Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 51 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 617 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 617 Die süddeutsche Orthodoxie und die Gesamtvertretung der deutschen Juden. Die „Deutsche Israelitische Zeitung“ in Regensburg äußert sich in der Ausgabe vom 27. November zu den Bestrebungen des D. J. G. B. und des Verbandes der deutschen Juden, die Gesamtvertretung der deutschen Juden zu usurpieren. Dem kritischen Teil dieser Ausführungen können wir uns nur anschließen. „Der Verband und der Bund sind das Gegenteil von Demokratie. Der Verband der Deutschen Juden war nie ein Verband der deutschen Juden, sondern ein Verband einzelner Notabein, welche von den Mitgliedern der Gemeinde nicht gewählt sind. Der Gemeindebund war nie ein Gemeindebund, sondern ein Vorsteherbund“. Dagegen müssen wir die Auffassung, daß ein Zusammenschluß aller israelitischen Religionsgemeinden in Deutschland nicht zu empfehlen sei. aufs Schärfste zurückweisen. Gerade das orthodoxe Judentum sollte noch Verständnis für die Einheit des Judentums haben, die nicht an den Grenzen der einzelnen deutschen Bundesstaaten Halt macnt. Kol Israel arewim. se lo se, nicht nur die Juden in Bayern oder Reuß ältere Linie. Hus der jüdischen Weit Palästina. Die Bevölkerungszahl Palästinas. Aus einem Bericht, den die Verwaltung von Palästina veröffentlicht. geht hervor, daß in den Mutessarifliks Jerusalem, Nablus und Acco von den englischen Behörden eine Volkszählung veranstaltet worden ist, welche folgendes Resultat hatte: Mutessariflik Jerusalem 347 985 Personen. Mutessariflik Nablus 144 256 Personen, Mutessariflik Acco 155 020 Personen, zusammen 647 261 Personen. Unter dieser Gesamtbevölkerung von 647 261 Personen sind zirka 65 300 Juden, 62 500 Christen und der Rest Mohammedaner. Nach den letzten Angaben der türkischen Standesämter vor der Eroberung des Landes durch die Engländer waren vorhanden: im Mutessariflik Jerusalem 398 362 Personen, gegenüber dem englischen Zensus + 50 377, im Mutessariflik Nablus 153 749 Personen (+ 9493), im JVfcutessariflik Acco 137 164 Personen (—17 856). Insgesamt hätte sich also nach dem neuen Zensus die Bevölkerung gegenüber dem türkischen Zensus um 42 014 Seelen vermindert. Die vorgenannten drei Mutessarifliks 'machen nun allerdings noch nicht das gesamte Palästina aus. Es kommt noch das Ostjordanland hinzu, das zu den Mutessarifliiks Kerak und und Hauran, sowie Nordpalästina, das zum Mutessariflik Beyruth gehört. Für diese Bezirke liegt ein englischer Zensus noch nicht vor. Eine auf den letzten Angaben der türkischen Personenstandsregister beruhende Schätzung aus Palästina gibt folgende Zahlen: im Mutessariflik Kerak 68 000 Personen, im Mutessariflik Hauran 180 000 Personen, im Mutessariflik Beyruth (in dem zu Nordpalästina gehörigen Teff^ 70 Ö00 Personen. Die Gesamtbevölkerung Palästi-. nas würde sich hiernach gegenwärtig, wenn man das ganze Mutessariflik Hauran hineinrechnet, auf 965 261 Seelen stellen. Die sozialphilanthropischen Institutionen in Palästina. Die zionistische Palästinakommission mußte die Fürsorge für die gesamten traditionellen Chalukkah-Elemente übernehmen und ihr war somit eine unaufschiebbare Arbeit zugefalllen, deren Reform eine Arbeit von Jahren sein muß. Außer der Unterstützung von Witwen. Waisen und Greisen mußte die Palästinakommision das Budget folgender Wohltätigkeitsinstitute in Jerusalem übernehmen: Blindenschule (36 Schüler), Hospital für geisteskranke Frauen (44 Patienten), allgemeines Altersversorgungsheim (138 Greise), sephardisches Altersversorgungsheim (42 Greise), ferner für 5 Waisenhäuser mit zusammen 430 Waisenkindern. Auch übernahm sie 3 Volksküchen, in denen etwa 3400 Familien täglich gespeist werden. Ebenso mußte die Kommission in Jaffa das Budget des Hilfskomitees des Waad Hair. dem die Fürsorge für notleidende Waisen und Kranke oblag, übernehmen, ferner ein Waisenhaus (73 Kinder), ein Altersversorgungsheim (25 Personen), eine billige Küche, die täglich 280 Portionen verteilt, und eine Nähschule. In Haifa übernahm die Kommission außer dem Budget des Hilfskomitees die Ausgaben des Waisenhauses; in Safed und Tiberias kamen außerdem noch der Unterhalt der Strickerei- und Nähwerkstätte hinzu. Deutschland. Professor Albert Einstein, der neue Genius, den das jüdische Volk der Menschheit schenkte, ist in seinen Forschungen zu Ergebnissen gelangt, die, wie die wissenschaftliche Presse einstimmig erklärt, „den Erkenntnissen eines Kopernikus. Newton und Kepler gleichwertig sind.“ „Eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte hebt an,“ sagt die Berliner Illustrierte Zeitung, die übrigens das Judentum Einsteins nicht erwähnt, „und sie ist unlösbar verknüpft mit dem Namen Albert Einstein.“ Einstein, das jüngste Mitglied der preußischen Akademie der Wissenschaften, war vor kurzem in London, wo in der königlich-astronomischen Gesellschaft die verblüffenden Resultate von jüngst unternommenen astronomischen Versuchen diskutiert wurden, welche die umwälzenden Theorien Einsteins über das Universum in glänzender Weise bestätigten. Die „Times“ brachte einige Artikel über Einsteins Theorien, deren Bestätigung in London ungeheures Aufsehen erregt. Sie berichtete auch über Einsteins Persönlichkeit; er sei Zionist und habe starkes Interesse an der projektierten hebräischen Universität in Jerusalem. Ostjjüdische Konferenz. Ende Januar findet die erste ostjüdische Konferenz in Berlin statt. Die Tagesordnung dürfte voraussichtlich lauten: 1. Unsere politischen Aufgaben. Referent: Jakob Reich. 2. Die Stellung der Ostjuden in den jüdischen Gemeinden und Organisationen. Referent: Dr. K 1 e e. 3. Die kulturellen Aufgaben der Ostjuden. Referent: Dr. Israel Taubes. 4. Die Erziehung unserer Jugend. Referent: Dr. Wilh. L e w y. 5. Die sozialen Aufgaben unserer Organisation. Referent: J. Lin. 6. Die rechtliche Lage der Ostjuden in Deutschland. Referent: R.-A. S e b 1 o w i c z. 7. Propaganda. Referent: A. Kraus. In sämtlichen, die Konferenz betreffenden Angelegenheiten, wolle man sich an den Gesamtausschuß der Ostjuden in München, Ohmstraße 20. wenden. England. Misrachikonferenz in London. Am Sonnabend, den 8. Nov. abds., wurde unter den Auspizien des Misrachi in' Whitechapel eine Konferenz eröffnet, deren hauptsächlichster Sprecher Dr. Keller aus Palästina war. Dr. Keller führte aus, daß der Misrachi in politischer Beziehung sich streng loyal zur zionistischen Organisation verhalte, inbezug auf religiöse Fragen halte er sich aber an das traditionelle Judentum. Nur wenn man in Palästina nach dem Prinzip der jüdischen Religion leben könne, solle