Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 52 (24.12.1919)
- Date
- 1919-12-24
- Page
- Seite 629 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102975-9140638--03248-9076069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 52 Das Jüdische Echo 629 Sümpfe ausgetrocknet, auf den Sumpfstellen Eucalyptus-Haine gepflanzt und die Abflüsse und Wadis, die sich vom kleinen Hermon in die Emek ergießen, durch ein System von Kanälen reguliert. Durch die. Assanierungsarbeiten in Kinereth sollen außer den Farmen des JNF auch die Kolonien Kinereth und Bethania fieberfrei gemacht werden. Das ganze Ufer des Kinereth-Sees und Jordans soll auf einer Strecke von mehreren Kilometern reguliert und durch Mauern befestigt werden. Die Ebene zwischen Bethania und Kinereth wird entwässert und die Jordanbucht zwischen Daganiah und Kinereth zugeschüttet. Das durch Dammeinbruch im Laufe der letzten Jahre angesammelte Jordanwasser soll mittels Windturbinen und Motoren in das Flußbett abgeleitet werden. Auf den Überresten des alten römischen Aquäduktes zwischen Daganiah und Melhamie soll eine Eisenbahnbrücke über den Jordan errichtet werden. Zur Ansiedlung von 100 demobilisierten Legionären hat die New Yorker Achusah-Zion-Cominonwaelth ein größeres Areal in der Kolonie Emek-Jizrael gepachtet, darunter auch 1000 Dunam Boden des JNF in Merchawiah, wo in kürzester Zeit zementierte Baulichkeiten errichtet werden sollen. Jüdisch»Palästin. Reise» und Transportgesellschaft m. b. H. Die seit einiger Zeit in Wien bestehende Jüdischpalästinensische Reise- und Transportgesellschaft m. b. H. hat jetzt in.Berlin unter Leitung des Herrn Paul P. Lindenberg, Berlin SW. 61. Blücherstraße 23, der bereits seit längerer Zeit verkehrstechnisch tätig ist, eine Zweigstelle für Deutschland eingerichtet, die Hand in Hand mit dem Berliner Palästina-Amt arbeitet und alle transporttechnischen Fragen der Übersiedlung erledigt. Alle diesbezüglichen Anfragen sind an obige Adresse zu richten. Oberst Lawrence über den Zionismus Oberst T. E. Lawrence,1 dessen hervorragender Anteil an dem Feldzug in Palästina bekannt ist, hat zu einem Korrespondenten des Londoner „Jewish Guardian“ Äußerungen über den Zionismus gemacht, die um so bemerkenswerter sind, da sie an ein antizionistisches Blatt gerichtet sind. Oberst Lawrence, der Faisul während des palästinensischen Feldzuges als Vertreter Allenbys zugeteilt war und in palästinensisch-syrischen Angelegenheien als eine Autorität betrachtet wird, sagt unter anderem: „Ich bin entschieden für den Zionismus. Religiöse Streitigkeiten, die übrigens niemals das jüdisch-arabische Verhältnis getrübt haben, werden kaum entstehen, da der stärkste Faktor in der Politik des Ostens heute Nationalität und nicht Religion ist. Überall, in Persien, Mesopotamien, Arabien und Ägypten ertönt heute der Ruf „Nationalität“. Jene drei Gemeinschaften der semitischen Rasse — ich meine die syrischen Christen, Mohammedaner und Juden, die heute in Palästina leben —, die vom religiösen Standpunkt sich sehr von einander unterscheiden, werden imstande sein, in voller Eintracht miteinander zu arbeiten, soweit es sich um politische Fragen handelt. Aber eine Bedingung muß erfüllt werden, bevor die Araber oder irgendeiner von den Staaten des nahen Ostens oder Mittelasiens die Juden als einen wesentlichen Bestandteil Palästinas akzeptieren werden. Der Jude muß ein Palästinenser werden. Die erste jüdische Generation, die nach Palästina kommt, bewahrt oder wird den nationalen Charakter ihres Herkunftslandes bewahren. Die Kinder dieser Generation beginnen zu fühlen, daß sie Palästinenser sind und die zionistische Welle, die heute durch die zivilisierte Welt geht, wird diesen Gefühlsprozeß beschleunigen und sie zu Ostlern machen. Sie werden aufhören Westler zu sein und das ist es, was die nichtjüdischen Staaten von ihnen verlangen. Die Opposition gegen den Zionismus und die großen Schwächen, die ihm heute anhaften, werden nicht verschwinden, solange die zionistischen Hauptquartiere sich in London, New-York, Berlin oder Paris befinden und nicht in Jerusalem. Die Errichtung einer jüdischen Universität ist ein vortrefflicher Schritt, — aber er genügt nicht. Die Schwierigkeit liegt darin, daß der reiche Jude, der in einem fremden Lande seinen Beruf ausübt, Familie und Freunde besitzt, nicht gern in ein Land übersiedeln wird, wo er zumindest für Jahre nicht viel mehr als ein Fremder sein wird. Der Zionismus wird nichtsdestoweniger, wenn er eine Zukunft haben soll, dieses Opfer bringen müssen. Der ägyptische Sultan machte einmal die Bemerkung, daß ein Zionist ein Jude ist, der einen andern Juden zahlt, damit er in Palästina lebt. Solange diese Idee nicht aus den Köpfen der Juden und Nichtjuden in gleicher Weise getrieben wird, gibt es keine wirkliche Hoffnung für den Zionismus. Ich betrachte den Zionismus als das einzige praktische Mittel, den neusemitischen nahen Osten noch in unseren Tagen der Ordnung zu erschliessen. Die Verwirklichung des Zionismus hängt davon ab, daß die intellektuellen und finanziellen Leiter dieser Bewegung sich von dem Gefühle werden durchdringen lassen, daß sie ihre westlichen Interessen werden opfern müssen und sich selbst persönlich und mit allen finanziellen Mitteln dem Wiederaufbau Palästinas so schnell als es nur menschlich denkbar ist, weihen. Der Zionismus in Rußland Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ veröffentlicht einen Bericht aus Rußland, der bei dem völligen Abgeschnittensein unserer russischen Brüder von der übrigen Welt vom gesamten Judentum gewiß mit Interesse aufgenommen werden wird. I. Allgemeine Lage. Trotz der geringen Anzahl der Juden in Sowjet-Rußland (ca. 750 000 Seelen) ist der Antisemitismus stark verbreitet. Dank der energischen Maßnahmen der Sowjetregierung ist es aber bisher, abgesehen von vereinzelten Fällen zu keinen ernsteren Ausschreitungen gekommen. Der Antisemitismus wird von der Sowjetregierung als die gefährlichste konterrevolutionäre Bewegung erklärt und demgemäß aufs schärfste unterdrückt. Viel schlimmer steht es mit der antisemitischen Welle innerhalb der Roten Armee, die zuweilen bedrohliche Formen annimmt. Die judenfeindliche Haltung vieler Truppenteile wird insbesondere in den von den Juden dicht bewohnten Gebieten des Gouvernements Mohilew und Witebsk zu einer großen Gefahr. In diesen Gouvernements sind Fälle zu verzeichnen, wo Truppenteile, die zum Schutz der jüdischen Bevölkerung in kleine Städtchen entsandt wurden, in denen bewaffnete