-09 · 2 (9.1.1920) · p. Seite 18

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
2 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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18 Das Jüdische Echo Nr. 2 eingesetzt hat. Bereits im Oktober wurden im medizinischen Universitätsinstitut antisemitische Hetzblätter verteilt, gegen deren Verbreiter ein Verfahren eingeleitet wurde. Zur I. ostjüdischen Konferenz in Berlin. Auf der bevorstehenden ostjüdischen Konferenz wird ein pädagogischer Fachmann, der Direktor der Berliner Talmud Thora Kneseth Jisroel, Herr Dr. Wilhelm Lewy, die Fragen unserer Jugenderziehung in einem besonderen Referate behandeln. Die Leiter der ostjüdischen Schulen und Lehranstalten in Deutschland werden nun Gelegenheit haben im Interesse der einheitlichen ostjüdischen Erziehungsarbeit eine Verbindung zwischen Talmud Thoraschulen im Reiche herzustellen. Es sollen jetzt die Grundlinien für die ostjüdische Erziehung in Deutschland klargelegt werden. — Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris, das heute insgesamt 12 Millionen Juden repräsentiert und die Organisierung des Judentums (Waad haarazoth) zum Schutz der erreichten Nationalrechte und zur Erweiterung dieser Rechte sowie anderer permanenter Ziele vorbereitet, wird von dem neuerrichteten Pressedienst des ostjüdischen Verbandes über den Wortlaut der Konferenz unterrichtet werden. Amerikanische und englische Zeitungen haben ihre Korrespondenten bereits angemeldet. Palästina. Das Jerusalem der Zukunft. Der Korrespondent des Londoner zionistischen Bulletin hatte eine längere Unterredung mit Professor Geddes, in welcher sich dieser in sehr bemerkenswerter Weise über den Ausbau des künftigen Jerusalems äußerte. Geddes ist überzeugt, daß die Erweiterung Jerusalems möglich sein wird, ohne den historischen Charakter der Stadt in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Im weiteren Verlauf der Unterredung wurde über den Erweiterungsplan des Herrn Maclean gesprochen, der in der englischen Presse, besonders auch im „Observer“, eine ziemlich abfällige Kritik gefunden hat. Geddes betrachtet es als seine Aufgabe, diesen Plan durchzuführen und entsprechend seinen Erfahrungen zu verändern. Nachdem er sich dann außerordentlich befriedigend über den gegenwärtigen Stand der Kolonien geäußert hatte, teilt er mit, daß die von ihm vorgeschlagenen Ausbaupläne für die Universität von Weizmann gutgeheißen worden seien, und daß er bestimmt hoffe, zu Beginn des Jahres 1920 mit dem Bau beginnen zu können. Hierbei wird man die auf dem Terrain vorhandenen Baulichkeiten für die Nebengebäude der Universität (chemische Laboratorien und ähnliches) verwenden können. Geddes hat sich auch mit einem Plan eines großen palästinensischen Museums beschäftigt. Österreich. Ein jüdisches Realgymnasium in Wien. In aller Stille wächst in Wien ein jüdisches Kulturwerk, von dem man nicht sprechen muß, weil es immer vernehmlicher durch die Tat für sich sprechen wird. Im Herbst wurde vom Unterrichtsamt des Jüdischen Nationalrates eine jüdische Mittelschule begründet und zunächst der erste Jahrgang eröffnet. Der Andrang war so groß, daß drei Parallelklassen errichtet werden mußten und nicht alle qualifizierten Bewerber Aufnahme finden konnten. In den letzten Tagen fand der erste Elternabend statt, bei wellchem der Direktor der Anstalt. Herr Professor Kellner (ein berufener Fachmann, der vor dem Kriege am hebräischen Gymnasium in Jaffa wirkte), über die bisherigen Beobachtungen des Lehrkörpers und über die Prinzipien und Ziele des Unterrichtes in der neuen Anstalt berichtete. Ungarn. Offizieller Antisemitismus. Der ungarische Kultusminister Stefan Haller und Ackerbauminister Rubinek äußerten sich für die Einführung der Prozentnorm an den Universitäten, damit das jüdische Element vermindert werde. Rubinek sagte ferner, es müsse dafür gesorgt werden, daß die Presse christlich und national sei. Internierung der Juden. Aus Budapest meldet die „Freie Presse“: Kriegsminister Friedrich hielt eine Rede, in der er u. a. sagte: Der Bolschewismus erhebt in Ungarn wieder sein Haupt, und man fordert von uns die Auflösung der Interniertenlager. Wir werden aber im Gegenteil die Internierungen fortsetzen. Am 8. Dezember beginnt der Abschub der Galizianer. Ich kann nicht dulden, daß meine ungarischen Brüder hungern, während die fremden Elemente prassen. Wir werden die Juden nach dem Internierungslager Hajmasker bringen. Am Montag beginnt der große Tanz. Was ich als Ministerpräsident und Kriegsminister nicht erreicht habe, werde ich als Parteiführer erreichen. Litauen. Eine Misrachi-Organisation in Litauen. In Wilna wurde am 22. September eine Misrachi-Organisation für Litauen ins Leben gerufen. Etwa 15 Rabbiner, 30 hervorragende jüdische Persönlichkeiten. 10 Vertreter der Zeire-Jisroel-Organisation nahmen an der Tagung teil. Die Leitung lag in den Händen des Wiilnaer Oberrabbiners Rubinstein. Er betonte, daß die orthodoxe Judenheit den Zionismus unterstützen müsse, der nicht länger eine abstrakte Idee sei. In der Periode der Verwirklichung, in die wir jetzt getreten seien, müßten die Rabbiner wie andere Führer des Volkes aktiven Anteil an der Bewegung nehmen. Polen. Die Sabbathheiligung. Das polnische Unterrichtsministerium hat beschlossen, daß in den staatlichen Mittelschulen jüdische Schüler nicht verpflichtet sein werden, am Samstag zu Schreinen. Was die privaten Mittelschulen anbelangt, haben die einzelnen Direktoren, denen das Ministerium keine Beschlüsse aufzwingen kann, die ihnen opportun scheinenden Bestimmungen zu treffen. Nach Erledigung der entsprechenden Formalitäten wird das Ministerium den einzelnen Schulverwaltungen in einem Erlasse von erwähnter Begünstigung Mitteilung machen. Die gänzliche Befreiung der jüdischen Schüler vom Schulbesuch am Samstag wurde vom Ministerium abgelehnt. Mesopotamien. Die nationalistische arabische Bewegung führt zu bedrohlichen Zusammenballungen arabischer Streitkräfte, denen man sogar ein Zusammenarbeiten mit den Streitkräften Enver Paschas gegen die Entente und England nachsagt. — Hier und da wird sogar von einer Bedrohung Bagdads gesprochen. Eine Kraftprobe, zu der es hoffentlich nicht kommen wird, wäre natürlich bei dem gewaltigen Unterschied der beiderseitigen Kräfte von vornherein entschieden und würde wohl den Zusammenbruch der hochgespannten arabischen Hoffnungen im Gefolge haben.

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