Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 1 (2.1.1920)
- Date
- 1920-01-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Das Jüdische Echo Bau eines neuen jüdischen Stadtviertels in Jerusalem. Ein Telegramm aus Palästina berichtet dem K. Z. B.. daß in Jerusalem der Bau eines neuen jüdischen Ouartiers beschlossen ist. Deutschland. Die deutschen Juden und der Bolschewismus. Die Tageszeitungen berichten, daß der Vorsitzende des Bürgerrates von Groß-Berlin sich an den „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen GHaubens“ mit der Anfrage gewandt habe, wie er sich zu dem auffallenden Überwiegen jüdischer Elemente in der Führung der kommunistischen Bewegung stelle. In der darauf eingegangenen Antwort des Centralvereins heißt es: „daß der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der mehr als 200 000 deutsche Juden vertritt, grundsätzlich auf dem Standpunkt steht, daß seine Mitglieder nationaldieutsch. orientiert sind. In den über fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens hat der Centralverein im besten Sinne des Wortes nationale Politik getrieben, indem er entsprechend der Vorschrift des § 1 seiner Satzungen seine Mitglieder in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung bestärkte. Ein ausdrückliches Abrücken von dem Bolschewismus erscheint ihm ebenso unwürdig, als wenn man vom Volksverein für das katholische Deutschland oder vom Evangelischen Bund ein Abrücken von dieser Bewegung verlangen würde. Der Centralverein hat oft genug, erklärt, daß sich die jüdischen Deutschen jede Vermengung mit bolschewistischen Elementen verbitten, gleichviel, ob diese Juden oder Nichtjuden sind.“ Der Centralverein vertritt angeblich die Interessen aller Juden. — Hält er seine Erwiderung für jüdisch? Wir werden darauf zurückkommen. Zur I. ostjüdischen Konferenz. Die Vorbereitungen zu der am 1. und 2. Februar 1920 im großen Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde in Berlin stattfindenden I. ostjüdischen Konferenz sind in vollem Gange. Die Konferenz wird sich nicht nur mit dem Ausbau der Organisation in Deutschland befassen, sie wird auch durch den Eintritt in die ostjüdische Weltorganisation, deren Sprachorgan die „Jüdischen Delegationen in Paris“ sind, die Beziehungen zu den Ostjuden, die in den Ländern der Entente wohnen, erweitern können. Dem nach Schluß der Friedensverhandlungen beim Völkerbunde permanent wirkenden „Rat der jüdischen Delegationen“ wird auch ein Delegierter der Ostjuden in Deutschland angehören. Die Konferenz wird ferner ihre Stellungnahme zu der demnächst stattfindenden allweltlich - jüdischen Hilfskonf e r e n z und den bestehenden ostjüdischen Komitees im neutralen Ausland präzisieren. — Über die Bedeutung und Aufgaben der I. ostjüdischen Konferenz in Deutschland wird Herr Jakob Reich im Monate Januar in den Städten München, Nürnberg, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Frankfurt a. M. referieren. Ostgalizien Jüdische Flüchtlinge — und die Entente. Der Pariser „Humanite“ zufolge, hat auf Initiative von Dr. Leon Reich das Komite der Jüd. Delegationen in Paris durch seinen Vorsitzenden, Nahum Sokolow, bei dem amerikanischen, englischen und italienischen Delegierten an der Friedenskonferenz wegen der Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge in Wien interveniert. Die gesamten Delegierten haben bei den maßgebenden Behörden wegen der ungerechten Maßregel in Wien bereits Schritte unternommen. Die Pariser Öffentlichkeit steht mit ihrer Sympathie auf Seite der jüdischen Flüchtlinge und „La Laterne“ veröffentlicht einen redaktionellen Artikel unter dem Titel „Um die Friedenskonferenz — galizische Flüchtlinge werden ausgetrieben,“ worin die Redaktion zum Schluß fragt, ob Österreich in puncto Verletzung des Friedensvertrages Deutschland (?) überbieten wolle. — Die in Budapest weilenden diplomatischen Missionen widmen den am 7. Dezember in Budapest stattgefundenen Exzessen große Aufmerksamkeit. Auf Veranlassung der amerikanischen Mission wurden von den ausgeplünderten Häusern photographische Aufnahmen gemacht. Die diplomatischen Vertretungen haben seitens ihrer Regierungen Instruktionen erhalten, alles was nur in ihrer Macht liege zu tun, um das wilde Treiben zu verhindern. Auf die Verwaltung Ostgaliziens erhält England einen großen Einfluß und nach 26 Jahren soll über das fernere Verbleiben Ostgaliziens bei Polen nicht durch eine Volksabstimmung, sondern durch den Völkerbund entschieden werden. Mit Rücksicht nun auf diesen ganz losen, mehr formalen Zusammenhang Ostgaliziens mit den Polen, das die weitgehendste und umfassendste Autonomie erhält, werden auch die ostgalizischen jüdischen Flüchtlinge rascher in ihre früheren Wohnorte zurückkehren, da sie auf Englands Schutz rechnen dürfen. Auf der gemeinsamen Sitzung des polnischen Seniorenkonvents mit der ausländischen Kommission in Warschau, die sich mit der Nationalitätenfrage in Ostgalizien beschäftigte, hat der sozialistische Abgeordnete Daszynski den Standpunkt vertreten, daß man die Existenz einer eigenen jüdischen Minorität anerkennen, sich mit ihren Vertretern zusammensetzen und mit ihnen eine Verständigung suchen müsse. Die Sitzung wurde — vertagt. Polen. Verfolgung der Jüdischen Pfadfinder. Ein wahrer Kreuzzug gegen Kinder vollzieht sich gegenwärtig in Polen. Den Anfang machte noch im Januar Lemberg mit der Speriung des Lokals und der Verhaftung vieler Mitglieder, die allerdings dann freigelassen wurden. Anfangs Juli überfiel beim Durchmarsch durch den südöstlichen Winkel Galiziens die Division Zeligowskis. die aus Odessa nach Polen heimkehrte, die jüdischen Pfadfinder, die in der Farm der „Ica“ in Slobodka arbeiteten, um sich für Palästina vorzubereiten — drei wurden auf der Stelle ohne jede Untersuchung niedergemacht, die meisten verwundet. Die Bilder dieser Kindermärtyrer sind in der ersten Nummer des „Haschomer“ Lemberg (September 1919) zu sehen. Am 30. September fand gegen 13 jüdische Pfadfinder in Wadowice eine Verhandlung statt. Auf der Anklagebank saßen fünfzehn- bis sechzehnjährige Bürschlein. Es wurden ihnen militärische Ziele vorgeworfen. Als Beweis diente der Bezug zionistischer Zeitschriften. Unlängst wurden in Tarnopol acht jüdische Pfadfinder wegen „politischer Gefährlichkeit“ eingesperrt. Aus der hebräischen Schule wurden dort die Bänke „requiriert“. In Jaroslau. Tarnow. Czortkow fanden in der Hetzten Zeit Verhaftungen jüdischer Pfadfinder statt, die aber dann aufgehoben wurden. Traurig ist es. daß bei vielen dieser Kinderverfolgungen christliche Kollegen aus polnischen Pfadfinderorganisatior.en die Rolle von Angebern spielten, so nachgewiesenermaßen in Tarnow und Jaroslau. Die Zwangssonntagsruhe beschlossen. Wie vorauszusehen war, entschied sich der polnische