Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 51 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 618 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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618 Das Jüdische Echo Nr. 51 man das Werk des Aufbaues unternehmen. Alle vom Misrachi für Erziehungszwecke gegebenen Gelder müßten vom Misrachi kontrolliert werden. Am darauffolgenden Tage fand eine Konferenz aller misrachistischen Gruppen Großbritanniens statt, an der auch Dr. Keller und Dr. Farbstern aus Warschau teilnahmen. Dr. Keller sprach ausführlich über die Lage der Erziehungsarbeit in Palästina, soweit sie den Misrachi betrifft. Er wies darauf hin, daß der Lehrer in Palästina nicht nur in den Schulen, sondern auch im allgemeinen Leben großen Einfluß habe. Es müsse eine Aufsichtsstelle für orthodoxe Schulen geschaffen werden, die in den Händen des Misiachi liegen müsse. An Dr.’ Kellers Bericht schloß sich eine Diskussion an. Dann wurde der Beschluß gefaßt, den Herren Dr. Weizmann und Ussischkin die volle Anerkennung für ihre politischen und wirtschaftlichen Bemühungen im Lande auszudrücken und ihre Aufmerksamkeit auf eine baldige Lösung der kulturellen Fragen zu lenken. Auf einer am Abend abgehaltenen Sitzung wurde beschlossen, daß von den seitens des Misrachi für den Restorations-Fonds aufgebrachten Geldern ein Teil für Erziehungszwecke im Sinne des Misrachi verwendet werden müsse. literarisches Echo Literarische Mitteilung. Für jüdische Volks¬ und Bürgerschulen sind Lesebücher in Vorbereitung. Der Unterzeichnete ersucht alle an dem Gelingen der Arbeit interessierten Personen um freundliche Überlassung von Materialien, die die Geschichte einzelner Judengemeinden, ihre besonderen Einrichtungen und Gebräuche, ihren Sagen und Legendenschatz behandeln. Manuskripte werden in kürzester Zeit zurückgestellt. Adresse: Prag, Jüdisches Rathaus, Prof. Dr. Alfred Engel, Die Ruine des Orients. Türkische Städtebilder von Major a. D. Franz Carl Endres. München- Leipzig, Verlag von Duncker und Humblot 1919. Das bewußte Judentum erinnert sich gern des Verständnisses, das der Verfasser von jeher dem jüdischen Problem entgegenbrachte. Er hat die Möglichkeit eines jüdischen Palästina und seine Wichtigkeit für die Lösung der Judenfrage und für die Entwicklung des arg darniederliegenden vorderen Orients schon früh erkannt und diese seine Auffassung jüdischen und nichtjüdischen Kreisen gegenüber mit Erfolg vertreten. Als einer der besten Kenner des Orients versteht es Endres* das bunte Leben aller dieser Städte in tausend Bildern darzustellen und seinen Schilderungen zugleich eine Behandlung der wichtigsten' Probleme zu verknüpfen, die das Leben dieser ehemals türkischen Provinzen bestimmen. Die Ruine des Orients ... eine sterbende Kultur. „Wenn englische Ordnung an Stelle türkischer Mißwirtschaft treten wird“, schreibt Endres, „werden die Zeiten für die leidenden Massen und Einzelmenschen des Orients schiöner werden und eine Erinnerung wird sich den Zusatz „an die gute alte Zeit“ vielleicht nicht leisten können. Aber die Seele des Orients wird bleiben, so wie sie war, und wird desto inniger an der guten alten Zeit hängen. Sie hat Jahrtausenden getrotzt, sie wird der englischen Organisation nicht weichen. Nur wird sie, und das zum Segen des wirtschaftlichen Orients, nicht mehr das ausschlaggebende Motiv bleiben, sie wird sich in das Privatleben zurückziehen, um hier in der Trauer über den politischen Tod den kulturellen, der über kurz oder lang erfolgen muß, zu erwarten.“ — Es haftet all diesen Städten ein leis melancholischer Zug an, der sich hinter dem farbigen Gewände eines bunten Lebens nur wenig verbirgt. Und doch macht sich auch! hier schon der Anfang neuen Lebens bemerkbar. Man lese die schöne Schilderung des Zionismus in dem Kapitel „Jerusalem“, aus dem wir einige Stellen demnächst zum Abdruck bringen werden. Es kann kein höheres Lob von nichtjüdischer Seite geben, als das, in dem der Verfasser sein Urteil über die bisherigen Leistungen des Zionismus in Erez Jisroel zusammenfaßt: „Ordnung und Reinlichkeit, Verdienstmöglichkeit und Lebensfreudigkeit sind dort edngezogen, wo vordem ein stumpfes Hinbrüten, ein viehisches Vegetieren Mitleid und Eckel in gleichem Maße wachriefen.“ Wir Juden, die alle Veranlassung haben, den •nahen Osten, seine Probleme und seine Menschen kennen zu lernen, werden in Endres Buch Anregung und Ermutigung finden. Vor allem aber — und das scheint mir wert, hervorgehoben zu werden — verleihen diese Schilderungen dem Gedanken der jüdischen Siedlung eine innere Berechtigung auch an sich nicht ungerechtfertigten Einwänden der Eingeborenen gegenüber. Man erwirbt ein Land nicht dadurch allein, daß man es bewohnt. Das Recht auf den Boden wird vielmehr nur dadurch gegeben, daß man durch Arbeit und Liebe ihn zu blühender Fruchtbarkeit bringt, daß man ihm die Möglichkeiten der Entwicklung abgewinnt, die in ihm stecken. Den Juden wird Erez Jsrae'i zu Recht gehören, wenn sie es dem allgemeinen Verfall des Orients zu entreissen, Wenn sie aus dieser „Ruine des Orients“ das Beth Jakob, das hochgebaute, festgefügte Heim ihres Volkes machen werden. G—. HHe instjcc im UDeitfrieg nimmt Öie Hlümfjncr flugetiö autfj 6eim ffiicöccaufbau öes $deöens tfn ausgeprägte -Stellung unter Öen Öeutftf|en iiiußrierten 3*itfd)riften ein. Sie iß nndj tnie üor öie Eie&Imgsleftüre eines Jeflen/ öec ernß unö üorurteiitfloö Öen 3eit* geiß öerfolgt. Sejugöpreiö öierteijofjrlidy fllf. 10.— (Sud^anöei oöer poß) Unmittel&ar üora Oerlag in Hollen tterpatft mit pocto, in Ocutfrfjlanö mf.12.50 im Ausland tttf. 13.— ptofteftänöe 4 Hummern entftnltenö Ulf. i.fo ßinjeine Hummern Ulf. l.— Oedag öec ,jjfugmÖ' iHum^ett/ £*fftagßt. I