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Das jüdische Echo · 1920-01-02 · 1 (2.1.1920) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
1 (2.1.1920)
Date
1920-01-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das Jüdische Echo Nr. 1 \ schließlich eine Schuld der deutschen Kultur sei. Statt dessen glaubte er, die Presse, so wie sie ist, und wie sie wahrlich nicht sein sollte, verteidigen zu müssen. Daß er außerdem noch eine Lanze für die „aus Überzeugung geschlossene Mischehe“ brach, kennzeichnet hinlänglich die Auffassung, die Dr. Nathan von seiner Aufgabe hatte. Die meisten anderen jüdischen Redner sagten Belangloses. Daß Dr. Ismar Freund wieder mit der Statistik der Eisernen Kreuze, Offiziere und Gefallenen Eindruck zu machen versuchte, war nur noch eine von jenen Ungeschicklichkeiten, die unbedingt hätten vermieden werden müssen. Und wenn Frl. Dr. Berliner gegenüber dem Grafen Hoensbroech, der behauptete, es handle sich nicht um den Gegensatz „Jude-Christ“, sondern „Jude- Deutscher“, erklärte, sie lasse sich ihr „deutsches Vaterland nicht rauben“, so müßte sie doch endlich einmal einsehen, daß eine so subjektive Willenskundgebung wirklich nicht da imponieren kann, wo ernsthaft von diesen Dingen verhandelt wird. Und was soll man denken, wenn Frl. Dr. Berliner bereits zum zweitenmal erklärt, in beiden Lagern müßte die Jugend zu einander sprechen und dann doch sich aktiv an dieser Versammlung beteiligt, in der wahrlich an Jugend nicht viel zu finden war. Und wiederum ist es beschämend, daß ein junger christlicher Student der einzige war, der mit höflichen aber kennzeichnenden Worten darauf hinwies, welcher Unfug hier mit dem Worte „Jugend“ getrieben worden sei, und der sich anheischig machte die wirkliche „Jugend“ finden zu wollen, — aber anderswo. Zusammenfassend darf bemerkt werden, daß die Veranstaltung eine völlig verpaßte Gelegenheit war und hoffentlich den einen Erfolg hatte, daß in Zukunft derartige Experimente nicht von einer Seite unternommen werden, die zur Genüge bewiesen hat, daß sie in diesen Dingen keinerlei Geschick besitzt. C. Z. Klötzel, Berlin. Hilfe für Deutsch~Österreich Die himmelschreiende Not in Deutsch-Österreich, insbesondere in Wien, wo ungezählte Tausende am Abgrund des Verderbens stehen, hat in Deutschland eine Hilfsaktion ins Leben gerufen, die für Bayern durch den „Hilfsbund der Münchner Einwohnerschaft“ zentralisiert ist. Einer der wesentlichsten Programmpunkte ist die Unterbringung von österreichischen Kindern bei Familien, die in der Lage sind, ein oder mehrere Kinder einige Zeit, mindestens 6 Wochen bei sich aufzunehmen, wobei Wünsche bezügl. Alter, Konfession und Geschlecht der Kinder berücksichtigt werden. Es wird daher auch an das brüderliche Herz unserer Glaubensgenossen appelliert, sich an diesem Rettungswerk zu beteiligen, insbesondere da zu erwarten ist, daß sich unter den hungernden Kindern aus Wien eine große Anzahl von jüdischen befindet, die auf rituelle Verpflegung rechnen. In München hat sich, trotzdem hier die Schwierigkeiten naturgemäß besonders groß sind, eine Anzahl von Familien zur Aufnahme bereit erklärt. So wird die Bitte ausgesprochen, daß der Hilferuf auch in den kleineren Gemeinden Bayerns gehört und beherzigt werde. Es wird bemerkt, daß die Kinder ärztlich untersucht und soweit sie ansteckende Krankheiten haben nicht nach Deutschland gesandt werden. Sämtliche Kosten für Hin- und Rückfahrt der Kinder, sowie für deren Versicherung gegen Unfälle usw. werden vom Münchner Hilfsbund bestritten werden. Dagegen können Sonderzuweisungen von Lebensmitteln nicht gewährt werden. Es wird gebeten, Anmeldungen nach folgenden Rubriken: 1. Name, 2. Adresse der Pflegefamilie, 3. Wünsche betr. Alter, Geschlecht und Konfession, Dauer der Aufnahme, 5. ob Haushalt rituell? zu betätigen und möglichst umgehend an das Unterzeichnete Rabbinat gelangen zu lassen. Rabbinat München, Richard Wagnerstr. 16. Ein offenes Wort zur Judenfrage Unter Bezugnahme auf den gleichnamigen Artikel in Nr. 50 unseres Blattes vom 12. Dezember 1919 hat Herr Dr. Kehr, Kaiserslautern, der hiesigen Ortsgruppe des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens auf dessen Anfrage mitgeteilt, daß er sich in keiner Weise eine Denunziation der Zionisten habe zu Schulden kommen lassen. Der betreffende Passus seiner Rede in der öffentlichen Versammlung habe wie folgt gelautet: „Wenn man die ungeschwächte Kraft des Antisemitismus im deutschen Volke betrachtet und bedenkt, wie lange wir schon ohne Erfolg dieses Vorurteil bekämpfen, so könnte man verstehen, wenn uns Juden eine gewisse Verzweiflung an dem deutschen Geiste erfassen würde. Da könnte der Gedanke nahe liegen: Wir wollen diesem Lande, das uns nicht versteht und nicht verstehen will, den Rücken kehren, wir wollen auf unsere eigene Kraft bauen usw. Diesen Gedanken aber, dem die zionistische Bewegung gegenwärtig viele Anhänger verdankt, müssen wir entschieden zurückweisen.“ Aus der Jüdischen Welt Palästina. Reformen im Chalukawesen. Wie „Chadaschot Haarez“ mitteilen, macht sich letztens in Kreisen der Chalukaempfänger des ungarischen Kolel in Jerusalem die Neigung bemerkbar, sich vom Empfang der Chaluka loszusagen. Dazu hat gleichermaßen die verbesserte wirtschaftliche Lage vieler junger Leute unter den Empfängern und die Herabsetzung der Unterstützungsquote, beigetragen. Die Verwaltung der Landsmannschaft entschloß sich darauf zu einer systematischen Reform, nämlich zur Zweiteilung der Subventionsgelder: ein Teil wird für Wohltätigkeitszwecke, der andere für Überführung der geeigneten Elemente zur Landarbeit in Palästina verausgabt. Es ist dafür gesorgt worden. daß bereits bei der Sammeltätigkeit in der Diaspora auf diese Neuerung hingewiesen werden soll. Man verspricht sich von dieser Produktivierung der Chaluka einen großen Sammelerfolg in Amerika. Einen ähnlichen Beschluß faßten die beiden chassidischen Kolelim Ljubawitsch und Bobruisk: 50 Prozent aller Spenden sollen zum Besten von Waisen, Kranken, Witwen und Greisen verwendet werden, die anderen 50 Prozent werden an junge Leute vergeben, die sich der Landwirtschaft widmen wollen. Die beiden Landsmannschaften gehen daran, sich zusammen zu tun, um gemeinsam die Idee der Landwirtschaft in die Chalukajugend zu tragen. Als Symptome eines Gesundungsprozesses der Chaluika sind diese neuen Regungen höchst begrüßens- und bemerkenswert.

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